Pflegereform ja- aber wie? Unterstützt die Petition

Ich bin ein Mensch, der Pflege braucht. Das ist ein Teil meines Lebens. Und dabei geht es um ziemlich persönliche Dinge: meinen Körper, meine Privatsphäre und meine Selbstbestimmung. Ich möchte mich sicher fühlen, Vertrauen haben können und nicht immer wieder erklären müssen, wie ich Unterstützung brauche und wo meine Grenzen liegen.

Wir haben uns ganz bewusst für unser Pflegemodell entschieden. Wir haben einen Plan B und C in der Tasche und sogar einen Notfallplan D. Denn wir wissen, dass das Leben nicht immer nach Plan läuft. Menschen werden krank, Unterstützung fällt aus und manchmal muss es schnell gehen.

Pflegen ist so viel mehr als versorgen. Es ist Beziehung, Alltag und es ist verdammt anstrengend. In Deutschland ist die größte Gruppe der Pflegenden: Pflegende Angehörige. Sie leisten jeden Tag unermesslich viel. Ohne sie würde unser Sozialstaat nicht funktionieren. Es ist aber eine körperliche und seelische Höchstleistung. Doch genau hier will der Staat nun mit der Pflegereform ansetzten. Das darf nicht sein. In der Petition werden sieben Punkte deutlich hervorgehoben.

Wir fordern:

1. Verhinderungspflege erhalten
Die Verhinderungspflege muss als eigenständiger Leistungsanspruch erhalten bleiben. Sie ist eine flexible, niedrigschwellige Entlastung für pflegende An und Zugehörige. Transparente und unbürokratische Abrechnungsverfahren müssen eine individuelle, bedarfsgerechte Nutzung für Pflegehaushalte ermöglichen.

2. Pflegegrad 1 differenziert absichern
Menschen mit Pflegegrad 1 haben sehr unterschiedliche Unterstützungsbedürfnisse. Statt pauschale Leistungen zu streichen, braucht es differenzierte, alltagsnahe und präventive Angebote, die Selbstständigkeit fördern und ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

3. Keine Kürzung durch die Hintertür bei den Pflegegraden
Pflegebedürftigkeit darf nicht kleingerechnet werden, um Geld zu sparen. Die Einstufung muss sich am tatsächlichen Bedarf der Menschen orientieren und transparent und nachvollziehbar sein.

4. Vertraute Beratung erhalten
Die neue Pflegebegleitung muss bestehende, unabhängige Beratungsstellen einbinden, statt sie zu ersetzen. Pflegekurse zu Hause dürfen 2027 nicht ausgesetzt werden. Videoberatung muss auch nach März 2027 möglich bleiben.

5. Junge Pflegende nicht vergessen
Young (Adult) Carers brauchen einen eigenen Anspruch auf Beratung, Begleitung und Entlastung, der sie aktiv erreicht, statt nur als ‚besondere Belange‘ in der Aufgabenbeschreibung der Pflegebegleitung vorzukommen.

6. Prävention und Rehabilitation konkret machen
Eine Pflegereform muss konkret regeln, wie Pflegebedürftige und pflegende Angehörige in ihrer Belastungssituation unterstützt werden. Dazu gehören:

  • verbindliche, finanzierte und leicht zugängliche Leistungen zur Gesundheitsförderung,
  • Beratung und Schulungen zu aktiven Präventionsmaßnahmen,
  • Maßnahmen zur Stabilisierung der häuslichen Versorgung sowie zum Erhalt der körperlichen und psychischen Gesundheit.
  • Entlastungsangebote für pflegende An- und Zugehörige,

7. Sozialraumbudget flexibel nutzbar ausgestalten
Das geplante Sozialraumbudget muss die flexible und bewährte Nutzung des heutigen Entlastungsbetrags ermöglichen. Pflegebedürftige und ihre An- und Zugehörigen benötigen einfache, verständliche und alltagstaugliche Möglichkeiten, um niedrigschwellige Unterstützung vor Ort nutzen zu können – ohne zusätzliche Bürokratie oder den Verlust bestehender Entlastungsstrukturen.

Quelle: Petition · Pflegereform ja – aber nicht auf Kosten pflegender Angehöriger · innn.it

Selbstbestimmung darf kein Luxus sein

Auch § 2 des Sozialgesetzbuches XI formuliert das Ziel, pflegebedürftigen Menschen ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben in Würde zu ermöglichen. Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention betont das Recht auf unabhängige Lebensführung und gleichberechtigte Teilhabe.

Doch zwischen einem Recht auf dem Papier und dem Alltag liegt manchmal eine große Lücke.

Was nützt mir das Recht auf Selbstbestimmung, wenn die notwendige Unterstützung nicht verlässlich organisiert werden kann? Wenn Pflege ausfällt, verschwindet der Bedarf schließlich nicht. Angehörige springen ein, schließen Lücken und versuchen, alles aufzufangen. Aber sie sind keine unbegrenzt verfügbare Reserve. Und Kinder dürfen nicht zu kleinen Pflegekräften werden, weil Unterstützung fehlt.

 

Pflege geht uns alle an

Vielleicht denkst du: Das betrifft mich nicht. Ich bin gesund, ich komme allein zurecht und brauche keine Pflege. Hoffentlich bleibt das lange so.

Aber es gibt keine Garantie dafür.

Eine Krankheit, ein Unfall oder eine andere unerwartete Veränderung kann das eigene Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellen. Plötzlich bist du selbst auf Unterstützung angewiesen. Oder dein Partner, deine Partnerin, dein Kind, deine Eltern oder ein anderer Mensch, der zu deinem Leben gehört.

Ich schreibe das nicht, um Angst zu machen. Pflege ist keine Randfrage, die nur einige wenige Familien betrifft. Sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe.

Vielleicht wirst du irgendwann selbst Pflege benötigen. Vielleicht bist du dann froh, wenn du mitentscheiden kannst, wer dich unterstützt und wie du leben möchtest. Vielleicht versuchst du als Angehörige, für einen geliebten Menschen da zu sein, ohne dabei selbst unterzugehen.

Dann möchtest du, dass es Strukturen gibt, die tragen.

Du musst nicht selbst pflegebedürftig sein, um dich für gute Pflege einzusetzen. Es kann jeden treffen. Und es betrifft uns alle.

Deshalb unterstütze ich diese Petition

Die Petition „Keine Kürzungen“ setzt sich gegen Einschnitte bei der Pflegeunterstützung ein

Ich pflege nicht selbst. Ich werde gepflegt. Deshalb erzähle ich aus dieser Perspektive. Ich weiß, wie wichtig es ist, dass Pflege nicht nur irgendwie organisiert wird, sondern zu meinem Leben passt. Dass ich mich sicher fühlen darf und meine Selbstbestimmung nicht an der nächsten Versorgungslücke endet. Natürlich kostet Pflege Geld. Aber wir dürfen bei allen Diskussionen über die Finanzierung nicht vergessen, wofür dieses System da ist: für Menschen, die leben möchten. Mit Beziehungen, eigenen Entscheidungen und dem Recht, Nein zu sagen. Ich möchte nicht einfach irgendwie versorgt werden. Ich möchte selbstbestimmt leben können. Auch mit Pflegebedarf. Auch als Mutter.

Deshalb bitte ich euch: Unterschreibt die Petition und teilt sie mit anderen.

Eine Unterschrift löst nicht alle Probleme. Aber sie zeigt, dass uns die Versorgung pflegebedürftiger Menschen nicht egal ist.

Pflege ist eine Aufgabe, die uns als Gesellschaft angeht. Nicht erst, wenn wir selbst betroffen sind. Sondern jetzt.

Hier geht es zur Petition: https://innn.it/keine-kuerzungen

wheelymum

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