WmdedgT 5.Mai 20 mit Rezept und dem Protesttag der Menschen mit Behinderung

Schon lange gab es keinen Tagebucheintrag mehr, hier. Warum? Irgendwie fühlen sich die Tage doch alle gleich an. Unsere Abläufe sind ziemlich klar strukturiert und die Tage ähneln sich sehr. Gleichzeitig sind die Situationen die die Tage unterscheiden manchmal sehr privat und diese möchte ich hier einfach nicht komplett teilen, weil sie nicht nur mich betreffen. Und als letzter Punkt fehlt mir aktuell schlichtweg die Zeit und die Kraft täglich zu schreiben. Aber am 5.Mai darf und soll das anders sein.

Denn der 5. Mai ist ein Tag, der gleichzeitig noch viel mehr ist.
Der 5. Mai ist der Tag der Hebammen. Ein unheimlich wichtiger Tag, denn ohne Hebammen geht es einfach nicht.
Der 5. Mai ist der Tag der Herzkranken Kinder und ich denke an alle kleinen Fighter und ihre Familien.
Der 5. Mai ist auch der Protesttag der Menschen mit Behinderungen.

Und in diesem Jahr ist der 5. Mai der 53 Tag unserer Ausnahmesituation. Ein ganz normaler Dienstag, wie wir schon so viele mittlerweile hatten. Ich bin früh wach, doch schon alleine der Gedanke, dass ich nun in Ruhe einen Kaffee trinken könnte, lässt die Kinder aufwachen und alle tummeln sich im Bett.
Es hilft ja nichts, wir müssen dann doch irgendwann aufstehen und der erste Teil der Meute macht sich im Bad fertig. Danach spielen die Jungs und ich richte die gewünschte Schokocreme. Das Highlight einer jeden Frühstückswoche.

Schokocreme Frühstücksrezept 
Dazu zermatsche ich eine Avocado und gebe 1 frische und 1 gefrorene Banane dazu. 1 Tl Kakaopulver und ein kleiner Schluck Mandelmilch. Alles gut pürieren und mit Haferflocken, Amaranth und Obst nach Verfügbarkeit toppen.

Mit schokoverschmiertem und lächelndem Mund räumen wir gemeinsam die Küche auf und der Tag beginnt mit Sport. Heute wieder mit Alba Berlin.

Im Homeschooling läuft die erste Runde ganz gut heute. Etwas zäh, aber ohne große Eskalationen. Junior hat entdeckt, dass er mit summen, besser arbeiten kann. Ich kann dabei leider keinen einzigen klaren Gedanken fassen. Aber da muss ich nun wohl durch. Irgendwie.

Nach der Pause klappt etwas nicht wie gedacht und die Stimmung kippt. Zuerst beim einen, danach beim anderen und letztendliches auch bei mir. Hier auszubrechen ist heute verdammt schwierig.

Der Morgen verstreicht gerade so mit zusammenreiße, atmen, Tränen und wieder versuchen zu motivieren. Auch frische Luft hilft nur kurzzeitig, denn hier gibt es einen kleinen Unfall der das Auge in Mitleidenschaft zieht. Aus Solidarität weint das kleine Kind mit. Ich würde am liebsten auch einfach mit weinen. Im Internet lese ich später, dass bei vielen wohl so ein Misttag war.

Um 14 Uhr beginnt der Livestream zum Protesttag der Menschen mit Behinderung.

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Unsichtbar. So fühle ich mich ganz oft. Als Mensch mit Behinderung, als Rollstuhlfahrer, als Mensch und aktueller denn je als Mama und Frau. Seit ein paar Wochen erleben wir alle den Shutdown. Manche Menschen beklagen sich über Einschränkungen Einschränkungen, die wir als Menschen mit Behinderungen, teilweise jeden Tag erleben. Familien mit Menschen mit Behinderung, wurden in dieser Krise nicht bedacht. Fehlende Unterstützung, kein vorkommen in der öffentlichen Diskussion. Weder beim Chat down, noch während dessen, oder auch jetzt oder ruf nach Lockerungen groß wird. Die Corona Krise zeigt ganz deutlich, wo wir Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft stehen. Wie weit entfernt wir von wirklicher echter Teilhabe und Inklusion sind. Wir bleiben unsichtbar. Das darf nicht sein. Heute am 5. Mai ist der Internationale Protesttag der Menschen mit Behinderungen. Heute ist der Tag an dem wir gebündelt sichtbar werden (und es hoffentlich auch bleiben). Heute ist der Tag an dem wir gemeinsam laut werden und protestieren. Für Gleichheit, Barrierefreiheit und Menschlichkeit. Ihr könnt mit uns gemeinsam laut werden. Denn diese Rechte, die nicht nur Menschen mit Behinderungen, oder pflegenden Angehörigen. Sie sind wichtig für uns alle, für die Familie, für Vielfalt, für die alten Menschen und für die Kleinen. Für die Einsamen und für alle am Rand unserer Gesellschaft. Ich möchte nicht mehr unsichtbar sein. Ich möchte gesehen werden. Ich möchte aber auch dass unsere Kinder in einer Welt mit Vielfalt, Respekt und gegenseitiger Wertschätzung aufwachsen. Dazu brauchen wir auch eure Hilfe. Bitte helft uns sichtbar zu werden, kommentiert teilt und unterstützt diese Vielfalt. Damit ich nicht mehr zu hören bekomme: Eltern wie Sie sind in unserem System nicht vorgesehen. #unsichtbar #gleicherechtefüralle #disability #internationalertagdermenschenmitbehinderung #sichtbarwerden #solidarität #shutdown #lockerungen #pflege #gesellschaftskritisch #teilhabe #inklusion #behinderung #wheelychair #systemrelevant #regenbogen #familienleben #gemeinsamsindwirstark

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Mega interessant und es wurden unheimlich viele Menschen mobilisiert daran teilzunehmen. Der Wahnsinn. Leider kann so ein Protest der online stattfindet auch noch leichter überhört werden. Ich teile den Streame hier gerne nochmal mit euch und auch auf Facebook. Wenn ihr uns auch unterstützen möchtet, dann teilt das Ganze doch bitte fleißig.

Nach dem Abendessen bekommt Junior noch eine kleine Aufgabe: Er soll mit dem Roller alleine zur Coronaconda fahren und dort die Steine zählen. Irgendwie hatte ich das Gefühl er braucht heute noch eine Aufgabe mit Bewegung, Erfolgserlebnis und auch etwas Mut. Diese Steinschlange, liegt eine Straße von uns entfernt und tatsächlich kommt er danach glücklich wieder und will selbst nochmal einen Stein bemalen. Ich atme tief durch und spiele nochmal mit dem Januarwunder in Ruhe etwas. Wir machen die Abendmassage, heute mit Steinen und Federn… Was war leicht, was war schwer….

Was ich dazwischen noch so gemacht habe:
Spülmaschine eiengeräumt, ausgeräumt, eingeräumt
Kalten Kaffee getrunken
Viel zu wenig Wasser getrunken
Essen gerichtet, Essen vorbereitet, Essen gerichtet
Streit geschlichtet
Geatmet!!!
Wäsche sortiert
Telefoniert

Und am Abend als alle Kinder geschlafen haben, mit dem Mann geredet. Endlich einen Moment Ruhe genossen. Danach habe ich das Buch Émilie und das kleine Restaurant* (Link zum Partnerprogramm) fertig gelesen. Einfach nur, weil es mir so danach war. Es ist kein anspruchsvolles Buch, aber es nimmt mich mit kurzen Kapiteln, 3 Generationen und vielen Rezepten, ganz einfach mit in einer andere Welt. In eine Welt in der sich Menschen treffen können, die Frauen für ihre Träume kämpfen und ich gleichzeitig eine Unmenge an leckeren Rezepten finden konnte. Gerade nun, wo ich immer wieder denke: Was essen wir denn heute? War das eine kleine Überraschung in diesem Buch.
Die 3 Frauen leben in unterschiedlichen Zeitepochen. Marie-Juliette, lebt in den 30er Jahren lebt,und hat nur den einen großen Wunsch.. Sie will unbedingt Chefköchin werden. Doch damals stellte man Frauen nur als Kellnerin ein. Marie-Juliette kämpft, um sich diesen Traum zu erfüllen. Héléne ist in den 60er Jahren verankert. Auch sie hat es nach der Trennung von ihrem Mann nicht leicht. Plötzlich steht sie mit ihren zwei Kindern allein da. Auch sie will aus der Krise heraus und mit Kochen Geld verdienen. Sie macht sich selbständig und stellt ein Cateringunternehmen auf die Beine. Im Jahr 2016 lebt Èmilie. Sie hat ihren Job im Marketing an den Nagel gehängt und erfüllt sich endlich den Traum von einem eigenen Restaurant und sucht einen Mentor. Diese drei Frauen leben alle im gleichen Ort und zeitversetzt in der gleichen Wohnung. Alle drei sind voller Zuversicht, Humor und haben Vertrauen in das eigene Können. Und zu guter Letzt spielt ein grüner Koffer in dieser Geschichte eine tragende Rolle.Für mich war es genau das perfekte Buch in dieser Zeit, einfach zu lesen und kurz abzutauchen.

So endete mein Tag eigentlich ganz schön, ebenso wie er begann. Mit einer langen to do Liste für den nächsten Tag, aber immerhin ohne das völlige Chaos, so wie es zwischenzeitlich aussah.

wheelymum

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2 Kommentare

  1. Steffi Braun

    Liebe Wheely Mum, als selbst Betroffene Mutter von 2 Kindern lese ich deine Beiträge sehr gern. Zu deinem Text, dass wir einfach nicht gesehen werden, muss ich dir mal zurückmelden, dass in SH sehr wohl vorgesehen ist, dass die Kinder, die in Familien aufwachsen, bei denen es chronische Erkrankungen oder Schwerbehinderungen gibt, in die Notbetreuung hätten gehen können. Ich wurde sogar von der Kita angerufen, ob ich es wahrnehmen möchte.
    Ich weiß, dass insgesamt noch viel passieren muss. Aber kleine Fortschritte gibt es!

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    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Das freut mich, dass es bei euch die Möglichkeit gibt. Aber ja, es muss noch sehr viel passieren.

      Antworten

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