Ich habe lange nicht mehr gemerkt, wie gut mir etwas einfach tun kann. Der Abend „Aus voller Kehle für die Seele“ in Heidelberg war für mich genau das. Ein paar Stunden, in denen ich einfach mitsingen konnte. Irgendwann war da tatsächlich dieses Gefühl, dass die Seele ein bisschen freier wird.
Ich habe mich danach bei den Veranstalterinnen bedankt und geschrieben, was dieser Abend mit mir gemacht hat. Eigentlich ganz spontan. Und beim Schreiben habe ich selbst noch einmal gemerkt, warum mich dieser Abend so berührt hat.
Vor allem die letzte Ansage.
Patrick Bopp und Marie Louise hatten für den Abschluss ein Lied von Céline Dion ausgewählt und dabei auch ihre chronische Erkrankung thematisiert.
Ich hatte Gänsehaut und Tränen in den Augen. Meine Mail enthielt den Wortlaut:
„Warum? Weil ich mich gesehen habe. Ich hatte das Gefühl, ich als Person mit allem, was ich zu tragen habe, werde wahrgenommen.
Und ja, natürlich auch alle anderen Frauen. Es ist so selten und dabei ist es so wertvoll!
Frau. Frau mit chronischer Krankheit. Frau mit Behinderung.
Ja! In der Ganzheit und ohne von Machtstrukturen zurückgedrängt zu werden.“
Genau das war es.
Es ging nicht darum, dass an diesem Abend plötzlich meine Behinderung im Mittelpunkt stand. Ganz im Gegenteil. Ich war einfach da. Als Frau, als Mama, als Mensch. Und gleichzeitig durfte das, was zu mir gehört, auch einmal gesehen werden.
Das passiert nicht besonders oft.
Und vielleicht hat mich genau deshalb dieser Moment so getroffen.
Dass jemand an Frauen gedacht hat, die mit einer chronischen Erkrankung leben. Dass diese Seite nicht ausgeklammert wurde. Dass ich für einen Moment das Gefühl hatte: Ja, ich bin gemeint. Ich werde gesehen.
Denn an diesem Abend wurde nicht nur gesungen. Es wurde auch für das BIZ Heidelberg gesammelt, das sich für Frauen mit Behinderungen einsetzt.
Auch deshalb möchte ich den Abend nicht einfach als „war schön“ abhaken.
Wenn ihr könnt, dann unterstützt das BibezHeidelberg gerne mit einer Spende. An diesem Abend haben viele Menschen bereits mit ihrer Spende dazu beigetragen, dass die Arbeit für Frauen mit Behinderungen weitergehen kann.
Ich finde, das passt sehr gut zu dem, was ich an diesem Abend erlebt habe.
Gesehen zu werden ist wichtig.
Und noch wichtiger ist, dass daraus auch etwas entsteht.
Danke für diesen Abend. Für die Musik, für das gemeinsame Singen und für diesen besonderen Moment, in dem ich mich als Frau mit Behinderung und chronischer Krankheit einfach gesehen gefühlt habe.