Eltern sein ist herausfordernd. Eltern sein mit Behinderungen ist herausfordernd. Und Eltern sein mit unsichtbaren Behinderungen ist herausfordernd. Ich vermute, alle die auf Wheelymum vorbei schauen und lesen, wissen das. Kennen das vielleicht auch selbst. Elternschaft ist vielschichtig und Elternschaft mit Behinderungen ebenfalls. Es gibt Möglichkeiten und doch haben wir noch allzu oft das Gefühl zu versagen, wenn wir um Hilfe bitten oder diese annehmen oder uns rechtfertigen zu müssen. Oft haben wir das Gefühl alleine damit zu sein. Ich möchte hier ganz klar sagen: Das sind wir nicht!
Um das nochmal deutlich zu machen, möchte ich hier die Begrüßung von Jürgen Dusel, dem Beauftragen der Deutschen Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen, zum Fachtag des BBE zur Elternassistenz teilen.
Die Eröffnung durch Jürgen Dusel macht genau das: Sie verschiebt den Fokus weg vom Individuum hin zu den Strukturen. Nicht die einzelne Familie ist das Problem. Nicht die einzelne Einschränkung. Sondern die Bedingungen, unter denen Leben organisiert werden muss.
Was in solchen Reden auffällt: Es geht nicht um Mitleid. Es geht um Rechte. Um Teilhabe. Um die klare Feststellung, dass Inklusion kein Zusatz ist, sondern Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft. Diese Haltung zieht sich durch viele seiner öffentlichen Positionen – immer verbunden mit der Forderung, Barrieren konsequent abzubauen und Teilhabe als selbstverständlich zu denken .
Im Alltag fühlt sich das oft weit entfernt an.
Denn zwischen politischen Forderungen und gelebter Realität liegt ein Raum, der nicht geschlossen ist. Ein Raum, in dem Eltern organisieren, improvisieren und kompensieren müssen. Ein Raum, in dem Unterstützung theoretisch existiert, praktisch aber schwer zugänglich bleibt. Er zeigt hier aber deutlich, dass immer noch auch Fachwissen fehlt.
Die Worte aus der Eröffnung legen genau diesen Widerspruch offen, ohne ihn aufzulösen. Sie benennen, dass Systeme funktionieren müssten – und gleichzeitig zeigen Erfahrungen, dass sie es oft nicht tun.
Die Perspektive verschiebt Verantwortung weg von einzelnen Familien, die sich ständig anpassen sollen, hin zu Strukturen, die sich verändern müssen. Das ist so unsagbar wichtig! Weil es ausgesprochen wird. Benannt. Für Eltern mit Behinderung bedeutet das eine andere Lesart des eigenen Alltags. Nicht mehr nur: „Wie schaffe ich das?“ Sondern auch: „Warum ist es überhaupt so schwer gemacht?“ Diese Verschiebung ist nicht theoretisch. Sie verändert den Blick auf Unterstützung, auf Anträge, auf Begegnungen mit Institutionen. Sie macht sichtbar, dass viele Hürden keine Naturgegebenheiten sind, sondern Ergebnisse von Entscheidungen. Er benennt die Ängste aber eben auch die Rechte! Ich finde das sooooo wichtig! Auch die Aufgaben des Staates zu benennen und sie konkret anzusprechen.
Ich möchte mit dieser Rede jedem Mut machen und teile sie aus diesem Grund so gerne mit euch.
