Mein Kind kann das auch – über Vertrauen und Zutrauen

Wir waren im Schwimmbad. Osterferien und wir waren nicht alleine mit dieser Idee. So tummelten sich viele Kinder und noch mehr Eltern und Großeltern in dem Planschbecken und im Kinderbecken. Jedes Kind spielte, planschte oder schwamm nach seinen Fähigkeiten und seinem Temperament.

Plötzlich kam ein kleines Mädchen. Wild und unerschrocken tauchte sie unter Wasser, machte auf der Rutsche am Ende halt um dann aufzustehen und in die Arme ihrer Mama zu springen. Das Mädchen war noch keine drei Jahre alt und rockte das Schwimmbecken. Junior setzte sich an den Beckenrand und beobachtete sie. Er drehte sich zu mir um und meinte: Mir spritzt das zu doll, ich warte noch.

Was man dann beobachten konnte, erschreckte mich etwas.

Die anderen Eltern und Großeltern versuchten, ihre älteren Kinder, zu der gleichen „Leistung“ zu annimieren. „Schau mal was das Kind da macht? Die ist doch noch viel kleiner als du. Du kannst das auch.“

„Versuch es doch mal“

„Hast du das gesehen, das Mädchen weint nicht, wenn es taucht.“

Ich wurde immer unruhiger und nervöser. Was denken sich diese Eltern? Das kleine Mädchen tat dies aus Freude an der Sache und nicht weil es etwas beweisen soll.

Mein Kind schafft das!

 

Der Alltag unserer Kinder steckt voller Herausforderungen. Ganz gleich ob beim Klettern, anderen die Meinung sagen oder vielleicht das erste Mal alleine einen Freund zu besuchen. Jedes Kind hat jeden Tag neue und eigene Herausforderungen. Dazu braucht man Mut und Selbstvertrauen.

Manche Menschen (kleine wie große) gehen diese Herausforderungen unbekümmert an – andere warten lieber zuschauend ab.

Wer wie reagiert ist vom eigenen Temperament, aber auch von den eigenen Erfahrungen abhängig. Ein Kind , das weiß es wird gehört und ernst genommen, indem was es sagt, sagt anderen eher seine Meinung als ein Kind das total übergangen wird. Ein Kind, welches in seinem eigenen Tempo seine Erfahrungen machen kann, wird diese mit Selbstvertrauen machen. Wir können sie dabei ermutigen.

Ein Auffordern mit Sätzen wie: Trau dich oder : Hast du das gesehen, : das kannst du doch auch, : Du bist doch viel Größer sind hier viel am Platz. Denn sie bewirken leider genau das Gegenteil. Es bedeutet: Ich erwarte mehr von dir.

Kinder ermutigen bedeutet ihnen Aufmerksamkeit und Zuwendung zu schenken und ihnen dadurch zu zeigen, du bist wichtig. Indem man Stärken bestätigt, trauen sich Kinder auch leichter Schwierigkeiten zu überwinden. Auch Fehler machen ist vollkommen in Ordnung und nur so können wir gemeinsam wachsen. Und die Zuneigung darf niemals vom Erfolg abhängig sein.

Jedes Kind hat sein eigenes Tempo und sobald ein Kind etwas wirklich will, wird es Mittel und Wege finden dieses Ziel zu erreichen. Wir müssen einfach nur da sein und es auf diesem Weg begleiten – ohne unsere eigenen Ansprüche oder Erwartungen zu übertragen. Natürlich müssen wir unsere eigenen Ängste ein Stück weit zurückstecken und am Ende da sein, wenn etwas nicht funktioniert. Ermutigen und Zutrauen sind nicht Auffordern.

… das alles schreibt die Mama, deren Kind aus dem Wasser rennt, um sich die Augen abzutrocknen, weil es Wasserspritzer abbekommen hat und das ganz selbstbewusst oben auf der Rutsche dem Papa herunter ruft: Du kannst da weggehen, ich komme die Treppe runter und hüpfe lieber von der ersten Stufe ins Wasser.

 

Eure

wheelymum

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4 Kommentare

  1. Ulli

    Auch ich ertappe mich immer wieder dabei mein Kind zu vergleichen. Unsere Gesellschaft macht und das aber auch immer wieder vor.

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  2. Martina von Jolinas Welt

    Cool ist wenn Kinder sich von anderen was abschauen. Jolina profitiert davon so viel, doch wir würden nie sagen,”Schau mal mach das mal” dann wäre es eh Essig damit, hahaha

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    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Ja genau. So können wir alle voneinander lernen.

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  3. Rita

    Du hast absolut recht…

    Beim Lesen kamen bei mir sofort wieder unangenehme Erinnerungen daran hoch, wie meine Eltern mir unbedingt das Schwimmen beibringen wollten und mich zu verschiedenen Übungen zwangen, die mir total Angst machten. Ein paar Jahre später habe ich zum Glück trotzdem ein gutes Verhältnis zum Schwimmen entwickelt, aber das klappte eben erst, als ich eigene Erfahrungen ohne meine Eltern machen konnte.

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