Lasst die Kinder fragen, aber bitte lasst sie nicht alles anfassen

Ich bin eine große Verfechterin davon, die Kinder fragen stellen zu lassen. Sie dürfen mich alles zu mir, zum Rollstuhl und sonst was fragen. Die Meinungen dazu sind unterschiedlich, das ist mir bewusst. Gleichzeitig ist es mir lieber ein Kind fragt nach oder lässt sich zum Beispiel den Rollstuhl von mir erklären, als das Erwachsene irgendeine Begründung dafür geben, welche oft schlichtweg auch falsch sind.

In der vergangen Woche ist mir aber etwas seltsames geschehen.

Ich war mit den Kindern und dem Rollstuhl auf einem Platz mit vielen anderen Menschen und Kindern. Einige haben gepicknickt, andere gespielt und eigentlich war jeder beschäftigt.

Ein Kind stand plötzlich neben meinem Rollstuhl. Also direkt daneben. Ich sagte „hallo“ und das Kind antwortete mir. Seine kleine Hand ging zielstrebig in Richtung Joystick . Ich schob sie sanft zurück und erklärte warum man hier nicht dranfassen darf. (Das mache ich regelmäßig, immer und immer wieder, auch gerade bei den Kindern im Kindergarten)

Dieses Kind hörte mir zwar zu, aber direkt danach ging blitzschnell die Hand wieder Richtung Bedienteil. Ich schon sie erneut zurück und erklärte wieder wie gefährlich das sei.

Gleichzeitig schaute ich mich um, ob ich einen Erwachsenen zu diesem Kind sehe. Ja, deine Frau saß ganz in der Nähe und beobachtete uns. Ich erklärte zu ihr, dass das gefährlich sei und das Kind bitte die Hände weglassen sollte. Doch erneut ging die Hand Richtung Joystick. Ich verneinte ein drittes Mal und sagte: „Das geht nicht.“ Das Kind begann zu weinen und die Frau sprang auf. Ich müsse ihr Kind nicht so schroff ansprechen, sie hat ihm gelernt, dass es nicht schüchtern sein muss und so ein Rollstuhl sei ja auch nichts schlimmes.

Ja, wisst ihr Bescheid nicht wahr. So ein Elektrorollstuhl ist nicht schlimm, wenn wer auf einem kleinen Kinderfuß steht. Der wiegt kaum etwas und überhaupt warum sollte man seinem Kind auch erklären, dass jeder Mensch eigene Grenzen hat, die auch Kinder respektieren sollten.

Solche Situationen passieren nicht oft. Aber eben doch immer wieder einmal. Ich habe sie nicht gleich erzählt, da ich dachte, vielleicht legt sich meine Aufregung noch etwas. Doch das war nicht der Fall. Und aus diesem Grund teile ich diese Erfahrung heute mit euch.

 

Eure

wheelymum

Share This:

8 Kommentare

  1. Anne von Leben eben

    Liebe Wheelymum,
    das ist unglaublich! Aber wenn was passiert wäre, dann wäre das Geschrei groß gewesen!
    Mein Kind darf grundsätzlich alles fragen, das mit dem Nicht-Anfassen lerne ich ihr gerade aber sowas geht gar nicht. Nein heißt nein und das müssen (auch kleine) Kinder lernen. manchmal gibt es eine Grenze und die muss beachtet werden. Zumal dein Rollstuhl ja kein Spielzeug sondern ein Hilfsmittel ist.Ich sitze hier und schüttel den Kopf über die andere erwachsene Person.
    Liebe Grüße
    Anne

    Antworten
    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Liebe Anne,
      genau das. Das Kinder lieber mit den Händen “anschauen” und begreifen wollen ist ganz normal. Ich habe bis jetzt aber noch kein Elternteil erlebt, welches auf mein: Nein, das bitte nicht anfassen, das ist gefährlich.” Nicht reagiert hätte, falls es das Kind nicht von alleine macht.
      Für mich liegt hier ganz klar die Aufgabe bei den Eltern oder Erwachsenen die mit dem Kind unterwegs sind.

      Antworten
  2. Annina

    Liebe Ju, tut mir Leid für dich, dass du mal wieder so etwas erleben musstest.

    Ja, Kinder dürfen fragen und schauen,anfassen aber nein. Jetzt ist und wahr sowohl bei meinem Rollstuhlzugerät die Gefahr weniger groß, dass das Kind sich selber anfährt, weil der Gashebel nicht so leicht zu bedienen ist.
    Trotzdem hat niemand meine Hiflsmittel anzufassen.

    Ein Erlebnis vom einem Weihnachtsmarkt werde ich nie vergessen: Es war ein ca. 2 Jähriger, der mich gar nicht fragte sondern mit den Worten “Haben will”..den vorderen Reifen des Speedy umklammerte und nicht mehr los lies. Wir haben versucht ihn anzusprechen..keine Reaktion außer Brüllen. Dann kam die Mutter und sprach ebenfalls nicht mit mir…sondern zerrte ihn unter weinen und schreien weg. Später sahen wir ihn dann einen großen Dekohirsch umklammern und umwerfen.

    Antworten
    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Danke für deine Schilderung. Also anscheinend ist das ja doch kein Einzelfall. Ich habe das so noch nie erlebt. Aber wie due schreibst, einfach einmal mit der Person selbst reden.

      Antworten
  3. Brigitte Fuss

    Liebe wheelymum,

    die Reaktion der Mutter lässt mich sprachlos zurück. Vielen fällt es unglaublich schwer, vor allem die Grenzen von Menschen mit Behinderung zu sehen und zu respektieren. Wenn Selbstbewusstsein bedeutet man kann sich über jedes Nein hinwegsetzen, dann gute Nacht!

    Antworten
    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Du sprichst einen wichtigen Punkt an. Grenzen von Menschen mit Behinderung zu akzeptieren und Selbstbewusstsein.

      Antworten
  4. Alina

    liebe wheelymum,
    echt seltsam diese Mutter.
    mein Sohn ist grade in dem Alter wo “nicht anfassen” und “nein” komplett machtlos scheinen und wir haben ein Loch in der Waschmaschine weil er sich am Joystick festgehalten hat (leider bringt ausschalten nichts, weil er ihn schnell wieder anschaltet und mehr kraft hat als ich) aber das ist ja auch MEIN KIND und in deinem Fall hätte die Mutter schon beim ersten mal parat stehen sollen und zur not eben das Kind wegtragen müssen.
    Wie hat das denn mit deinen eigenen Kindern in solchen Sachen geklappt?

    Antworten
    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Liebe Alina,
      ich musste jetzt beim Loch in der Waschmaschine kurz schmunzeln. Unsere Türrahmen zu Hause sehen furchtbar aus. Ja, es gibt diese Entwicklungsphase der Kinder bei denen Kinder das Nein und nicht anfassen einfach ausloten müssen. Nach meinem Empfinden war das Kind aus dem Beitrag bereits älter. Und ich stimme dir zu, dass ich beim nächsten Mal früher anders reagieren würde. Bei uns hat sich das ganz gut eingespielt, beim Januarwunder war das sogar eher weniger ein Thema als bei Junior. Ich denke, weil er auch Junior als Vorbild hatte.

      Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.