Mama mit Behinderung – aus Sicht des Kindes

Eltern mit Behinderungen

Eine Frage die ich mir immer wieder stelle ist die, wie meine Kinder ihre Kindheit mit mir als Mama im Rollstuhl sehen. Natürlich reden wir darüber, aber es ist nicht DAS Thema. Für sie ist der Austausch mit anderen Kindern natürlich extrem wichtig. Bei einer Tagung zum Thema young carers – Kinder die pflegen oder bei der Pflege unterstützen wurde dieser Film vorgestellt. Er zeigt den Alltag von Assol, deren Mama im Rollstuhl sitzt. Aus ihrer Sicht, in der Reihe: Schau in meine Welt, Ich finde das so eindrucksvoll und ausdrucksstark, dass ich diesen gerne mit euch teilen möchte. Klickt einmal hier, dann könnt ihr ihn euch ansehen.

Assol läuft mit Zuckerwatte , einer roten Jacke und einer Mütze neben ihrer MAma her. Diese sitzt im Rollstuhl, beide sin in einer beleuchtenden Einkaufsstraße

Bildrechte ARD: Mediathek

 

 

 

Im krassen Gegensatz dazu, kam in der letzten Woche bei ZDF Zomm eine Doku zum Thema: Verlorene Kindheit.

Wenn ihr Zeit habt schaut euch gerne einmal beide Filme an. Mittlerweile gibt es Unterstützungsmöglichkeiten für Kinder, damit sie gar nicht erst zur einzigsten Pflelgeperson der Eltern werden. Das muss das oberste Ziel sein.

Dazu sind im 2 ten Film einige Dinge missverständlich dargestellt. Kerstin Blochberger vom Bbe. hat dazu folgende Stellungnahme geschrieben:

“Folgende Fakten sind missverständlich bis falsch dargestellt:

  • Es gibt seit einigen Jahren gesetzlich geregelte Entlastung für Eltern mit Behinderung bei der Versorgung und Betreuung von Kindern – Elternassistenz nach § 78 Abs. 3 SGB IX – seit 2020 nun endlich auch ohne die Familie finanziell sehr zu belasten, Einkommen und Vermögen vom Partner*in und Kindern werden nicht mehr herangezogen. Das war der Grund, warum früher Familien auf Hilfe von außen verzichtet hatten.
  • Viele Familien nutzen inzwischen Elternassistenz – allein in Hannover haben wir mit unserem Elternassistenzdienst seit 2013 insgesamt 20 Familien mit Elternassistenz unterstützt, 5-10 weitere Familien werden allein in Hannover von anderen Diensten unterstützt. Bundesweit machen sich immer mehr Assistenzdienst auf den Weg, Elternassistenz anzubieten. Es sind noch zu wenige, aber da entwickelt sich sehr viel Engagement.
  • Die Zahlen – in jeder Klasse sitzen 2 pflegende Kinder und Jugendliche – bezieht sich nicht nur auf zu pflegende Eltern mit Behinderung, sondern auch auf zu pflegende Großeltern und Geschwisterkinder – als Beispiele wurden aber nur Eltern mit Behinderung gezeigt – das verzerrt die Wahrnehmung des Publikums und ist stigmatisierend für Eltern mit Behinderung. Nicht selten steigt die Zahl der Beratungsanfragen nach solchen Darstellungen bei uns, weil eine Kindesherausnahme seitens des Jugendamtes ansteht. Entscheider*innen denken, dass sei in allen Familien mit Eltern mit Behinderung so und da es ja keine Hilfe in der Familie gäbe, müsse die Jugendhilfe handeln.
  • Die Studien aus Witten-Herdecke beziehen sich nur auf Kinder und Jugendliche ab 10 Jahre, deshalb ist die Aussage: in jeder Klasse sind 2 pflegende Kinder sehr irreführend und wissenschaftlich nicht belegt.
  • Es wurde im Film immer davon gesprochen, wie es früher war, aber die interviewten Familien könnten heute Hilfen in Anspruch nehmen, um die minderjährigen Kinder zu entlasten. Dieser Fakt wurde gar nicht erwähnt.

Es ist sehr schade, dass zuschauende Familien nach dem Film immer noch denken, sie könnten an der Situation nichts ändern. Eltern mit Behinderung und andere Unterstützer*innen arbeiten seit 20 Jahren an der Veränderung dieses Missstandes. Wir haben Gesetzesänderungen mit auf den Weg gebracht, damit es keine pflegenden Kinder behinderter Eltern mehr geben muss.”

Fest steht, es gibt Unterstützungsmöglichkeiten, Wie und in welcher Form diese genutzt werden ist sehr individuell, doch es sollte immer klar sein, dass die eignen Kinder, Kinder sind und keine Pflegepersonen. Auch wenn es bei uns zum Beispiel nicht ausgeschlossen ist, dass Kinder von Eltern mit Behinderungen, ab und an eine pflegerische Handlung mit ausführen oder im Haushalt helfen. Doch das Maß ist entscheidend.

Habt ihr dazu Ideen, Gedanken, Eindrücke dazu?

Wenn ihr noch mehr zum Thema Elternassistenz wissen möchtet, dann schaut gerne hier nochmal vorbei.

 

Eure

wheelymum

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1 Kommentar

  1. Maike

    Oh, welche Unterschiede. Wie gut, dass es hier Unterstützung gibt. Liebe Grüße Maike

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