Manchmal bin ich einfach neidisch

Erstellt am 23. August 2016

Mit meiner Behinderung und deren Einschränkungen komme ich meistens gut klar. Es ist nicht so, wie viele Behinderte sagen, sie sind einfach anders, aber sie fühlen sich nicht krank. Das ist bei mir anders. Aber darauf möchte ich gar nicht hinaus. Ich liebe meine Familie und meistens auch mein Leben. Ab und zu, bin ich aber neidisch.

  • Neidisch auf die Eltern, die mit ihren Kindern einfach herumtoben können.
  • Neidisch auf Eltern die alleine mit ihnen ins Schwimmbad können,
  • die keine Hilfe brauchen um sich auf den Boden zu ihren Kindern zu setzten.
  • Neidisch auf Menschen die ihren Kindern hinterher rennen können oder mit Ihnen alleine einen Ausflug machen können.
  • Neidisch auf Eltern die mit ihren Kindern alleine zum Kinderarzt gehen können.
  • Neidisch darauf einfach einmal spontan los zu können

 

Manchmal, ganz selten, blinzle ich sogar neidisch mit einem Auge zu Menschen mit einem Querschnitt. Was sich hier blöd und unüberlegt anhört, ist es nicht. Ich kann meine Beine manchmal noch etwas bewegen, die machen aber nicht immer das was ich ihnen sage. Gleichzeitig habe ich trotz Schmerztherapie, starke Schmerzen. Schmerzen die mitbestimmen was geht und was nicht. Erschütterungen sind kaum auszuhalten und enden häufig im Erbrechen. In diesen Momenten bin ich neidisch auf Menschen mit einem Querschnitt. Menschen die sich mit Rollstuhl frei bewegen , die Handbike fahren und einer geregelten Arbeit nach gehen können. Es mag sich unfair anhören und das kann es auch sein. Gefühle sind aber nicht rational.

Ich kann das alles nicht. Und manchmal fehlt es mir so sehr. Gerade in Bezug auf Junior. Manchmal habe ich das Gefühl, das mir die Kleinigkeiten fehlen. Mir. Als Mama.

Manchmal habe ich das Gefühl, das mich nicht meine Krankheit, sondern die Schmerzen, das fehlende Geld für Luxushilfsmittel (z.b. ein Handbike mit Motor, Fahrstuhl, ein umgebautes Auto) sowie die Infrastruktur mich behindern.

Ja, manchmal bin ich neidisch.

Es ist kein wütender Neid, oder etwas was ich anderen nicht gönnen würde. Ich möchte es nur auch so gerne. Eifersucht ist es auch nicht. Es ist tatsächlich eine Form von Neid, die dann in mir aufsteigt. Manchmal. Auch wenn ich das nicht möchte.

Manchmal. Ja, manchmal bin ich neidisch.

Wir kommen klar, ich kann viele dieser Dinge mit Hilfe und Unterstützung machen. Darüber bin ich sehr dankbar. Trotzdem kriecht hin und wieder dieses traurige Gefühl in mir hoch und ich möchte schreien.

Ich trauere um diese alltäglichen Situationen. Wegen mir. Es sind die Kleinigkeiten.

Ich bin ein positiver Mensch und diese Phasen vergehen auch wieder. Aber manchmal sind sie einfach sehr präsent und dann muss ich ihnen auch Raum lassen. Raum lassen, damit ich daran nicht zerbreche und ich weitermachen kann.

Mit einem Lachen und mich an den Dingen freuen kann, die ich bewusst auskoste.

wheelymum

Share This:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.