Leseliebe: Unser Bücherschatz

Wir haben einen Schatz zuhause. Diesen Satz habe ich schon öfters geschrieben und wahrscheinlich ist das genau mein Problem. Der Schatz wird immer und immer größer, weil wir uns von vielen seiner Einzelteile gar nicht trennen können. Aber wie sollten wir auch. Der Schatz nimmt uns mit in Abenteuerwelten, in Tierreich, wir lernen mit ihm und erfahren so viel – auch über uns selbst. Das Bücherregal der Jungs wird immer größer, je älter sie werden. Es glitzert und funkelt und brüllt, es bringt uns zum Lachen und zum Nachdenken. Dieser Schatz wird ständig bespielt und benutzt. Zum Selbstlesen, zum Anschauen, zum Vorlesen zum Betrachten, zum Quatsch – machen, zum Geschichten erfinden und natürlich wieder zum vorlesen und kuscheln.

Wollt ihr einen Blick in die neusten Bücher werfen? (Der Beitrag enthält Links zum Partnerprogramm*)

Glitzer für alle!

Paul findet eine Glitzerkrone im Kindergarten. Sein Freund Tarek behauptet Glitzer sei nur etwas für Mädchen? Doch stimmt das? Kann das stimmen? Sie überlegen, was passieren würde, wenn Jungs mit Glitzer spielen. Niemand weiß es und doch sind sich die beiden sicher, dass etwas ganz Schlimmes sein muss. „Vielleicht explodieren die Jungen auch!“ Als Paul nachts die Sterne funkeln sieht, ist er so froh, dass diese weit weg sind, nicht das er noch explodieren würde. Ihm kommt der Gedanke, dass Sterne vielleicht explodierte Jungs sein könnten, die mit Glitzer gespielt haben. Diese Vermutung teilt er mit Tarek und die beiden halten sich noch mehr von Funkeln und Glitzern fern. Als Tilly mit ihnen spielen möchte, lassen sie sie nicht mitspielen, da ihr Shirt glitzert. Tilliy ist ganz traurig. Doch als ihr die Jungs erklären wovor sie Angst haben, holt Tilly alle Kleidungsstücke mit Glitzer und möchte, dass die Jungs sich verwandeln. Denn sie liebt Sterne. Die Jungs sind mutig und ziehen die Sachen an, doch dann werden sie von den anderen Kindern ausgelacht. Aber ihre Freundin Tilly steht ihnen zur Seite.

Ein wunderschönes Buch  über Vorurteile, Klischees, Freundschaften und Zusammenhalt. Es ist Klimaneutral produziert und im Buch sind vielfältige Charaktere abgebildet. Endlich ein Buch, in dem ein Kind im Rollstuhl sitzt und andere unterschiedliche Hautfarben haben OHNE; dass dies in der Geschichte extra erwähnt wird. Unsere Gesellschaft ist bunt und vielfältig und genau das zeigt dieses Buch völlig unaufgeregt, ohne dass es extra benannt wird. Gerne mehr davon Penguin Junior Verlag. 

 

Lotta und die Krümel *

ist ein Buch über Zöliakie und eine glutenfreie Geschichte. Bereits auf der ersten Seite gibt es eine Erklärung und Bilder, welches Getreide Gluten enthält und was daraus oft gemacht wird. Im Buch wird die Geschichte von Lotta erzählt. Lotto mag gar nicht mehr auf Geburtstage gehen, denn sie hat Zöliakie und darf vieles vom Geburtstag nicht mehr Essen. Obst darf sie weiterhin Essen, doch andere Kinder kontaminieren das Essen. Sie spricht ganz leise und schüchtern, wenn sie darum bittet, dass die anderen Kinder auf die Rücksicht nehmen sollen, denn sie will keine Spielverderberin sein. So geht sie irgendwann einfach nirgendwo mehr hin. Sie ergreift Schutzmaßnahmen, um doch wieder hinaus zu gehen. Sie bleibt aber einsam. Lotta findet heraus, dass auch einige Tiere kein Brot vertragen. Sie beginnt diesen Tieren zu helfen. In der Schule bleibt das Problem aber bestehen, dass sie alleine ist und sich ausgeschlossen fühlt. Für Lotto wird klar, sie hat den Tieren geholfen, jetzt muss sie sich selbst helfen. Zum Erntedankfest kommt sie mit eigenen Keksen und ganz vielen beschrifteten Schildern. Diese steckt sie in die Schüsseln am Buffet. Zum Beispiel: „Huhu! Das ist glutenfreies Popcorn Bedient euch, aber bitte die Kelle benutzten!

Viele Kinder fragen nach und niemand schließt sie aus. Die anderen wollen mehr darüber erfahren und helfen sich gegenseitig.

Das Buch ist wunderschön bebildert. Es sind einfache und wenig Textstellen. Am Ende findet sich eine Seite mit Sachwissen über Zöliakie. Diese wurde gemeinsam mit Franziska Hess einer Zöliakie Expertin verfasst. Die Inhalte sind geprüft von der Deutschen Gesellschaft für Zöliakie. Vielen Dank an den Nord Süd Verlag, dass es für dieses Thema nun auch ein “schönes” Bilderbuch gibt. Die Texte richten sich eher an Kinder im Kindergartenalter, die Geschichte spielt aber in der Schule. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Essen im Kindergarten tatsächlich einfacher war als jetzt in der Schule. Hier muss Junior wirklich viel selbst schauen und auch einfach viel darüber wissen. Dieses Buch steht jetzt auch in seiner Schulklasse.

 

Das ist deine Welt*

ist eher eine Hommage an die Kindheit, unsere Welt, das Leben und die Liebe. Auf jeder Seite findet sich eine Familienkonstellation und unterschiedliche Kinder.

Kleiner Spatz, komm her zu mir,

ich gehe durch die Welt mit dir.

Und unterwegs besprechen wir,

was dich im Leben wohl erwartet.“

Drei Weisheiten und Tipps bekommen die Kinder auf den unterschiedlichsten Seiten mitgegeben.

  1. Die Welt ist voller Wunder.

  2. Im Leben geht auch manches schief!

  3. Nur eine Sache zählt so richtig, und dass du sie weißt, ist mir sehr wichtig: Ich liebe dich

Auf den folgenden Seiten nach der Weisheit kommen farbenprächtige Zeichnungen und kleine Texte, die diese Weisheit mit Leben füllen und untermauern.  Es reduziert die Welt auf drei ganz elementare Aspekte. Doch diese Tipps und Weisheiten sollen nicht belehren, sondern uns Dinge vor Augen führen und uns spüren lassen. Das gelingt auch durch die Farbgebung. Die zweite Weisheit besticht durch eine triste und dunkle Farbgestaltung. Hier wird sehr deutlich, dass nicht immer alles sofort klappt. Man aber gerade aus Niederlagen lernen kann. Und ganz wichtig dabei die Erfahrung, Fehler selber machen zu dürfen. Nach den dunklen Seiten folgt wieder ganz viel Farbe für die dritte und wichtigste Weisheit im Buch. Die Liebe zum Kind kennt keine Grenzen.
Sehr schön ist die Darstellung einer multikulturellen Welt, auf der jeder genau das werden kann was er möchte. Dabei wird auf Klischees verzichtet und wert auf Diversität gelegt. Am Ende kommt es einfach auf die Liebe an. . Ein so wunderschönes Buch. Ein Schatz.

 

Aus dem Carlsen Verlag gibt es eine echte Gefühlsbibliothek. Sie besteht aus den 3 Büchern:

Wenn ich wütend bin*

Wenn ich traurig bin*

Wenn ich ängstlich bin*

Das erste Buch ist ein echter Klassiker und schon durch viele Kinderzimmer gewandert. Das ist keine Überraschung, denn die Wutausbrüche von Kindern kennen wir alle. Und oft fühlen sich unsere Kinder so unverstanden wie der kleine Affe Wim. Alle Tiere im Dschungel wollen ihm helfen und jedes Tier hat eine andere Idee, wie er mit seiner Wut umgehen könnte.
Dabei können wir Leser:innen einfach mitmachen
– Tiger selbst mit Brüllen
– Gorilla auf die Brust trommeln
– Elefant fest auf den Boden stampfen
– Krokodil das Buch auf und zu klappen
– Leopard einem Labyrinth mit dem Finger bis zum Ende folgen

Nichts davon verringert seine Wut. Manche Dinge funktionieren so schlecht, dass er danach sogar noch wütender wird. Außer sich stapft er nach Hause zurück. Doch als er in sein Baumhaus will versperrt ihm ein äußerst wütendes Faultier den Weg. Wütender noch als Wim es jemals war. Wim ist verwundert und vergisst plötzlich seine Wut. Was hat das Faultier nur und welchen Rat kann Wim ihm gegen seine Wut geben? Er bittet es die Augen zu schließen und kitzelt es so doll er nur kann. Das macht die Wut etwas besser. Bei beiden. Am Ende lädt Wim das Faultier zu sich ins Baumhaus ein und sagt zu ihm: „Jetzt erzählst du mir, was dich so wütend gemacht hat.“

Im Nachwort wird nochmal auf das Thema „Wie verschwindet die Wut“ von einem Kinder- und Jugendtherapeuten eingegangen. Das finde ich sehr sinnvoll, denn in so vielen Situationen in denen wir Wim beobachten konnten, sehen wir auch unsere Kinder. Und sie sich selbst im übrigen auch. Ganz am Ende findet man auch noch ein Wutschild, um auszudrücken, wie es einem gerade geht.

 

 

Im zweiten Buch der Reihe lernen wir das Wieselmädchen Ella kennen. Sie ist sehr traurig, denn sie hat ihr Kuscheltier, dass ihr Sicherheit und Schutz gibt, verloren. Elle fühlt sich vor Traurigkeit sogar krank. Sie geht in die Sonne, doch nichts ändert sich. Auch Ella trifft auf verschiedene Waldtiere, die ihr helfen möchten dass ihre Traurigkeit besser wird:

  • Das Wolfsmädchen heult ganz laut auf
  • Der Siebenschläfer hört Ella zu und atmet mit ihr ganz ruhig ein und aus
  • Das Eichhörnchen bringt sie dazu sich zu bewegen
  • Die Häsin leiht ihr ihr Kuscheltier
  • Der Dachs versucht sie zum Lachen zu bringen
  • Die Füchsin schenkt ihr eine Umarmung

Bei all diesen Dingen wird Ellas Traurigkeit etwas kleiner. Das unterscheidet das Buch von der Wut. Hier nimmt jede Aktion etwas von der Traurigkeit weg und Ella ist danach immer noch traurig. Aber eben immer ein bisschen weniger. Am Ende findet Ella ihr Kuscheltier wieder, Papa hat es gefunden. Ella weint wieder, dieses Mal aber vor Freude. Das Ende finde ich persönlich nicht ganz so geschickt gewählt. Ich hätte mir gewünscht, dass Ella es mit Hilfe der anderen schafft, ihren Verlust zu überwinden. Auf der letzten Seite sind nochmal alle Tiere gezeichnet und es wird erklärt, was jedem einzelnen gegen die Traurigkeit hilft. Als Abschlussaufgabe kann man selbst ein Bild machen, was einem hilft, wenn man traurig ist. Auch der Hinweis, dass man Hilfe von Ärzt:innen oder Therapeut:innen in Anspruch nehmen sollte, wenn man sehr lange traurig ist und gar keinen Trost mehr findet.

 

 

Mumm ist ein Murmeltier, das Angst im Murmeltierbau hat. Er hat sich verlaufen. So geht er aus der Höhle raus. An der frischen Luft in der es warm und hell ist, fühlt er sich ein klein bisschen mutiger. Seine Freundin die Bärin sieht ihn und sie kennt dieses Gefühl von Mumm nur zu gut. Im Laufe der Geschichte trifft Mumm viele unterschiedliche Tiere und jedes hat einen Tipp für das kleine Murmeltier.

  • Bärin: Brumme ganz laut
  • Luchs: mache sich ganz groß
  • Mauerläufer: denke dich an einen schönen Ort
  • Steinbockmädchen: kuschle dich an mich. Ich zeige der Angst wie stark ich bin

Jedes Tier zeigt Mumm seine Art mit der Angst umzugehen und sie erklären ihm, dass jeder Angst hat und das etwas völlig normales ist. Die Angst gehört zu uns dazu. Jede Strategie hilft Mumm für einen Moment. Doch danach hat er noch mehr Angst. Gegen Ende des Buches trifft Mumm auf einen großen Schatten. ER hat solche Angst davor, dass er ganz starr wird. Doch es stellt sich heraus, dass es seine Nachbarn sind, die Mäuse und Mumm fast wieder zu Hause ist. Sie lachten alle laut los und die Angst verschwand. Die Mäuse begleiteten ihn zum Eingang in seine Höhle. Kaum war er im Gang, wusste er den Weg nicht mehr und die Angst kam wieder zurück. Dieses Mal überlegte er sich aber, was er besonders gut kann. Pfeifen! Und mit dem Pfeifen vertrieb er seine Angst und fand den Weg nach Hause.

In diesem Buch gibt es für die Leser:innen immer wieder die Möglichkeit selbst aktiv zu werden. Dazu sind Fragen oder Aufgaben abgedruckt. Am Ende schreibt Dr. Martina Stotz noch etwas zur Angst. Sie gibt Strategien auf körperlicher und auf gedanklicher Ebene. Und den Satz:

Jede positive Erfahrung, die Angst in Mut verwandelt, beeinflusst gleichzeitig das kindliche Selbstwertgefühl“

Ich mag diese Reihe unheimlich gerne. Da sie in jeder Form aufzeigt, dass alle Gefühle ok und gut sind und es niemals nur den einen richtigen Weg gibt. Jeder Protagonist lernt auf seiner Reise viele unterschiedliche Möglichkeiten kennen, mit den Gefühlen umzugehen. Manche passen gut, andere gar nicht und wieder andere perfekt. Zu einem selbst. Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nur ein ausprobieren und immer wieder neu für sich selbst entscheiden. Dazu möchte ich uns alle immer und immer wieder einladen.

Eure

wheelymum

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