Auszeit mit Aussicht – Pfälzerwald Rollstuhl

Die Südpfalz ist für mich so ein Stückchen Gegend, bei dem ich immer wieder denke: Eigentlich müsste man viel öfter einfach losfahren. Weinberge, Wald, Felsen, Burgen, kleine Orte und immer wieder diese unglaublichen Weitblicke. Und dabei gar nicht weit von uns entfernt.

Aber mit Rollstuhl bedeutet „einfach losfahren“ eben nicht automatisch, dass man auch einfach ankommt.

Ein Parkplatz ist noch lange kein geeigneter Parkplatz. Ein schöner Wanderweg kann für einen Rollstuhl nach wenigen Metern zu Ende sein. Und „barrierefrei“ kann in der Realität manchmal bedeuten: Eine Rampe ist vorhanden, aber davor liegt ein Schotterweg mit ordentlicher Steigung.

Deshalb habe ich für euch ein paar Ziele in der Südpfalz zusammengestellt, bei denen Aussicht, Natur und ein bisschen Auszeit zusammenkommen – und bei denen sich die Informationen zur Barrierefreiheit tatsächlich nachvollziehen lassen.

Schloss Villa Ludwigshöhe: Kultur, Aussicht und ein bisschen König-Ludwig-Gefühl

Oberhalb von Edenkoben liegt die Villa Ludwigshöhe. Schon die Lage ist besonders: Das ehemalige Sommerschloss von König Ludwig I. liegt am Übergang zwischen Weinbergen und Pfälzerwald und bietet einen weiten Blick über die Rheinebene.

Für Rollstuhlfahrer ist die Villa inzwischen deutlich interessanter geworden. Nach der umfassenden Sanierung wurde die Barrierefreiheit ausdrücklich mitgedacht. Die Außenanlagen wurden neu gestaltet, der Zugang erleichtert und im Gebäude sind die verschiedenen Ebenen über Aufzug beziehungsweise Hublift erreichbar. Auch ein barrierefreies WC ist vorhanden.Das ist für mich ein wichtiger Unterschied: Hier bedeutet Barrierefreiheit nicht nur, dass man irgendwie durch die Eingangstür kommt. Man kann tatsächlich die Ausstellung und die historischen Räume erkunden.

Auch beim Parken lohnt es sich, genau hinzuschauen. Rund 200 Meter unterhalb der Villa befindet sich ein öffentlicher Parkplatz. Für Menschen mit entsprechendem Ausweis gibt es außerdem Parkmöglichkeiten direkt auf dem Schlossgelände. Falls ihr in der Gegend Urlaub macht – die Villa Ludwigshöhe ist in der Pflazcard mit inbegriffen

Wer anschließend noch weiter möchte, findet direkt daneben die Rietburgbahn. Die Sesselbahn überwindet rund 220 Höhenmeter in ungefähr acht Minuten. Für Rollstuhlfahrer sollte die Mitnahme des konkreten Rollstuhls allerdings vorab mit dem Betreiber geklärt werden, denn Faltrollstühle sind je nach Maß möglich, mein Elektrorollstuhl geht leider nicht.

Wild- und Wanderpark Silz: Tiere statt Höhenmeter

Ein ganz anderes Erlebnis wartet im Wild- und Wanderpark Silz.

Der Park liegt mitten im Pfälzerwald und ist riesig. Deshalb ist es wichtig, bei der Barrierefreiheit genau hinzusehen: Nicht der komplette Park ist rollstuhlgerecht. Der untere Bereich wurde jedoch umfassend barrierefrei ausgebaut. Wir waren einmal während Corona dort, da war das noch nicht der Fall. Wir müssen das unbedingt nochmal testen, denn  dort befindet sich anderem Streichelzoo, Ziegen, Ponys, Wisente und das Wolfsgehege. Auch die Aussichtsplattformen an den Tiergehegen sind stufenlos erreichbar.

Die Wege im barrierefreien Bereich sind ausgeschildert. Gleichzeitig weist der Wildpark selbst darauf hin, dass die Wege außerhalb dieses Bereichs teilweise nur bedingt für Rollstühle geeignet sind. Das ist eine Information, die ich persönlich viel hilfreicher finde als ein allgemeines „barrierefrei“. Denn so kann man planen: Wir bleiben im unteren Bereich – und haben trotzdem jede Menge zu sehen.

Es gibt kostenlose Behindertenparkplätze in der Nähe des Eingangs. Die geprüften Stellplätze sind 3,50 Meter breit und 5,50 Meter lang und liegen etwa 60 Meter vom Eingang entfernt. Auch an Familien wurde gedacht: Der Matschtisch auf dem Spielplatz ist über einen neuen Weg mit Rollstuhl und Kinderwagen erreichbar. Außerdem gibt es Picknickplätze.

Hermersbergerhof: Aussicht ohne Wanderprüfung

Manchmal braucht es überhaupt keinen großen Wanderweg.

Beim Hermersbergerhof gibt es einen barrierefreien Aussichtspunkt mit Blick über den Pfälzerwald. Solche Orte sind für mich Sonntagsausflüge nach dem Motto: Die Familie kann wandern und ich schaue, auch wenn ich nur wenig Kraft habe. Hier befindet sich ein Behindertenparkplatz. Aussteigen, ein paar Meter rollen, Aussicht anschauen.

Und: Es gibt eine Picknickmöglichkeit.

Für mich klingt das nach einem perfekten Ort für eine kleine Auszeit mit Kaffee, Kuchen, belegten Broten oder einem ganzen Picknickkorb. Gerade wenn die Kraft an einem Tag begrenzt ist, muss ein Ausflug nicht groß sein, um sich nach Urlaub anzufühlen. Es gibt auch fertige Picknickkörbe zum mieten. Das ist ein wunderschöner besonderer Ausflug.

Picknick mit Aussicht: die „Schöne Aussicht“ am Eyberg

Auch rund um den Eyberg gibt es eine Möglichkeit, Natur und Aussicht mit Rollstuhl zu verbinden.

Vom Behindertenparkplatz führt ein etwa 200 Meter langer wassergebundener Waldweg zum Aussichtspunkt. Dieser Weg ist mit dem Rollstuhl gut befahrbar. Und oben wartet genau das, was wir bei solchen Ausflügen suchen: Aussicht und ein Picknickplatz.

Das ist für mich ein schönes Beispiel dafür, dass barrierefreies Naturerleben nicht bedeuten muss, einen komplett asphaltierten Weg durch den Wald zu bauen. Ein gut befahrbarer Waldweg kann reichen. Allerdings bleibt es ein Waldweg. Nach längerer Trockenheit, Regen oder schlechtem Wetter kann sich die Befahrbarkeit verändern. Mit einem leichten Aktivrollstuhl ist das etwas anderes als mit einem schweren Elektrorollstuhl.

Hambacher Schloss: Geschichte mit Aussicht

Das Hambacher Schloss gehört für mich zu den Zielen, die man in der Südpfalz einfach einmal gesehen haben sollte. Auch das ist in der Pflazcard enthalten.

Hier lohnt es sich, die Informationen zur Barrierefreiheit genauer anzuschauen.Das Schloss, der Schlosspark und das Restaurant 1832 sind barrierefrei erschlossen. Im Schloss gibt es Rampen, Aufzüge und unterfahrbare Ausstellungselemente. Auch das barrierefreie WC gehört zum Angebot.

Der Haken liegt eher bei der Anreise: Mit dem Auto kann man nicht einfach bis vor den Eingang fahren. Entlang der Schlossstraße und Freiheitsstraße gibt es Parkmöglichkeiten, aber von dort kann der Weg zum Schloss deutlich bergauf gehen. Für Rollstuhlfahrer gibt es deshalb Behindertenparkplätze direkt am Schloss.

Auch mit dem Bus ist das Schloss erreichbar. Die Haltestelle liegt allerdings unterhalb des Schlosses und der Weg hinauf beträgt etwa 400 Meter.

Im Schloss selbst ist der Besuch dagegen gut möglich. Wer sich für Geschichte interessiert, kann die Ausstellung „Hinauf, hinauf zum Schloss!“ besuchen. Es gibt außerdem spezielle Angebote für Menschen mit Behinderung, unter anderem Führungen in leichter Sprache.

Was ich bei einem Ausflug in die Südpfalz inzwischen anders plane

Für mich bedeutet barrierefreies Ausfliegen nicht mehr: Wir suchen den einen perfekten komplett barrierefreien Wanderweg. Es geht vielmehr darum, einen Ausflug so zusammenzustellen, dass unterschiedliche Dinge möglich sind.

  • Ein Ziel mit Aussicht.
  • Ein kurzer Weg.
  • Ein Parkplatz in der Nähe.
  • Eine Toilette.
  • Eine Einkehrmöglichkeit oder ein Picknickplatz
  • Bewegung für die Kinder

Und vor allem: die Möglichkeit, jederzeit umzudrehen, ohne dass sich der Ausflug dadurch wie ein Scheitern anfühlt.

Gerade die Südpfalz kann das erstaunlich gut und vor allen Dingen abwechslungsreich bieten:

Mal ist es ein Schloss wie die Villa Ludwigshöhe. Mal sind es Tiere in Silz. Mal zehn Minuten Waldweg bis zu einer Aussicht und anschließend eine Thermoskanne Kaffee auf dem Picknicktisch.

Vielleicht sollten wir doch noch öfters in die Pfalz fahren. Gerade jetzt im Herbst mit den Weinfesten und auch, einfach am liebsten immer und immer wieder!

 

wheelymum

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