Ich könnte schreien – Buchrezension über das Familienlieben

Mein Bücherstapel türmt sich im Wohnzimmer auf. Ich lese kreuz und quer und dann bleibe ich bei einem Buch hängen, bei dem ich gar nicht damit gerechnet habe. Doch Seite für Seite verschlinge ich es geradezu.  Ich kratze mich während des Lesens am Kopf, weil es gerade um Läuse geht, und gleichzeitig muss ich so laut lachen, dass mir die Tränen kommen.

Florian Hacke ist Komiker, Vater und jemand, der ziemlich genau hinschaut. In „Ich könnte SCHREIEN (manchmal auch vor Glück)“ aus dem Kösel Verlag geht es um Familie, Elternsein und all die großen und kleinen Absurditäten, die dazugehören. Um Erwartungen an Mütter und Väter. Um Care-Arbeit. Um Rollenbilder. Um das, was wir als normal hinnehmen, obwohl wir uns vielleicht längst fragen könnten, warum eigentlich. Es ist eine Mischung zwischen dem täglichen Struggel, Familienabsurditäten, dem Gefühl verstanden und zu werden und gleichzeitig webt er auch immer wieder Rückblicke mit ein. Teilweise habe ich das Gefühl bei Familie Hacke mit am Tisch zu sitzen, oder ich denke Florian war Gast bei uns.

Er hält uns keinen Vortrag darüber, wie Familie zu funktionieren hat. Er schreibt nicht von oben herab und verteilt auch keine Punkte dafür, wer von uns sein Familienleben besonders gut im Griff hat. Stattdessen nimmt er Situationen, die wir vermutlich alle irgendwie kennen, und schaut noch einmal genauer hin. Manchmal ist das urkomisch.

Manchmal bleibt einem das Lachen kurz im Hals stecken.

Und manchmal nicke ich einfach nur mit dem Kopf, weil ich denke: Ja. Genau da liegt doch das Problem.

Ich mag diesen warmherzigem Blick auf Familie sehr. Weil Veränderung eben nicht immer mit einem erhobenen Zeigefinger beginnen muss. Manchmal reicht es, etwas sichtbar zu machen. Eine Situation anders zu betrachten. Sich selbst dabei ertappt zu fühlen und trotzdem darüber lachen zu können.

Und so lese ich mich durch dieses Buch, lache, kratze mich am Kopf, nicke und denke immer wieder darüber nach, wie viel sich verändern könnte, wenn wir nicht nur fragen: „Wie haben wir das bisher gemacht?“, sondern auch: „Warum eigentlich? Und muss es wirklich so bleiben?“

Ich mache Fotos und schicke Leseausschnitte an meinen Mann, meine Freundin und die Kollegin. Dazu schreibe ich, das Buch müssen wir auslegen, in der Elternecke. Schau dir das Connikapitel an, ich kann nicht mehr, vor Lachen.

Das alles geschieht bei uns im Wohnzimmer. Während das Kind neben mir spielt. Es schaut mich immer wieder von unten skeptisch aber auch schmunzelnd an. Irgendwann komme ich an den Punkt, an dem ich sage, dass ich jetzt erst einmal eine Lesepause brauche.

Die Antwort kommt prompt:

„Das verstehe ich. Du hast ja sonst keine Tränenflüssigkeit mehr.“

Und damit ist eigentlich alles gesagt.

Vor Freude. Vor Lachen. Vor Kopfnicken.

Und vielleicht auch ein kleines bisschen, weil dieses Buch zeigt, dass man über Familie, Rollenverteilung und das, was in unserer Gesellschaft noch nicht gut läuft, sprechen kann, ohne dass sich jede Seite gleich nach einem Vortrag anfühlt.

Jetzt mache ich trotzdem erst einmal eine Lesepause und gebe euch diese Leseempfehlung mit. Für Euch. Für Familien. Für Bibliotheken. Für werdende Eltern. Ach, einfach für alle die etwas in unserer Gesellschaft verändern wollen, würde ich sagen.

wheelymum

Share This:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert