Instagram ist schon voll mit Weihnachts – und Adventsdeko. Die ersten Weihnachtsbücher werden vorgestellt. Freudig schaue ich mir Geschichten und Bilder an mit leuchtenden Fenstern und geschmückten Häusern: Diese Bilder begegnen Kindern in vielen Bilderbüchern. Andere religiöse Feste finden dagegen deutlich seltener ihren Platz. Umso aufmerksamer wurde ich, als ich das Buch Das Haus ohne Lichter von Reem Faruqi, illustriert von Nadia Alam erschienen bei arsEdition, gesehen habe, dachte ich – Wow, es setzt hier einen anderen Akzent.
Das Haus beobachtet, wie die Nachbarhäuser zu Weihnachten, Chanukka und Diwali erstrahlen. Als Huda mit ihrer Familie einzieht, hofft es, endlich selbst festlich geschmückt zu werden. Doch auch dieses Fest vergeht ohne Lichter. Erst zum Eid al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan, erfüllt sich sein Wunsch.

Eine Geschichte, die Kinder verstehen
Die Idee, die Geschichte aus der Perspektive eines Hauses zu erzählen, macht das Thema Zugehörigkeit für Kinder greifbar. Das Haus wartet, hofft und ist enttäuscht. Dieses Gefühl kennen vermutlich Kinder aus Situationen, in denen sie selbst außen vor bleiben. Die Illustrationen von Nadia Alam zeigen lebendige Familienmomente, gemeinsames Essen und die Freude am Feiern. Es gibt viel zu entdecken, ohne dass der Text alles erklären muss. Das gefällt mir besonders gut.
Dabei geht es nicht nur um Lichter und Dekoration. Es ist so viel mehr. Traditionen, Gemeinschaft und darum, dass Familien unterschiedliche Feste feiern.

Vielfalt ist mehr als eine Figur im Bilderbuch
In meinen Beiträgen über Vielfalt und Repräsentation, etwa hier auf Wheelymum, beschäftige ich mich mit der Frage, wer in Kinderbüchern sichtbar wird und wie Menschen dargestellt werden. Denn es reicht nicht, unterschiedliche Lebensrealitäten lediglich abzubilden. Sie sollten selbstverständlich Teil unserer Geschichten sein.
Genau darin liegt eine Stärke dieses Buches: Huda und ihre Familie werden nicht über Konflikte oder Vorurteile eingeführt. Alleine, dass ich das hier erwähne zeigt, wie verschoben unsere Medienlandschaft noch immer ist. Sie dürfen einfach Familie sein. Ihr muslimischer Glaube gehört zu ihrem Alltag, ohne sie darauf zu reduzieren. Muslimische Kinder können Vertrautes wiedererkennen, während andere Kinder Einblicke in eine Lebenswelt erhalten, die ihnen möglicherweise noch fremd ist. Die Geschichte wird aus Sicht des Hauses erzählt.
Eine richtige Einschätzung können aber muslimischer Menschen geben. Sie sind nicht nur diejenigen, über deren Leben gesprochen wird, sondern wichtige Stimmen und Fachmenschen für ihre eigenen Erfahrungen und Traditionen. Ein Bilderbuch kann einen Zugang eröffnen, aber niemals die Vielfalt muslimischer Familien vollständig abbilden. Deshalb gehören auch muslimische Empfehlungen und Perspektiven in die Auswahl und Besprechung solcher Bücher.
Ein guter Anfang, aber kein vollständiges Bild
Die Geschichte zeigt Eid al-Fitr als fröhliches Familienfest und vermittelt einen kindgerechten Einstieg in den Zusammenhang mit dem Ramadan. Dabei lohnt es sich, gemeinsam darüber zu sprechen, dass muslimische Familien unterschiedliche Traditionen pflegen und Feste nicht überall gleich feiern. Aus dieser Sicht finde ich gehört es ebenso in alle öffentlichen Einrichtungen wie ein Bilderbuch über Weihnachten.

Eine Frage bleibt für mich: Muss ein Haus leuchten, um dazuzugehören? Das Buch erzählt auf liebevolle Weise von der Sehnsucht nach Gemeinschaft. Zugleich können wir mit Kindern darüber sprechen, dass Zugehörigkeit nicht davon abhängt, ob wir dieselben Feste feiern oder unsere Häuser auf dieselbe Weise schmücken.
Das Haus ohne Lichter eignet sich für Familien, Kindergärten und Grundschulen. Es lädt zum gemeinsamen Anschauen und zu Gesprächen über Religion, Traditionen und Gemeinsamkeiten ein. Ich wünsche mir, dass solche Bücher nicht nur während des Ramadan aus dem Regal geholt werden. Muslimisches Leben gehört mitten hinein in unsere Kinderbuchwelt. Nicht als Ausnahme, oder Besonderheit, sondern als selbstverständlicher Teil unserer vielfältigen Gesellschaft.
