Die magische Zeit mit Heidi, Ida, Tim und Karls Familie

Halloween ist vorbei, Totensonntag war noch nicht. Und ja, bei uns wird tatsächlich erst danach weihnachtlich geschmückt. Was allerdings schon vorher bei uns einziehen darf sind die Weihnachtsbücher. Sie kommen jedes Jahr aus dem  Dachboden ins Wohnzimmer. In ihrem eigenen Koffer. Der Inhalt veränderte sich in den letzten Jahren immer wieder, die Kinder werden größer. Weihnachtsbücher gibt es viele. Bücher mit Glitzer, mit Rentieren, mit Wichteln, mit ganz viel Weihnachtszauber und manchmal auch mit einer ordentlichen Portion Zuckerguss. Aber zwischen all den Geschichten, die uns erzählen wollen, wie wunderbar Weihnachten ist, verstecken sich zum Glück auch Bücher, die ein bisschen anders sind.

Doch das muckelige Gefühl und die ein oder andere Geschichte dürfen bleiben. In diesem Jahr werden auch wieder neue Bücher mit einziehen. Ich freue mich schon so sehr darauf, den Koffer am Wochenende einziehen zu lassen. Solche, die zum Lachen bringen. Die Fragen stellen. Die überraschen. Die uns in andere Welten mitnehmen oder daran erinnern, dass Weihnachten nicht immer so läuft, wie wir uns das im Bilderbuch vorstellen.  Der Beitrag enthält Links zum Affiliti Programm

Das schlimmste Weihnachten der Welt 

Es gibt diese Weihnachten, an denen einfach alles schiefgeht. Der Baum ist zu groß, die Plätzchen sind verbrannt, jemand hat die Geschenke vergessen und die Stimmung hängt ungefähr so tief wie der Lichterkettenknoten im Keller.

Aber was, wenn Weihnachten tatsächlich zum schlimmsten Weihnachten der Welt wird? Das Buch wird das Adventskalenderbuch vom Januarwunder und mir geben. Der Wichtel wird es bringen und dann werden wir lesen, lachen, die Augen verdrehen und vielleicht auch viel zu viele Plätzchen essen. Es wird ihm so gut gefallen, denn es ist nicht harmonisch und Idyllisch. 

Karl und seine Familie haben ohnehin schon kein besonders leichtes Jahr hinter sich. Nach der Pleite der Bio-Bäckerei seines Vaters landet die Familie in einem alten Jagdhaus. Das hat Tante Evelyn hinterlassen – allerdings nicht nur ihnen. Auch andere Verwandte erheben Anspruch auf das Erbe. Und wer sich darum kümmern möchte, muss sich auch mit einer ziemlich ungewöhnlichen Tierschar arrangieren: einem dreibeinigen Hund, einem depressiven Pferd und einem Raben namens Gangster.

Schon die Ausgangslage verspricht eine Menge Chaos. Und manchmal ist genau das die Weihnachtsgeschichte, die wir brauchen. Nicht noch eine Geschichte, in der alle lieb zueinander sind, der Schnee pünktlich fällt und am Ende sämtliche Probleme mit einer Umarmung verschwinden. (Also ich könnte davon nicht genügend Geschichten haben, aber mein Kind eben nicht) 

Hier darf es turbulent werden. Hier läuft nicht alles nach Plan.  Ein gelungenes Weihnachten braucht keine perfekte Kulisse. Ein Weihnachtsbuch für größere Kinder, die gerne lachen, schräge Figuren mögen und sich auch von einer ordentlichen Portion Familienchaos unterhalten lassen.

 

Das nächste Buch ist für mich! 

Ich meine… Heidi. Heidi gehört zu den Figuren, die irgendwie immer ein bisschen Heimatgefühl mitbringen. Berge, Schnee, die klare Winterluft und dieses besondere Gefühl, dass die Welt manchmal ganz einfach sein könnte.

In dieser Weihnachtsgeschichte ist Heidi im Winter mit dem Öhi im Dörfli. Sie möchte Geißenpeters blinder Großmutter eine Freude machen. Schließlich liest Heidi ihr so gerne vor. Der Schnee ist so hoch, dass Heidi vom Öhi getragen wird. Doch Heidi wäre nicht Heidi, wenn sie nicht ihren eigenen Kopf und ihre eigenen Wege gehen würde. Also zieht sie an Heilig Abend alleine los. Das endet gefährlich, auch wenn sie nicht alleine ist sondern ein Zicklein bei sich hat. 

Was für eine Geschichte! Eine, die nicht nur von Weihnachten erzählt, sondern vor allem davon, anderen eine Freude zu machen. Von Mitgefühl und davon, dass wir manchmal an andere denken, obwohl wir selbst genug mit uns zu tun haben. Ich mag den Gedanken, dass Weihnachten nicht unbedingt dort beginnt, wo die Geschenke liegen. Sondern dort, wo wir jemanden sehen. Wo wir merken, dass jemand vielleicht gerade unsere Aufmerksamkeit, unsere Zeit oder unsere Hilfe braucht.

Die Illustrationen von Magdalena Fournillier geben der Geschichte einen besonderen Rahmen. Gerade die winterliche Bergwelt. Das Buch ist kein Bilderbuch, eher ein Vorlese oder Selbstlosbuch mit viel Text.  Aber es ist ein Buch für alle, die klassische Weihnachtsgeschichten mögen und sich gerne noch einmal in Heidis Welt entführen lassen. Also für mich! 

 

Das nächste Buch ist ein Familienbuch, für alle die sich den Zauber der Weihnachtszeit noch etwas erhalten wollen. 

Denn es beginnt nach Weihnachten. Die Geschenke sind ausgepackt, die Plätzchendosen vielleicht schon erstaunlich leer und irgendwo zwischen Geschenkpapierbergen und dem letzten Stück Schokolade stellt sich die Frage: Und jetzt? Die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag ist keineswegs einfach nur die Zeit, in der der Weihnachtsbaum noch stehen bleibt. Es sind die Rauhnächte. Eine Zeit voller alter Bräuche, Geschichten und besonderer Rituale. Ich mag die Raunächte total gerne, doch in einem Kinderbuch habe ich sie zuvor noch nie gesehen. Das ist hier anders. Es sind Informationen in einer Bilderbuchgeschichte verwickelt. 

Ida und Tim begegnen mitten in der Nacht der Elfe Njóla. Sie nimmt die beiden mit in die Welt der Rauhnächte. Es ist ein buntes Sammelsurium aus  winterliche Natur, Wünsche-Rituale und kleinen Achtsamkeitsübungen. Auf fast jeder Seite findet man Elfengeheimnisse, die den Bezug der Geschichte zur lesenden Familie schaffen.- oder Rauhnächtegeheimnisse. 

Weihnachten bekommt hier einen Nachklang. Es muss nicht am 24. Dezember alles vorbei sein. Es darf noch etwas bleiben. Zeit zum Innehalten, zum Fragen, zum Wünschen und zum gemeinsamen Entdecken. Für uns beginnt Weihnachten tatsächlich erst am 24. Dezember. Vorher ist Advent. Jetzt ist Weihnachten.  DAs kann man mit dem Buch auch gut umsetzten, wenn man das in seiner Familie anders handhabt. Rituale müssen nicht groß und aufwendig sein. Manchmal reicht ein gemeinsamer Moment, ein Gedanke oder ein Wunsch, den man miteinander teilt. Das Buch bietet dafür Anregungen, ohne dass daraus gleich ein weiteres Familienprojekt mit To-do-Liste werden muss, denn es stellt die Fragen als Impuls während man die Geschichte liest. Es ist ein Buch für alle, die auch nach Weihnachten noch ein bisschen Zauber gebrauchen können.

 

wheelymum

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