Schnee mit Rollstuhl

Ich liebe den Schnee. Und doch: Schnee fühlt sich anders an, wenn du mit dem Rollstuhl unterwegs bist. Er liegt nicht einfach da wie eine weiße Decke, sondern wird zu einer Barriere und zu einer Erinnerung daran, wie der Körper auf die Welt trifft. Das früher Spaß und Freude war sind nun Hindernisse. Spuren im Schnee sind nicht nur Muster im Weiß, sondern Wegmarken: wo es glatt wurde, wo die Rolle hängen blieb, wo ich abgebremst habe.

Während Deutschland im Schnee versinkt haben wir hier bei uns in der Rheinebene zunächst gar keinen und dann nur etwas Schnee. Hier geht eine kleine Runde durch den Wald. Einatmen. Ausatmen. Genießen. Ich liebe den Schnee. Er macht mich glücklich und gleichzeitig unsagbar traurig. Dabei sind Gedanken wie Schnee: sie kommen leise, fallen in Schichten übereinander, prägen Landschaften im Kopf. Manchmal decken sie alles zu, so dass du erst im Nachhinein erkennst, was darunter lag. Andere Male leuchten sie klar und rein, und du spürst den Moment, in dem sie fallen.

Im Rollstuhl durch den Schnee zu fahren heißt, immer wieder neu zu prüfen, wo ein Weg möglich ist, wo du Unterstützung brauchst, wo sich Spuren lohnen, denen du folgen kannst. Es ist kein müheloses Dahingleiten, sondern ein stetes Abtasten der Oberfläche — und doch können gerade diese Wege im Winter ihre eigene Schönheit haben, weil jeder Meter, den du gewinnst, eine Leistung ist. Mit dem Elektrorollstuhl funktioniert das auf manchen Wegen gut – mit dem Aktivrollstuhl bedeutet es für viele Nutzer: No Way – wir müssen zu Hause bleiben.

Deine Gedanken dazu sind Teil dieses Wegs: sie formen eine eigene Spur im Weiß, sie zeigen dir, was dir wichtig ist, was dir schwerfällt und wo du achtsam sein musst. Sie laden dich ein, den Schnee nicht nur als Hindernis zu sehen, sondern als Raum, in dem du Bewegungen, Grenzen und Möglichkeiten zugleich entdeckst.

Und doch sind da diese Grenzen. Die Beschwerlichkeiten – bei kaltem Wetter einfach nur kurz raus, eine Runde drehen, ist nicht möglich. Alleine das anziehen kostet so viel Kraft. Es ist mehr als nur ein kurz raus. Es ist ein ständiges abwägen: Was kann ich leisten, was lohnt sich? Aber kann Schnee sich lohnen? Ist er nicht einfach da?

Wir haben einen Ausflug in den Schwarzwald gemacht – damit die Kinder rodeln können. Die Landschaft beeindruckend. Winterwunderland. So schön. Und gleichzeitig konnte ich gar nicht aus dem Auto aussteigen. Die Schneedecke hat den Rollstuhl nicht manöfrieren lassen. Die Kälte ohne Sonne tat mir in jeder Körperzelle weh, die Spastik nahm zu….. Ich bleibe im Auto – mit Tee, Decke und Buch. Bin dabei ohne dabei zu sein. Ich bin traurig und gleichzeitig froh. Ach diese Gleichzeitigkeit ist manchmal wirklich herausfordernd. Doch dann kommen glückliche Kinder vom Rodeln, erzählen, wollen Handwarmer und einen warmen Tee. Und ich schaue hinaus und sehe diese Winterwunderlandschaft. Ich bleibe dabei:

Ich liebe den Schnee. Und doch zeigt er mir so viel – was sonst zugedeckt bleibt.

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