Kleine Behindernisse: Behinderte gehen nur auf den Behindertenfasching

Vor 3 Jahren machte ein Bericht darauf aufmerksam, dass ein 60 Jähriger Rollstuhlfahrer aus einem Lokal geworfen wurde. Die Empörung ist groß. Vollkommen zurecht. Die Diskriminierung ist aber noch viel größer und weitaus häufiger als man denkt.

Ein Beispiel direkt aus meinem Umfeld:

Meibe Nachbarin hat für eine Schulaufgabe verschiedene Geschäftsbetreiber bei uns in der Stadt zum Thema Barrierefreiheit interviewt. Der Obsthändler meinte zum Beispiel, dass sie zwar leider Treppen am Eingang hätten, wenn sie aber jemanden im Rollstuhl sehen, kommen sie gerne auf die Straße heraus und bedienen dann den Kunden so – genau das kann ich bestätigen.

Es gibt ein barrierefreies Café/ Kneipe. Auch diesem Café wurde nachgefragt, wie man hier den Bedürfnissen von Menschen im Rollstuhl gerecht wird. JA, man könne, wenn nicht voll sei, Stühle verrücken, damit der Rollstuhlfahrer genügend Platz hat.

Die weitere Frage, nach der Möglichkeit,wie man auch bei Livemusik oder anderen Feierlichkeiten hier Platz für alle Menschen schafft, war erschreckend:” An Fasching z.B. wird hier im barrierefreien Bereich eine Bühne aufgebaut und dadurch der Platz hier sehr eng.” Auf die promote Nachfrage, warum man  die Bühne nicht  in den Bereich der erhobenen Sitzplätze (3 Stufen) aufbaut, wäre das kein Problem. Zur Antwort bekam sie zu hören: “Warum sollen wir das für die Behinderten machen? Behinderte Menschen feiern nicht. Und wenn, dann können sie auf den Behindertenfasching gehen.“ Erklärungen wurden nicht gehört – die Chance inklusiv zu sein, wurde hier leider vertan.

Umso ärgerlicher ist es, da dies einer der wenigen Plätze im Ort ist, den man überhaupt mit dem Rollstuhl erreichen kann.

 

Diese Vorurteile kotzen mich an.

Eure

 

wheelymum

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4 Kommentare

  1. Jo Jansen

    Unglaublich. So wie Brillenträger auf den Brillenträgerfasching gehen und Linkshänder auf den Linkshänderfasching? Und dumme, unempathische Menschen auf den Fasching für dumme Unempathische? 😡

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  2. Annina

    Ein “Dauerbrenner “, die fehlende Barrierefreiheit.

    Im größeren Nachbardorf hat genau neben meinem Hausarzt die ortsansässige Apotheke eine neue Filiale eröffnet, mit 7 fiesen Stufen davor…es gibt zwar einen Rollstuhlaufzug an der Treppe, aber auf meine Nachfrage hin…also ich habe meinen Mann rein geschickt, wurde gesagt, sie hätten keine Zeit, mein Mann sei ja eh da. Blöd nur das ich Sachen kaufen wollte, die ich persönlich sehen müsste wie ätherische Öle.
    Leute mit Rollator oder Krücken haben da auch Pech.

    Seit dem gibt es die Apotheke für mich nicht mehr.

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    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Es ist so ärgerlich

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  3. Lydia

    Mir wurde als blinde Frau die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio ohne sehende Begleitung verweigert. Schließlich gibt es Behindertensport.

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