Kinderwunsch, Behinderung und künstliche Befruchtung.

Bei manchen scheint es so einfach. Der Kinderwunsch ist da und kurz danach ist die Frau schwanger. Andere werden schwanger obwohl sie es gerade gar nicht möchten oder es ist die völlige Überraschung. Ich bin mir sicher, jeder kennt jemanden mit so einer Geschichte. Und dann gibt es die Paare oder Menschen die so viel vorher abwägen, bevor sie versuchen schwanger werden können.

Kinderkriegen kann doch jeder, aber was macht man, wenn es einfach nicht klappt. Viele verschwenden gar keine Gedanken daran, dass es nicht klappen könnte schwanger zu werden, wenn man bereit dazu sei. Aber wie ist es, wenn man den sehnlichen Wunsch nach einem Kind hat und sich einfach keine Schwangerschaft einstellt. Zunächst denkt man vielleicht, naja, „es“ dauert vielleicht nur länger. Doch was geschieht dann?

 

Egal was man versucht: Sex nach Zeitplan, Kopfstand, Temperatur messen, auf Ovulationstests pinkeln und und und. Es wird alles versucht um die fruchtbarsten Tage zu erwischen und dann genau zeitlich eigentlich perfekt, Sex zu haben. Und doch bleibt der positive Schwangerschaftstest aus. Die Gefühle fahren Achterbahn, alles ist vom Kinderwunsch bestimmt und doch lässt das Wunschkind auf sich warten.

Plötzlich setzt man sich mit Fachbegriffen auseinander von denen man vorher noch nie etwas gehört hat. Die Mitteilung, dass sich bei der befreundeten Familie Nachwuchs ankündigt, lässt einen in Tränen zusammen brechen. Das alles, kann auch geschehen, wenn man schon ein, zwei oder drei Kinder hat. Solange Kinderwunsch ein Thema ist, kann auch unerfüllter Kinderwunsch ein Thema sein.

 

Termine bei Gyäkolog:innen und Urolog:innen stehen vielleicht an und die Gedanken wandern zu einer Kinderwunschklinik. Werden hier die Kinder gemacht?

Denn ganz so einfach – mit einem: “Hallo hier sind wir, wir würden gerne schwanger werden” ist es eben doch nicht.

 

Untersuchungen und eine gute und genaue Aufklärung sind unerlässlich. Auch die Frage bei einem Elternpaar mit Behinderung: Wie läuft das ganze ab? Welche besonderen Risiken gibt es evtl.?

Vor einiger Zeit habe ich euch von Eva – Maria erzählt. Sie wurde mit einer künstlichen Befruchtung als Frau mit Behinderung, ohne Partner schwanger. Hier sind wir in Deutschland leider immer noch weit entfernt. Doch es gibt Möglichkeiten. Dazu zählt auch diese Klinik in Prag.  Gerade im Bereich Eltern mit Behinderungen ist es für Menschen in Deutschland immer noch nicht einfach an eine gute Kinderwunschklinik zu kommen. Ab Januar 2022 wird diese auch komplett barrierefrei sein. Ob und unter welchen Voraussetzungen eine Kinderwunschbehandlung bei einer Behinderung möglich ist, muss natürlich mit dem Ärzteteam besprochen werden. Jedoch ist es kein Ausschlusskriterium. Gleichzeitig müssen es auch in dieser Klinik immer noch (zumindest auf dem Papier) heterosexuelle Paare sein, die sich für eine Kinderwunschbehandlung anmelden können und die Personen müssen jünger als 49 Jahre alt sein.

Diese ganzen Einzelheiten werden aber in den ersten Gesprächen genau besprochen.

Nach den Aufklärungsgesprächen, geht es in Richtung künstlicher Befruchtung. Doch auch hier, bedeutet das nicht, dass man sofort schwanger wird. Es kann ein langer, harter, steiniger, anstrengender und tränenreicher Weg werden. Unter künstlicher Befruchtung versteht man die Zusammenführung von Eizelle und Spermium außerhalb des weiblichen Körpers. Damit dies gelingen kann sind zuvor verschiedene Schritte nötig, wie zum Beispiel sich Hormone zu spritzen oder bestimmte Medikamente zu nehmen.  Zum geeigneten Zeitpunkt folgt dann die Eizellenentnahme und die Befruchtung, danach folgt das Einsetzten und dann heißt es warten, warten, warten. Sollten diese Versuche scheitern, gibt es noch die Möglichkeit gespendete Eizellen oder gespendete Spermien von geeigneten, anonymen Spendern zu verwenden. Das alles kann, nichts muss davon geschehen. Es ist manchmal einfach kein Selbstläufer. Das alles ist anstrengend. Aber ich bin mir sicher, dass niemand sich für diesen Weg entscheidet, bei dem am Ende nicht der allergrößte Wunsch steht: Ein Leben mit Kind.

 

Ich bin so dankbar und froh, dass die Medizin und die Technik mittlerweile so weit sind, dass es diese Möglichkeiten gibt. Ich möchte das nicht beschönigen oder schön reden. Das Recht auf Elternschaft und Familie ist auch in den Gesetzten verankert. Wir dürfen Eltern sein, ganz gleich auf welchem Weg das geschieht: Ob natürliche Schwangerschaft, künstliche Befruchtung, Patchworkfamilie, Pflegefamilie oder Adoption. Es gibt kein richtig der falsch. Es gibt nur die Liebe für die Kinder und Liebe darf es nie zu viel geben. Völlig unabhängig von Gesundheit, Krankheit, Behinderung oder sonstigem. Die Liebe ist das was zählt.

 

 

Eure

wheelymum

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1 Kommentar

  1. Annina

    Im Prinzip. Aber wenn ich dran denke, wie die Ärzte im Krankenhaus als ich damals eine Fehlgeburt hatte meinten ich sollte doch froh sein als “Rollstuhl ” das Problem los zu sein….ist das bei vielen die gängige Meinung zu “behinderter” Elternschaft, egal auf welchem Weg.

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