Wie entsteht eigentlich ein Muffelmonster – ein Interview mit der Illustratorin Franziska Harvey

Eine Geschichte im Buch besteht ja meistens nicht nur aus Wörtern, sondern auch aus Bildern. Und diese Bilder muss oder darf jemand zeichnen. Bei unserem muffeligen Muffelmonster ist das Franziska Harvey und ich freue mich so sehr, dass Junior und ich auch hier etliche Fragen stellen konnten.

 

Was war denn dein erster Job als Illustratorin? 
Das ist eine ganz tolle Frage, da ich darüber schon sehr lange nicht mehr nachgedacht habe und nun sehe ich sooooo viele Bilder vor mir…eine wahre Zeitreise.
Meinen ersten bezahlten Job als Illustratorin hatte ich noch zu Beginn meiner Studienzeit, also vor etwa 33 Jahren.
Damals habe ich auf der Frankfurter Buchmesse einen kleinen ökologischen Briefpapierproduzenten aus dem Vogelsberg kennengelernt: Pilkowskis Papierprodukte.
Verschiedene hübsche Landschaften, eine dicke Radfahrerin mit Jugendstildekor, ein bunter Harlekin und viele andere Motive dekorierten das graubraune Recycling Briefpapier
und die dazu passenden Umschläge und Postkarten und ich war pudelstolz! 🙂

 

Hat sich dein Stil seitdem verändert?
Ja, damals waren meine Zeichnungen noch ein bisschen unsicherer, der Strich etwas holziger.
Aber schon immer habe ich gern mit der Tuschefeder gezeichnet.

 

Deine Kindheit hast du in Argentinien verbracht. Spielt das in den Zeichnungen eine Rolle?
Vielleicht…darüber habe ich noch nie nachgedacht. Das Erleben ganz großer weiter Landschaften und vieler exotischer Tiere auf unseren Reisen dort, hat sicher meinen Faible für Natur und Tiere noch verstärkt. Wir waren ganz oft mit dem Zelt in der Natur unterwegs.
 Wir hatten dort aber auch hier in Deutschland immer schon viele Haustiere: Hunde, Kaninchen, Kanarienvögel, Schildkröten, Wasserschweine, Papageien, Katzen, Hühner, Ratten und ein Chinchilla und ich habe sie immer alle gern gezeichnet.
 Meine kindliche Tierliebe hat vermutlich meinen naturnahen, lebendigen Stil mit beeinflusst.

 
Junior möchte wissen, wie du auf die Muffelmonster Form gekommen bist? Wie entstand das erste Muffelmonster?
Das ist auch eine spannende Frage, zu der nun plötzlich eine kleine Erinnerung aufbloppt: Ich hatte auf einer Karte von einem Postkartenständer eine kleine schwarze ganz haarige Eule gesehen, mit großen Augen und spitzen Öhrchen und dachte damals, so in etwa könnte das Muffelmonster aussehen- aus der Mischung der kleinen struppigen schwarzen Eule und einer schlechtgelaunten Katze ohne Schwanz wurde dann das wütende Kerlchen.

Skizzen von Franziska Harvey

Copyright Franziska Harvey

 

Wie würdst du deinen Stil beschreiben?
Hmmmm…das ist nicht so einfach, fast so, wie wenn man gefragt würde, wie man sich selbst beschreiben würde- da soviel persönliches in den eigenen Zeichnungen steckt
und da man ja meist sehr kritisch in den Spiegel blickt… 😉
Aber ich empfinde meine Zeichnungen, Figuren und Szenen als lebendig, ausdrucksstark und gefühlvoll und auch als recht zeitlos- ein Feedback, das ich auch so schon mehrfach bekommen habe.

 
Lieber analog oder digital?
Ich arbeite tatsächlich ausschliesslich analog, digital muss ich gestehen, kann ich gar nicht. Tuschefeder, Papier, Wasser, verschiedene Farben und Stifte
kann ich mir aus meinem Arbeitsalltag gar nicht weg denken- ich liebe diese Materialien und den oftmals meditativen Umgang während des Zeichnens damit.

 

Wie lange dauert es ein Muffelmonsterbuch zu zeichnen und wie läuft das ab?

Ich sitze so in etwa einen Monat an einem Muffelmonsterbuch. 
Zunächst bekomme ich den Text und fertige grobe Bleistiftskizzen zu den einzelnen Seiten an, das ist der kreative Teil- wo ganz viel im Kopf passiert- da brauche ich 
absolute Ruhe, damit die Ideen ungestört purzeln können.
Die Skizzen bespreche ich dann mit meiner Lektorin und wenn alles so passt, setze ich mich ans Reinzeichnen.
Ich arbeite die Skizzen noch etwas aus und übertrage sie per Leuchttisch auf mein Reinzeichenpapier und dann zücke ich Tuschefeder und Pinsel  und der meditative
Arbeitsteil beginnt, wo ich ins Handwerk versinke und dabei am liebsten gute Hörbücher oder interessante Radiosendungen höre.

Franzsika sitzt mit Brille im Atilier und zeichnet an einem MUffelmonster. Sie ist von der Seite fotografiert und scahut konzentriert auf den Stift in ihrer Hand

Copyright Marie Harvey

 
Die Mimik und Gestik des Muffelmonsters ist so ausdrucksstark, wie gelingt das? Hast du viel Phantasie?
Meine bereits erwähnte Tierliebe ist bestimmt eine Zutat für die Lebendigkeit in meinen Figuren, hinzu kommt aber noch, dass ich seit gut 20 Jahren als Hobby Tanztheater mache 
und mich hier sehr viel mit Bewegung, Gestik und Ausdruck beschäftige. Das ist enorm hilfreich, wenn man eine bestimmte Emotion oder Körperhaltung aus dem Tanz ganz bewusst und gut kennt 
und sie somit schon innerlich vor Augen hat, fliesst das mit in die Zeichnung.
Erst vor wenigen Jahren habe ich erfahren, dass einige Zeichner für Comics und Computerspiele genau aus diesem Grunde Tanztheaterkurse besuchen.

Phantasie habe ich gefühlt unendlich, das ist ein Riesenglück- ich lese eine Geschichte und  BLOPP! sofort entstehen Bilder dazu in meinem Kopf- das klappt immer, dafür
bin ich meinem Kopf sehr dankbar 🙂

Was ist für dich am schwierigsten zu zeichnen?
Am schwierigsten zu zeichnen ist für mich immer das, was ich nicht so gern zeichne- technische Geräte, Fahrzeuge, alles was viele gerade Linien und Kanten hat-
eine Großbaustelle oder ein moderner Fernbahnhof…Hilfe! Da würden mir dann nur die verschiedenen Menschen, der Bausand, das Mäuschen in den Gleisen Spaß bereiten 😉
Was macht am meisten Spaß oder was würde sie gerne einmal unbedingt machen?
Tiere in Bewegung zeichne ich wahnsinnig gern…aber auch Landschaften, Berge, Felder im Wind- ich liebe es mit wenigen Tuschestrichen Bewegungen und Formen
aufs Papier zu zaubern. 
Ein ganz freies, eigenes Buch mit einer selbst erdachten Geschichte und dem, was ich am liebsten zeichne- das will ich irgendwann mal hinkriegen.

 

Gibt es ein Lieblingsbild vom Muffelmonster? 

Ganz aktuell habe ich ein Lieblingsbild, es ist die Doppelseite aus dem neuen Bilderbuch ” Alles doof, kleines Muffelmonster? ” wo Moritz und das Muffelmonster auf dem Rücken inmitten des Spielzeugs liegen und gedankenverloren in die große Langeweile blicken…aus der dann die ganz große Phantasie entsteht 🙂

 

Welche Rolle spielt denn Vielfalt und Diversität in ihren Zeichnungen? Im Buch “viel Wirbel im Klassenzimmer” sehe ich ein Mädchen mit Kopftuch. Vielleicht wäre es auch hier möglich Kinder mit anderer Hautfarbe oder einer Behinderung mit spielen zu lassen? Wer entscheidet das? 

Beim Erdenken der Bilder geht es mir meist so, dass erstmal die am häufigsten gesehenen Situationen vor meinem inneren Auge entstehen und wenn in den Klassen meiner Kinder oder jetzt meines Enkels diese Diversität nicht zu sehen war, passiert es leider, dass ich sie dann manchmal ganz vergesse. Oftmals denke ich aber auch daran oder die ein oder andere Lektorin bittet explizit darum, auf Diversität zu achten. Es ist dabei immer eine leichte Gradwanderung nicht zu sehr den Fingerzeig darauf zu legen und sensibel und ganz selbstverständlich zugleich Diversität in Text und Bild einfliessen zu lassen.  Ich verspreche gern an dieser Stelle in den kommenden Klassenzimmern, durch die das Muffelmonster toben wird, diesen Aspekt nochmal feinfühlig mit im Blick zu haben!

Vielen Dank für diese anregende Gedankenreise, die jetzt durch ihre Fragen entstanden ist!
Liebe Grüße aus Frankfurt!
Franziska Harvey

 

Franziska hat einen weinroten Pulli an und lächelt in die Kamera. in ihren Armen hält sie ein Kuscheliter: Das Mffelmonster. Es ist schwarz und wuschelig mit spitzen Ohren und großen Knopfaugen

Copyright Marie Harvey

Ich danke dir für deine Offenheit und diese Einblicke, 

Habt ihr vielleicht auch einmal Lust ein eigenes Muffelmonster zu malen? Das kommt bei uns gut an – manchmal auch in muffeligen Situationen. So kann man seinem Ärger etwas Luft machen und das ganze gleich noch umwandeln. 

 

 

 

Liebe Grüße

wheelymum

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