Atemlos durch den Alltag
Lieber nicht, aber dieser 5. November kam mir gerade so vor. Atemlos einmal los. Und das wobei mir heute Nacht erst einmal der Atem wegblieb. Denn ich bin in einem nassen Bett aufgewacht. Nein, nicht so wie du jetzt vielleicht denkst. Ich schlafe so gerne mit einer echten, mit heißem Wasser gefülltem Wärmflasche. Diese ist mein treuster Begleiter. Naja, sie war es vielleicht. Denn heute Nacht hat sie sich verabschiedet. Das Gummi ( ich nutze bewusst die Stoffhülle nicht) hat ein Miniloch und so tropfte hier immer wieder Wasser heraus. Da ich das an den unteren Extremitäten nicht spüre. Wurde ich erst davon wach, als sich das Wasser kalt und ecklig an meinem Shirt nach oben gezogen hatte. Ich habe versucht weiter zu schlafen aber es ging einfach nicht. Um 5 Uhr weckte ich den Mann und sagte, ich brauche JETZT SOFORT eine heiße Dusche. Damit begann unser Tag eine Stunde früher. Dafür habe ich heute Abend ein frisch bezogenes Bett.
Die gewonnene Zeit habe ich gleich sinnvoll genutzt, denn es gab frische Apfel – Zimt Waffeln für die Kids zum Frühstück. Ich sag es dir, es hört sich idyllischer an, als es war. Denn das glutenfreie Brot, welches ich noch da hatte, war nicht eingefroren und so hat es geschimmelt. Ich hatte als keine Brotalternative und habe mich deswegen für die leckeren schnellen Waffeln entschieden.
Hier kommt gleich das Rezept:
Zimtwaffeln ♥ ♥ ♥
- 250 g glutenfreie Mehlmischung
- 1,5 Tl Backpulver
- 1 – 2 Tl Zimt
- 2 Eßl brauner Zucker
- 1 Prise Salz
- 300 ml Buttermilch
- 60 g geschmolzene Butter
zu einem Teig verrühren. 2 Äpfel mit Schale reiben und unter den Teig heben. Im Waffeleisen goldbraun backen. Das ist wichtig, sonst sind die Waffeln eher matschig.
Mit Zimtduft in der Wohnung suchen wir Schuhe und Mützen, denn es ist richtig kalt draußen. 2 von 4 verlassen das Haus. 2 bleiben zurück. Ich mache etwas klar Schiff und beantworte die ersten Mails. Es blieb so viel liegen in den letzten Wochen.

Es klingelt und mein Therapeut kommt zu mir nach Hause. Wir arbeiten 30 Minuten intensiv. Danach bräuchte ich eine Pause. Ist leider nicht möglich, denn ich stelle fest, dass ich viel zu wenig getrunken habe. Außerdem möchte das kranke Kind etwas Aufmerksamkeit. Wir spielen, es wird inhaliert und danach schaue ich mir einen Ausschnitt der Bundestagssitzung an.
Ach zum Thema Pflege: Der Pflegeberatungsbesuch will und muss noch terminiert werden. Also ab ans Telefon. Besetzt. Ok, kümmere ich mich um die anderen Postsachen die auf einem Stapel geduldig auf mich warten. Gott sei Dank ist das Mittagessen zum Großteil schon vorbereitet und ich muss nur noch die Kartoffelknöpfe anbraten und die saure Sauce dazu machen. Um den Salat kümmert sich das Kind. Das Telefon klingelt. Auf dem Display erscheint die Nummer unseres Kinderarztes. Mir rutscht das Herz in die Hose. Bitte nicht auch das noch.
Doch es geht nur um eine Absprache und ein weiteres Vorgehen, so dass wir nicht mehr diese Woche in die Praxis kommen müssen. Auch eine Erleichterung. Ich bin dankbar.
Das zweite Kind kommt aus der Schule und legt sich, ohne zu Essen hin. Es schläft sofort ein. Ich möchte schreien. Einmal kommt ein Teil der Krankheitshausaufgaben hier an. Genug Arbeit. Ich finde es anstrengend und nicht fair, dass die Kids das nachholen müssen. Aber bei längerer oder öfterer Krankheit kommt man sonst auch einfach nicht hinterher. Ich bemühe mich das ganze 30 – 45 Minuten zu begleiten und lege mich dann zum jetzt neuen kranken Kind mit aufs Sofa. Ich nicke ein. Als ich aufwache, liegt der Einkaufszettel auf dem Tisch, daneben steht ein Glas mit meinem Lieblingssaftschorle. Wir planen den restlichen Tag. Gefühlt sind es 100 Whats Appo Nachrichten. Ich versuche den wichtigen Teil gleich zu bearbeiten, weil ich es sonst immer wieder vergesse.
Eine Nachricht beschäftigt mich noch lange. Ich würde so gerne etwas tun und doch hilft nichts. Es ist ein Gefühl, dass mir durch den Körper geht. Da sein – das ist möglich. Fragen ob man einen Tipp geben darf. Es geht auch hier um eine Rollstuhlversorgung, die immer noch nicht von der KK genehmigt wurde, aber der Familie schlichtweg die Zeit davon läuft. Eine Unverschämtheit. Ich schreibe noch eine Beschwerdemail an die Jugendherberge, denn auf meine erste Nachricht bekam ich keine Rückmeldung. Ich liebe Jugendherbergen, aber es gibt Sachen die gehen einfach nicht:

Der Herzmann macht Erledigungen, und die Liste wurde einfach immer länger. Ich stelle fest, dass wir ja immer noch kein Brot haben und entscheide mich das Rezept vom glutenfreien Toastbrot auszuprobieren. Wir essen zu Abend, es wird inhaliert und der Tv läuft, während das Brot noch im Ofen ist und ich diesen Beitrag zu Ende tippe. Sobald das Brot draußen ist, schreibe ich noch Schulentschuldigungen und freue mich auf mein frisch bezogenes Bett und hoffe sehr, dass der Herzmann mir noch eine neue Wärmflasche besorgt. Wie lesen noch eine Geschichte von Janosch.

