17.Dezember: Was war das für ein Fest? mit Gewinnspiel

Den Text heute, kennt ihr bestimmt schon alle. Er ist alt und dennoch berührt er mich immer wieder:

Was war das für ein Fest?

Der kleine Junge hockte auf dem Fußboden und kramte in einer alten Schachtel, aus der er einiges zutage förderte, ein paar Röllchen schmutzige Nähseide, ein verbogenes Wägelchen und einen silbernen Stern.

Was ist das? fragte er und hielt den Stern hoch in die Luft.

Die Küchenmaschinen surrten, der Fernsehapparat gab Männergeschrei und Schüsse von sich, vor dem großen Fenster bewegten sich die kleinen Stadthubschrauber vorsichtig auf und ab. Der Junge stand auf und ging unter die Neonröhre, um den Stern, der aus einer Art von Glaswolle bestand, genau zu betrachten.

Was ist das? Fragte er noch einmal. Entschuldige, sagte die Mutter am Telefon, das Kind plagt mich, ich rufe dich später noch einmal an. Damit legte sie den Hörer hin, schaute herüber und sagte: Das ist ein Stern. Sterne sind rund, sagte der kleine Junge.

Zeig mal, sagte die Mutter und nahm dem Jungen den Stern aus der Hand. Es ist ein Weihnachtsstern, sagte sie. Ein was? Fragte das Kind. Jetzt hab’ ich es satt, schrie der Mann auf der Fernsehscheibe und warf seinen Revolver in den Spiegel, was beträchtlichen Lärm verursachte. Die Mutter drückte auf eine Taste, der Lärm hörte auf, und das Bild erlosch.

Etwas von früher, sagte sie in die Stille hinein. Von einem Fest. Was war das für ein Fest? Fragte der kleine Junge. Ein langweiliges, sagte die Mutter schnell. Die ganze Familie stand in der Wohnstube um einen Baum herum und sang Lieder, oder die Lieder kamen aus dem Fernsehen, und die ganze Familie hörte zu.

Wieso um einen Baum? sagte der kleine Junge, der wächst doch nicht im Zimmer. Doch, sagte die Mutter, das tat er, an einem bestimmten Tag im Jahr. Es war eine Tanne, die man mit brennenden Lichtern oder mit kleinen bunten Glühbirnen besteckte und an deren Zweige man bunte Kugeln und glitzernde Ketten hängte.

Das kann doch nicht wahr sein, sagte das Kind. Doch, sagte die Mutter, und an der Spitze des Baumes befestigte man den Stern. Er sollte an den Stern erinnern, dem die Hirten nachgingen, bis sie den kleinen Jesus in seiner Krippe fanden. Den kleinen Jesus, sagte das Kind aufgebracht, was soll denn das nun wieder sein?

Das erzähle ich dir ein andermal, sagte die Mutter, die sich an die alte Geschichte erinnerte, aber nicht genau. Der Junge wollte aber von den Hirten und der Krippe gar nichts hören. Er interessierte sich nur für den Baum, der im Zimmer wuchs und den man verrückterweise mit brennenden Lichtern oder mit kleinen Glühbirnen besteckt hatte. Das muß doch ein schönes Fest gewesen sein, sagte er nach einer Weile.

Nein, sagte die Mutter heftig. Es war langweilig. Alle hatten Angst davor und waren froh, wenn es vorüber war. Sie konnten den Tag nicht abwarten, an dem sie dem Weihnachtsbaum seinen Schmuck wieder abnehmen und ihn vor die Tür stellen konnten, dürr und nackt. Und damit streckte sie ihre Hand nach den Tasten des Fernsehapparates aus.

Jetzt kommen die Marspiloten, sagte sie. Ich will aber die Marspiloten nicht sehen, sagte der Junge. Ich will einen Baum, und ich will wissen, was mit dem kleinen Sowieso war. Es war, sagte die Mutter ganz unwillkürlich, zur Zeit des Kaisers Augustus, als alle Welt geschätzt wurde.

Aber dann erschrak sie und war wieder still. Sollte das alles noch einmal von vorne anfangen, zuerst die Hoffnung und die Liebe und dann die Gleichgültigkeit und die Angst? Zuerst die Freude und dann die Unfähigkeit, sich zu freuen, und das Sichloskaufen von der Schuld? Nein, dachte sie, ach nein.

Und damit öffnete sie den Deckel des Müllschluckers und gab ihrem Sohn den Stern in die Hand. Sieh einmal, sagte sie, wie alt er schon ist, wie unansehnlich und vergilbt. Du darfst ihn hinunterwerfen und aufpassen, wie lange du ihn noch siehst. Das Kind gab sich dem neuen Spiel mit Eifer hin.

Es warf den Stern in die Röhre und lachte, als er verschwand. Aber als es draußen an der Wohnungstür geklingelt hatte und die Mutter hinausgegangen war und wiederkam, stand das Kind wie vorher über den Müllschlucker gebeugt. Ich sehe ihn immer noch, flüsterte es, er glitzert, er ist immer noch da.

Marie Luise Kaschnitz (1901 – 1974)

 

Lasst uns den Zauber bewahren. Ohne zu viel Stress. Wir haben es in der Hand. Zumindest einen Teil.

Und vielleicht hilft es manchmal alte Strukturen zu durchbrechen. Sich auf Neues einzulassen. Traut euch, habt Mut.

Ich habe gestern das Friedenslicht von Bethlehem erhalten. Ein Licht, ganz unscheinbar. Durch das Teilen und Weiterreichen wurde es hell im Dunkel. In diesem Jahr steht das ganze unter dem Motto: Mut zum Frieden.

Das wünsche ich uns allen. Mut zum Frieden. Mut zu Weihnachten, für das was es wirklich steht.

Mut für das neue Jahr. Und Mut zum Leben. Mut zum Miteinander.

Mut vom Morgen bis zum Abend.

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Dazu hat sich um heutigen Adventskalendertürchen auch noch etwas versteckt. Das Buch vom Urachhaus: Vom Morgen zum Abend, eines der Lieblingsbücher unseres Januarwunders. Jeden Abend wenn wir zu Bett gehen sagt er „Anna“ und zeigt auf das Buch. Er lauscht den lauscht den Reimen betrachtet  und entdeckt die Bilder von Eva – Maria Ott – Heidmann. Wir suchen Tiere und Elfen und lassen uns einen mitnehmen, durch den ganz alltäglichen Rhythmus.

 

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  • Wird das Teilen des Gewinnspiels, erhälst du ein extra Los
  • Das Gewinnspiel läuft bis zum 22.12.19 um 22 Uhr
  • Der Gewinner werden per Mail benachrichtigt.
  • Ich werde nach Weihnachten den Gewinn versenden
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Eure

 

wheelymum

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7 Kommentare

  1. Melanie Baute

    Hallo.
    Das hört sich nach einem tollen Buch an. Würde ich gerne meinen Kindern vorlesen.
    Liebe Grüße und eine schöne Weihnachtszeit 🎄
    Gerne geteilt auf Facebook

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  2. Lars

    Das ist schön. Wir würden uns sehr über das Buch freuen.
    FB: Lars Baumert
    geteilt: https://www.facebook.com/baumert.lars/posts/1534900116664106

    LG

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  3. Corinna P.

    Ich kannte den Text tatsächlich noch nicht! Klingt nach einem schönen Buch, ich nehme gerne an der Verlosung teil. Liebe Grüße Corinna

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  4. Corinna B.

    Ich würde das Buch gerne für mein Patenkind gewinnen.
    Ich wünsche eine schöne Adventszeit.
    Viele Grüße Corinna B.

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  5. Tina

    Sehr gerne würden wir diesen Buch gewinnen.

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  6. Maike

    Rituale sind bei uns so wichtig. Danke für deine Mühe – auch ein Ritual. Ich wünsche dir und euch schöne Tage Maike

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  7. Tina

    Vielleicht habe ich ja Glück

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