Schulstart – Mein Kind geht nicht gerne in die Schule

Puhh, die letzten Wochen warten hart. Für uns alle. Für meine Waage im besonderen (die ich nicht besitze) Denn die Situation und die Stimmung zu Hause ist angespannt, stressig und traurig. Deswegen esse ich. Warum? Keine Ahnung.

Wichtig ist auch vielmehr, warum die Stimmung so ist und was wir dagegen tun können

Junior ist jetzt ein Schulkind.

Eigentlich sollte das ein Grund zur Freude sein. Leider ist es diese Freude so selten zu sehen, dass wir sie verzweifelt suchen und sie dann einladen zu bleiben – von mir aus auch zu einem Stück Kuchen.

Das gelingt uns aber nur selten. Und das macht mich traurig. Schule wird uns für die nächsten Jahre begleiten. Es ist doch elementar wichtig, sie als positiv wahrzunehmen. Leider gelingt das nicht und das hat so viele verschiedene Gründe:

  • System
  • Klasseneinteilung
  • Unsicherheit
  • Typ Mensch
  • Erfolgserlebnisse

Ja, ich weiß: Kinder sind flexibel, durch manche Sachen müssen sie durch, der Welpenschutz ist vorbei. Dennoch frage ich mich immer wieder, warum wir es unseren Kindern so schwer machen.

Ganz ehrlich, der Übergang vom Kindergarten in die Schule war knallhart. Es war kein sanftes ankommen. Kein sich in Ruhe eingewöhnen.

Natürlich wird auch im Schulalltag (hier bei Junior) mal ein Spiel gespielt oder ein Lied gesungen. Aber sein neuer Alltag besteht aus: Stillsitzen, konzentrieren, Arbeitsblättern.

Das alles in einer neuen, fremden Umgebung und in seinem Fall auch mit fremden Menschen. Kein Freund an seiner Seite. Und das alles ist viel. Viel für die neuen Schulkinder. Manche stecken es besser weg, für andere ist es schwieriger. Nach dem dritten Tag erzählte er mir, dass er nichts trinken würde weil er nicht weiß, wo die Toiletten sind und er sich nicht traut zu fragen. Auf solch eine Idee wäre ich nie gekommen. Die Kinder müssen so unheimlich viel lernen, sich umstellen, Eindrücke aufnehmen usw. Ich habe das unterschätzt.

Wenn ich mich mit anderen darüber unterhalte bekomme ich die Rückmeldung:

Schule ist halt kein Kindergarten.

Ach in ein paar Tagen hat sich das eingespielt, du musst ihn nur loslassen.

Naja, soll ich euch was sagen?

Es ist nicht so.

Auch nach ein paar Tagen und den ersten Wochen hat sich hier nichts eingespielt. Es gibt ein paar Kontakte, ja. Aber diese sind eher Zweckgemeinschaften, denn die anderen Kinder haben alle irgendjemand an ihrer Seite. Für Klassengemeinschaftsgefühl war noch gar keine Zeit, da man bereits vom ersten Tag an schaut, dass man mit seinem Stoff durchkommt. Den Inhalten kann er folgen. So gut, dass er bereits umgesetzt wurde um einen schwächeren Schüler zu unterstützen. Seine Empathie steht ihm hierbei aber im Weg. Er leidet mit, wenn er sieht, wie das andere Kind kämpft und zu Hause ist er völlig erschöpft und sagt:

Das ist so gemein, man geht doch in die Schule um zu lernen und nicht damit man schon alles kann.

Aber auch:

„ Ich soll mich um X kümmern, dabei muss ich mich erst mal um mich selbst kümmern. Für mich ist das doch auch alles neu. Hätte ich mich nur getraut, nein zu sagen.“

Es läuft nicht rund. So gar nicht.

links, rechts, links, genau hinschauen und hinhören

Am ersten Schultag kam er mit der Aussage nach Hause:

„Die Stunden sind viel zu lang und die Pausen sind viel zu kurz“

Die Tage darauf folgten Aussagen wie:

„Warum muss ich da überhaupt hin?“

aber auch Aussagen die mein Herz zerreißen:

„Ich habe heute schon keine Lust, wenn ich an Morgen denke“

Hier sind wir bei dem Punkt an dem ich denke, es läuft doch etwas falsch. Wenn einem Kind, das gerne entdeckt und lernt bereits in den ersten Tagen Schule, die Lernfreude so genommen wird. Von den Hausaufgaben traue ich mich gar nicht anzufangen.

Und immer wieder kommt dabei heraus, dass es ihm schwer fällt, sich in dieses System einzufügen.

– Bewertet zu werden

– eigene Ideen einzustampfen und dafür ein Arbeitsblatt zu machen

Er sucht nach Lösungen, um aus dieser Hamsterrad auszubrechen und keine davon ist erlaubt.

 

Leider finden aktuell auch die Ideen danach keinen Platz mehr, da er so erschöpft ist, dass alle Ressourcen für den Tag aufgebraucht sind. Leben ist ein lebenslanges Lernen. Ein Prozess, der nie enden soll. Es gibt unterschiedliche Lerntypen und unterschiedliche Schulen. Für uns gab es zu dieser Schule aktuell keine Alternative. Ich hatte Hoffnung, dass er sich mitziehen lässt und sich selbst einbringen kann. Aber es ist starr und die Rahmenbedingungen waren schlecht.

Dieses Sammelsurium führt dazu, dass er Dinge sagt wie:

„Nein, ich habe noch keinen Hunger. Und überhaupt darf man ja nicht immer Essen, nur in der Großen Pause.

Ja, das stimmt. Aber die ist schon seit einer Stunde vorbei.

Echt? Warum geht das hier so schnell und in der Schule dauert es ewig, bis so spät ist? Wahrscheinlich, weil lernen einfach langweilig ist.“

 

Und das darf nicht sein. Ganz gleich in welcher Schule oder in welchem Bundesland. Wir brauchen genügend Lehrer die sich dieser Aufgabe annehmen und nicht Lehrer die ausgebeutet werden und auf dem Zahnfleisch gehen. Wie ist es möglich das in einigen Orten und Bundesländern individuelles Lernen, im eigenen Tempo möglich ist, das man z.B. unterschiedlich lange Zeit eine Klasse zu beenden wie bei der Tochter von Frau Raufuß. Und in anderen ist es alles ganz eng getaktet. Wenn ich Beiträge von Sassi lese oder mich mit Lehrern aus dem Nachbarort unterhalte, sehe ich wie unterschiedlich das alles und überall ist. Die Schulstunden sind dort wahrscheinlich genauso lang. Und es wird auch dort Kinder geben, die sich leichter tun und anderen wird es schwerer fallen. Aber das mit dem Schulstart, hier traurig sein am Morgen, toben und schreien am Nachmittag und Tränen und weinen am Abend einziehen, damit hätte ich nicht gerechnet und ich denke, das kann und darf so auch nicht sein.

Ändern können wir das leider grundlegend nicht. Wir können nur da sein, ins Gespräch gehen, begleiten, vertrauen, stärken, Mut zusprechen und motivieren. Darauf hoffen, dass es besser wird, wenn sich die ersten Erfolgserlebnisse im Schreiben und Lesen einstellen – ganze Wörter und irgendwann Sätze. Im Gespräch bleiben und sein sicherer Hafen sein,  an dem er so sein kann, wie er ist.

 

Eure

wheelymum

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3 Kommentare

  1. Birgit B.

    Liebe Wheelymum,

    es tut mir sooo leid, das zu lesen. Der Schulstart ist für sehr wenige Kinder leicht und bei fast allen setzt nach wenigen Wochen Ernüchterung ein. Vielleicht auch, weil ihnen im Kindergarten monatelang erzählt wird, wie toll das in der Schule alles wird und das dann so gar nicht stimmt?
    Mein Sohn ist auch äußerst lernbegierig und aufgeweckt. Er geht grundsätzlich gern zur Schule, hat aber das Problem, dass er keine Zeit dafür hat, weil er noch so viele Lego-Projekte hat. Er ist mit vielen Freunden in der Klasse, aber die sieht er trotzdem viel zu selten. Er hat fast durchgängig im ersten Schuljahr morgens getobt, weil er erst spielen wollte und mittags gejammert, weil ja jetzt auch noch Hausi kommt und er wieder nicht spielen kann. Dazu war das stumpfe abmalen von Buchstaben und Zahlen für ihn eine Zumutung. Wobei ich sagen muss, er brauchte diese Übung tatsächlich.
    Im 2. Schuljahr wurde vieles leichter, er hat gemerkt, dass die Schule interessanter wird und die Hausaufgabe auch schnell erledigt werden kann, ohne ewig zu jammern und dass man dann auch früher spielen kann. Er hat die Abläufe verinnerlicht und die Routinen erkannt.
    Jetzt im 3. Schuljahr, ist er morgens eigentlich immer gut aufgelegt. Wenn alles glatt läuft, hat er sogar noch ein paar Minuten Zeit zu spielen und die Hausi ist jetzt so „pimpfi“ dass sie schnell erledigt ist.
    Ich weiß nicht, ob es einen anderen Weg ohne Tränen, Wut und Enttäuschungen gegeben hätte. Er ist ein sehr robustes Kind, das so schnell nichts erschüttert und sucht eigentlich immer konstruktive Lösungen. Aber die Umstellung auf die Schule fiel ihm nicht leicht. Das komplette Fremdbestimmtsein, die enge Taktung war komplett gegen seinen Freiheitsdrang. Aber er hat es geschafft, sich anzupassen.
    Ich bin nicht sicher, ob es besser gewesen wäre an einer anderen Schule und diese Phase kommt dann später? Und ohne Anpassung geht es heute fast nicht, so schrecklich sich das anhört.

    Nun hoffe ich für euch, dass ihr zusammen eine Lösung findet, wieder glücklich zu werden und die Herbstferien sind ja nicht mehr weit (oder schon vorbei?).

    Liebe Grüße

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  2. Lydiaswelt

    Es tut mir so leid für Euch. Denn so ein Schulstart wünscht man keinem Kind.

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  3. Denise BloggerMum

    Liebe Wheelymum, ich fühle so mit Euch! Es klingt ähnlich wie bei unserem Großen. Er wollte nach 2 Tagen zurück in den KiGa. Immerhin hatte er seine Freundin. Aber die Grundschuljahre waren nicht schön und ihm ging es das erste halbe Jahr schlecht. Ich habe es in Blogbeiträgen nur angedeutet, da es seine Privatsphäre ist. Aber es war schlimm für uns alle. Beim Mittleren ist es anders. Natürlich sind es auch unterschiedliche Kinder, aber ich stelle fest, dass es auch sehr an der Lehrkraft liegt. Daher, ich fühle mit Euch und Eurem Junior! Eine ganz freie Schule wäre hier auch nichts gewesen, aber irgendwas dazwischen bzw Montessori. Oder in unserem Fall eine andere Klassenlehrerin. Liebe Grüße und ich wünsche Euch, dass es besser wird!

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