Was machst du eigentlich den ganzen Tag – Juli 18

Um 4.30 Uhr quakt das Januarwunder neben mir. Er hat Hunger und trinkt. Ich höre dabei den Vögeln zu. Er ist nach dem Essen noch in Gesprächslaune und tönt vor sich hin, bis er gegen 5.15 Uhr wieder einschläft. Gerne würde ich jetzt aufstehen und ein paar ruhige Minuten nur für mich alleine genießen. Aber der Herzmann schläft noch tief und fest und auch senst ist niemand da, der mir aus dem Bett helfen könnte. So bleibe ich liegen und gehe meinen Gedanken nach. Meine To – Liste im Kopf wird immer voller und ich werde unruhig. Ich beende das ganze und schaue bei Twitter und Instagram vorbei. Danach meldet sich Junior mit einem fröhlichen: Guten Morgen.

Er weckt den Papa auf und dieser hilft mir in den Rollstuhl. Morgenroutine beginnt: Kaffee, Frühstück, Bad, Kindergartentasche. Heute ist Spielzeugtag und die Entscheidung fällt Junior schwer, was er gerne mitnehmen möchte. Das Januarwunder wacht auch auf und kuschelt mit Papa. Ich gebe mir meine Spritze, nehme meine Tabletten und lasse mir die Beine wickeln. Heute soll es nicht ganz so heiß werden, da geht das schon. Die Spülmaschine muss ausgeräumt und die Wäsche eingeschaltet werden.

Der Herzmann bringt Junior in den Kindergarten, ich lege das Baby nochmal schlafen. Das Telefon klingelt und der Pflegedienst teilt mir mit, dass sie wieder Personalnotstand haben. Wir müssen uns neu organisieren. Darin sind wir geübt, dennoch ist es jedes Mal ansternegd und eine Herausforderung. Vom Telefonklingeln wurde das Januarwunder wieder wach und es lässt sich nur mit einer Milchmahlzeit beruhigen und dazu überreden nochmal einzuschlafen. Am liebsten würde ich mich einfach zu ihm legen und dort liegen bleiben.

Ich schaue kurz in den PC und setzte mich dann an das Geburtstagsshirt für Junior. Ich bekam einen genauen Wunschzettel, wie es sein soll ( das ist quasi eine Detailgetreue Anleitung und eigentlich kann dies nur schief gehen) aber ich versuche dennoch mein Bestes. Das Baby ist wieder wach und es ist an der Zeit es endlich einmal anzuziehen und zu waschen. Dabei machen wir etwas Babywellness, massieren, eincremen und ganz viel intensive Zeit zu zweit. Mittlerweile ist schon fast Mittag und der Herzmann ist wieder da um uns nach draußen zu bringen. Das Januarwunder und ich gehen spazieren und ich ärgere mich dabei immer wieder über die zugestellten und zugeparkten Bürgersteige. Es ist für mich fast unmöglich hier zu fahren. Wir machen einen kurzen Stopp im Hof einer Freundin und plaudern ein wenig. Zeit für mich – Austausch und einfach, hach…. so schön. Ich spüre wie sehr ich das in den letzten Wochen vermisst habe, als hier dauernd jemand krank war und wir alle auf dem Zahnfleisch gingen. Das Januarwunder hat Hunger und schläft dann im Kinderwagen wieder ein. Junior wird aus dem Kindergarten abgeholt. Ich twittere eine Frage zum Thema: Zwillinge auf dem Kindergeburtstag. Junior möchte einen Bruder einladen, den anderen nicht. Für mich vollkommen ok, aber ich weiß nicht, wie hier die Reaktionen sind. Aber wenn man eine Frage bei Twitter stellt, bekommt man nicht nur Antworten, sondern Erfahrungen – das ist so toll. Danke.

Zum Mittagessen gibt es Reste von gestern und danach ist Spielzeit mit dem Großen angesagt. Er wünscht sich, dass wir seine Kugelbahn endlich einmal wieder aufbauen. Ich liebe es mit ihm zu spielen und seine Ideen zu sehen. Leider klappen diese nicht immer und er ist traurig und enttäuscht. In diesen Punkten merke ich, wie groß er in den letzten Monaten wurde. Er versucht sich zu beherrschen und andere Lösungen zu finden. Manchmal klappt es…manchmal vielleicht auch nicht …..Das Baby hat schon wieder Hunger und fordert Mama ein. Junior macht alleine weiter. Danach kuscheln wir alle gemeinsam und lesen. Junior verabschiedet sich zum Handball (Nachdem er lange gesagt hat, er möchte nicht, wollte er letzte Woche doch wieder) und das Januarwunder und ich schauen ein Buch an. Es ist so goldig, wie er beginnt sich für diese Sachen zu interessieren. Es klingelt an der Tür und die Physiotherapeutin kommt zum Hausbesuch. Wir haben Glück, das Baby schläft und sie behandelt mich 20 Minuten lang. Danach bleibe ich liegen. Das Telefon klingelt und ich versuche einige Dinge zu klären. Leider erfolglos. Ich schreibe eine weitere To – do Liste und bekomme solche Schmerzen, dass ich sie nicht mehr in den Griff bekomme. Ich pumpe Milch ab, nehme Schmerzmittel und pumpe wieder Milch ab, um diese dann zu verwerfen. Mittlerweile ist der Papa wieder da und ein stolzer Junior kommt vom Training zurück. Es gibt einen Obstteller und Kekse. Das Baby ist wach und hat Hunger. Es freut sich und lacht, seinen Bruder zu sehen. Die beiden zusammen sind so süß. Abendessen steht noch an und Junior hat sich überlegt heute ein buffet auf dem alten Buffett zu machen. Voller Ehrgeiz, mit Ausdauer und Vorfreude hat er es gerichtet. und auch das Bild gemacht. Dann geht es auch schon wieder ins Bett und ich weiß jetzt schon, dass dieser Tag für mich genauso früh endet, wie für die Kids.

 

 

Nicht spannend oder aufregend. Aber ich weiß auch gar nicht, ob es immer so aufregend sein muss. Ich kenne von Junior die Aussage, nach ein paar besonderen Tagen. „Heute will ich mal nirgendwo hin“ Oder „Mir ist das alle zu viel, ich will nur meine Ruhe“. Und Alltag ist nun mal nicht immer nur aufregend und spannend. Sondern alltäglich: Und genau das darf er sein. Unser Alltag ist die Kindheit unserer Kinder – also machen wir es uns schön und versuchen das Beste daraus zu machen. Und um solche einfachen Tage festzuhalten, dafür gibt es: was machst du eigentlich den ganzen Tag von Frau Brüllen. Und an Tagen wie heute, die sich so belanglos lesen, ist viel großes passiert, ganz im kleinen.

Eure

wheelymum

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1 Kommentar

  1. Lydiaswelt

    Tolle Leistung.

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