Ausnahmezustand Tag 12: Das Internet kann helfen

Als ich wach werde, ist das Januarwunder bereits wach. Seine Mission, möglichst alle Menschen in diesem Haushalt aufzuwecken, ganz gleich wie früh es ist. Mit einem Frischkäsebrot lässt es sich dazu überreden zumindest vorerst seinen Bruder noch etwas schlafen zu lassen. Die Jungs wünschen sich erneut gebackenes Porridge. 1 Tasse feine glutenfreie Haferflocken, 2 Eßl Leinsamen werden mit einer zermatschten Banane vermischt. Dazu kommt eine Tasse Milch, eine Tasse Wasser, ein Tl. Honig und etwas Zimt. Das Ganze quellt ein paar Minuten und kommt dann in den Ofen bei 180 Grad für 20 – 30 Min. Heute ohne Apfel oder Rosinen, dafür mit den restlichen eingefrorenen Smoothiestückchen.

 

Die Jungs spielen mit Playmobil und ich verschwinde im Bad. Nach 30 Min bin ich wieder in der Küche, der Herzmann ging etwas früher zum Porridge und es gibt Frühstück. Ich habe immer noch Halsschmerzen und nun auch richtigen Husten. Ich bereite die Arbeitsblätter für die Schule vor. Das Januarwunder spielt erneut mit der Spielkiste und ich bin so froh um diese. Junior ist im Bad fertig und kommt zu mir. Er fragt ob wir heute auch etwas Musik machen könnten, er hätte ich sich da etwas überlegt. Ich muss ihn leider vertrösten, denn ich fühle mich nicht wohl. Er arbeitet an seiner Schreibschrift und ich möchte verbessern… schau mal da, musst du vielleicht etwas genauer in der Linie bleiben,… dann kommen mir aber die Gedanken von Sassi in den Sinn:

Unsere Kinder müssen so viel. Dann machen sie etwas, worauf sie vielleicht gerade keine Lust haben, und dann wird noch an der Schrift genörgelt. Das ist, wie wenn ich Fenster putze. Wenn ich das endlich mal tue, bin ich auch so froh, wenn es vorbei ist. Ich habe da keine Lust darauf. Wenn mir dann noch jemand sagt, das sieht nicht gut aus, könnte ich…. Wenn ich aber Gitarre spiele, bin ich so ehrgeizig, weil ich will das es perfekt ist. Weil mir das spielen an sich Freude bereitet und ich das aus eigenem Antrieb mache –

das war jetzt meine eigene freie Interpretation ihrer Worte, weil diese Aussage leider nicht abgespeichert ist.

Also lasse ich es. Ich versuche beim Arzt anzurufen, besetzt. Junior macht mit Mathematik weiter und ich versuche weiterhin meinen Arzt zu erreichen. Nicht möglich. Ich höre bereits mein Bett nach mir rufen. Junior hat keine Motivation mehr und ich habe keine um ihn weiter zu motivieren. Er meint, er hat noch viel vor heute und dabei. Ich solle mich einfach einmal überraschen lassen. Anstatt der Sportstunde mit Alba bereitet er für sich und seinen Bruder einen Parcours vor. Die beiden knabbern vorher Apfel, Melone und Birne und starten dann durch. Hier mal ein weinen, dort mal ein Schrei, aber eigentlich läuft es ganz gut. Ich komme endlich beim Arzt durch und bekomme die Info, dass ich zurück gerufen werde. Bei Hurrahelden habe ich entdeckt, dass man dort Malbücher personalisieren lassen kann. Die Jungs suchen sich ihre Merkmale wie Augenform oder Friseur aus und wir schicken das ganze ab.

Die erste Tulpe vom Tulpenfeld ist verblüht. Ich bitte darum diese zu entsorgen. Der Arzt ruft zurück, ich soll zu Hause bleiben und noch zwei Tage warten. Wenn es mir nicht besser geht, soll ich mich wieder melden. Als ich wieder in die Küche komme sehe ich dieses Bild:

Die Jungs wünschen sich Kartoffelbrei zum Mittagsessen. Das ist machbar. Junior beginnt an dieser Kartoffel herum zu überlegen. Es gab da doch mal diese Geschichte und überhaupt wann muss man denn die Kartoffeln in den Garten setzten. Ich spüre wie es rattert im Kopf.

Das Januarwunder geht schlafen. Ich scrolle durchs Handy und finde diese Idee.

https://twitter.com/eliistender10/status/1244899571513294848

Junior möchte das auch ausprobieren und so entsteht eine Giraffe.

Danach versuchen wir gleich noch das Schmetterling malen.

https://publish.twitter.com/?query=https%3A%2F%2Ftwitter.com%2Fmrsmurphy79%2Fstatus%2F1244043162341052416&widget=Tweet

Ich bekomme eine Mail, dass die Malbücher der Hurrahelden bereits da sind. Daneben finde ich erneut eine Mail von den Elternvertretern mit einem Lehrerbrief als Anhang. Erneute neue Schulaufgaben und der deutliche Hinweis, dass auch neue Aufgabenfelder erschlossen werden müssen. …. eine Gesamtübersicht aller Aufgaben die bis zum 20.4. gewissenhaft zu erledigen sind Die Ordner werden eingesammelt und auf Vollständigkeit überprüft.

Ich weiß, dass die Situation für alle neu ist. Ich weiß, dass wir uns alle erst eingrooven mussten. Ich weiß auch, dass es Kinder gibt, die sich über eine Vielzahl an Arbeitsblättern freuen und die man dazu nicht so motivieren muss, wie Junior. Ich weiß ebenfalls, dass die erste Klasse wichtig ist, da hier viele Grundlagen gelegt werden und dennoch schreit alles in mir ABER. Wie sollen Eltern das leisten? Eltern die nebenbei noch Homeoffice haben, Eltern die außer Haus arbeiten gehen, Eltern die mehr als ein Kind haben, Eltern die mehrere Schulkinder haben, Eltern die an der Belastungsgrenze sind, Eltern die sich Sorgen um ihre Existenz machen. 1. Klasse und es wird so viel Druck aufgebaut.

Die Kinder gehen mit ihrem Papa in den Garten, ich schlafe. Junior kommt später wieder hoch und fragt ob er noch etwas Anton am Handy spielen darf. Darf er. Er fragt ob er bei Youtube mal etwas suchen könnte. Ich erlaube das, bitte ihn aber das ganze neben mir zu machen, so dass ich weiß, auf welchen Seiten er sich gerade befindet. Ich bin völlig erstaunt. Geschichte, Kartoffel, Kinder, Hexe und heraus kommt die Geschichte vom Kartoffelkönig. Er schaut sie sich an und danach zeigt er sie seinem Bruder.

Ich höre es raschen, scheppern und flüstern. Ein Kind, welches bis hinter beide Ohren grinst kommt zu mir und meint: Bleib du ruhig liegen, wir machen das alles. Ich habe mit Papa gerade das Abendessen besprochen und jetzt mache ich mit dem Januarwunder was. Ich höre wie die Papierkiste aufgemacht wird und das Papier durch die Gegend fliegt. Ich höre wie Stühle verschoben werden und sich die zwei um Papier zanken. Schubladen werden aufgerissen und zugeknallt. Das Januarwunder bekommt Aufträge vom großen Bruder: „Hole mal du die Kiste mit der Hexe“. Als ich aufstehe und wieder in die Küche komme, sieht es aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Klebeband, Papierschnipsel, offener Klebestift, ein etwas bemalter Tisch und dazwischen zwei strahlende Kinder.

„Also Mama komm mal mit. Wir brauchen jetzt dein Handy mit der Geschichte und dann spielen wir die vor. Wir haben uns nämlich Kartoffelkönige gebastelt und zum Abendessen gibt es Pommes. Weil die sind ja auch aus Kartoffeln.”

 

Eure

wheelymum

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