Ausnahmezustand Tag 13: Ein Besuch in der Klinik

5 Uhr und ich bin wach. 60 Min ganz alleine wach. Ich höre ein Hörspiel auf bookbeat – das ist keine bezahlte Werbung, sondern ich habe mir das kostenlose Probeabo gegönnt. In der fehlerhaften Annahme ich hätte vielleicht Zeit dafür. Ich lache immer noch über mich. Das macht aber nichts, denn die Kinder nutzen es auch mit – so haben wir hier z.B. schon Michel gehört oder auch Momo. Auch die Traumreise vom Löwe habe ich von dieser Plattform. Ebenfalls sind Bücher wie die die Schimpfdiät oder ähnliche dort vertreten.. Natürlich auch Romane, Thriller usw. und meine geliebte Nicole Staudinger. Ich bräuchte also einfach etwas mehr Zeit zum hören.

Die Kinder werden wach und es gibt Müsli. Danach versuchen wir klar Schiff zu machen und ich koche eine große Kanne Tee. Mir geht es nicht schlechter aber auch nicht besser. Die Jungs spielen ein wenig „Magic – Morning“ diese Zeit wirklich heilig. Beinahe so als die Zeit kurz vor dem Schlafen gehen. Junior ruft, dass das Januarwunder seine Zahnbürste in die Heizung gesteckt hat und sie diese nicht mehr rausbekommen. Ihr merkt also, alles ganz normal hier.

Sie stellen um, um einen Tresen für den Guten Morgen Gruß zu bauen um dann dort mit der Frühlingsfee vom Jahreszeiteintisch einen Liedergruß zu versenden. Könnte Idyllisch sein. Oder lustig oder nervig. Für jeden etwas dabei. Ich versuche zu atmen.

Die neuen Arbeitsblätter müssen ausgedruckt werden und ich brauche einmal einen Überblick. Junior macht in der Zwischenzeit Sport und das Januarwunder erschwert die Aufgaben, in dem er immer dazwischen wuselt.

Die Löwenzahnmelodie erklingt und Junior beginnt mit Arbeitsblättern in Deutsch. Es sind jetzt wieder SCH Blätter aufgetaucht, den Buchstaben den er zum Thema Schnecke in der ersten Woche behandelt hat. Immerhin sicher, löst er einige Aufgaben. Kleine Fingerspiele zur Abwechslung und dann etwas Mathe. Danach ist Pause. Wir machen einen Smoothie aus den Obstresten, dazu gibt es einen Klecks Vaniiellejoghurt und die Jungs machen ein Topping. Der Pausensnack ist gesichert.

 

Heute gibt es eine Videokonferenz zum Lesen, Vorlesen und Erzählen. Das klappt ganz gut.

Ich erhalte einen Anruf Gesundheitsamt und den Hinweis, ich solle meinen Hausarzt kontaktieren, er soll zum Hausbesuch kommen, falls das nicht geht, soll ich in die Klinik – entweder fahren lassen oder die 112 rufen, denn die Corona Hotline ist völlig überlastet. Einige Telefonate später ist klar, mein Hausarzt macht keine Hausbesuche, wegen Ansteckungsgefahr. Morgen früh könne ich aber in die Praxis kommen, oder ich muss in die Notaufnahme. Aber dem Gerade vom Gesundheitsamt soll man nicht zu viel glauben schenken, die hätten nämlich gar keine Ahnung.
Ah – ja.

Also Notaufnahme. Am Eingang sitzt ein Mitarbeiter mit Mundschutz, der dich zunächst nach Symptomen befragt, Mundschutz austeilt und dann sagt wohin genau man nach der Händedesinfektion gehen muss. Ich komme in einen kleinen Raum und muss dort einen Zettel ausfüllen ob ich a) in einem Risikogebiet war oder b) Kontakt zu einem bestätigten Coronafall habe.

In diesem Raum bleibe ich sitzen, bis ein Arzt in Schutzkleidung kommt und mich mit in den Behandlungsraum nimmt. Bei mir im Raum sind der Arzt und zwei Pflegefachkräfte mit Mundschutz, Schutzkittel, Haube und Visier. In dem Raum ist ein Monitor, ein PC, die Liege und sonst nicht viel. Alle Materialien die sich brauchen, müssen von außen und weiteren Fachkräften angereicht werden. Das hat denn Sinn, damit nicht alles im Raum kontaminiert ist. Gleichzeitig sind auf diese Art und Weise aber teilweise auch 5 Menschen damit beschäftigt mich zu versorgen. Einen Corona Test bekomme ich nicht, da ich keines der Felder mit ja angekreuzt habe. Die Kasse würde in diesem Fall den Test nicht übernehmen und die Testergebnisse dauern im Moment zwischen 5 – 12 Tage bis sie vorliegen. Man hofft, dass zuvor der Antikörpertest auf dem Markt ist. Ich bekomme einen Zugang – Einzelheiten erspare ich euch – und eine Infusion. Nachdem meine Laborwerte alle abgenommen sind, ich an der Infusion hänge und es mir bereits etwas besser geht, verlassen die Ärzte und Pfleger den Raum. Was ich dabei vergessen habe zu sagen, war die Bitte um meine Handtasche. Diese liegt auf dem Rollstzihl, der steht vor meinem Fußende, aber ich kann mich gar nicht bewegen. Natürlich kann man sich nicht extra in die streng limitierte Schutzkleidung schlüpfen um mir meine Tasche oder mein Handy zu geben. So liege ich über zwei Stunden auf der Liege. Habe Zeit nachzudenken und die Decke anzuschauen.

Irgendwann steht der Arzt vor meinem „Raum“ und sagt zur Kollegin: „Ich würde da jetzt gerne rein gehen. Aber im Moment haben wir keine Schutzkleidung“

Wir stehen am Anfang der Pandemie und bereits jetzt fehlen diese Dinge. Es ist so erschreckend. Nun lasse ich mir aber auch meien Tasche und damit mein Handy geben. Nach weiteren Untersuchungen, entscheiden wir, dass ich nach Hause gehen werde. Wenn ich möchte, kann ich auch da bleiben. Will ich aber nicht. Ich fühle mich sicher genug, um nach Hause zu gehen. Meine Atmung wurde besser, die Medikamente zeigten Wirkung. Ich soll in Quarantäne zu Hause bleiben und im Notfall natürlich die 112 anrufen.

Als ich zu Hause ankomme, bin ich wirklich erleichtert aber auch völlig kp. Die Jungs begrüßen mich, wir kuscheln und sie zeigen mir ihre Nachmittagswerke. Denn Junior kam auf die Idee Kartoffeldruck zu machen. Ganz alleine – einfach weil er es kennt, und da noch eine Kartoffel herumlag. Beim Schnitzen musste Papa noch etwas helfen – beim Aufräumen dann auch. Aber hey …

Bleibt zu Hause
Bleibt Gesund

Eure

wheelymum

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4 Kommentare

  1. EsistJuli

    Oh weh, da hattet ihr ja einen ereignisreichen Tag, trotz langer Ruhepause.

    Gute Besserung!

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  2. Supmom

    Oh weh, halte durch und gute Besserung

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  3. Cata

    Gute Besserung. Vielleicht sollte man der Klinik einmal mitteilen, dass diese Eimer verschlossen sein müssen. Liebe Grüße aus der ambulanten Pflege

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    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      <3 I know - waren in allen Räumen die ich betreten habe so (Waren 4 Stück)

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