Risikoschwangerschaft – und trotzdem entspannt?

„Und wie weit genau sind sie jetzt?“ Ich lächle und sage etwas wie: Ach ungefähr bei der Hälfte. Nein, Woche und Tag möchte man bitte genau wissen. Ich öffne meine Tasche und schaue in den Mutterpass. Als ich den genauen Zeitraum sage, werde ich gefragt, ob ich es vergessen hätte oder sehr unter Stress stehe. Ich verneine, denn es ist weder das eine noch das andere.

 

Vielmehr ist es, dass ich mich in dieser Schwangerschaft ganz auf mein Baby und das schwanger sein einlassen möchte. Ich zähle als Riskoschwangere und werde sehr engmaschig überwacht. Umso wichtiger sind mir die Momente zu zweit, zu dritt und zu viert. Die Momente wo es nicht darum geht, stimmt die Messung, sind die Werte in Ordnung. Sondern diese Momente, wo wir fühlen und uns einlassen können. Häufig höre ich, die zweite oder dritte Schwangerschaft, läuft so nebenher. Man hat viel weniger Zeit sich um alles zu kümmern und auf jedes Wehwechen zu hören. Das mag bestimmt so sein. Immerhin ist da schon ein Lebewesen, um welches man sich kümmern darf, das gesehen und beachtet werden möchte.

 

Bei mir sind das aber nicht die Gründe, warum ich die aktuelle Woche nicht weiß. Die Gründe sind vielfältiger und reichen tiefer. Während ich in der ersten Schwangerschaft einen Großteil im Krankenhaus verbringen musste, und ich mich gar nicht so richtig getraut habe, mich mit den Themen Babyausstattung, stillen usw. auseinander zusetzten – aus Angst, dass ich unbewusst meinem Kind doch das ok, gebe, viel zu früh zu kommen, möchte ich dies nun anders machen.

 

Ich möchte mich auch nicht mehr so abhängig von den Ärzten machen. Ja, die engmaschige Vorsorge nehme ich trotzdem wahr. Auch die Unterstuchungen und Termine bei Fachärzten, die eigentlich nichts mit der Schangerschaft zu tun haben und dennoch eine wichtige Rolle spielen. Aber ich bin viel selbstbewusster, selbstbestimmter und habe viel mehr Vertrauen in meinen Körper und vor allen Dingen in mein Kind. Dinge die mich beschäftigen, bespreche ich mit meiner Hebamme. Ich habe Listen und Pläne, wenn ich mit den Ärzten spreche und ich trete als Fachfrau für meinen Körper, mein Baby und mich auf. Das macht einen gewaltigen Unterschied.

 

Dadurch kann ich auch viel entspannter mit allem umgehen. Und im Vergleich zur ersten Schwangerschaft, fällt viel Ballast ab, was die Sorgen betrifft, wie ich mein Kind versorgen kann. Natürlich gibt es auch jetzt große Herausforderungen – auch Probleme für die wir noch keine Lösung in Aussicht haben. Und die Zeit rennt. Aber dennoch – Ich habe den Kopf freier und kann mich mehr auf mich konzentrieren. Ich habe dieses Vertrauen in meinen Körper und in mein Baby, dass alles seine Zeit hat. Ich muss hier nicht messen, niederschreiben, Werte vergleichen oder ähnliches. In mir wächst ein Wunder. Ein neuer Mensch. Was hier geschieht ist so groß und zauberhaft, das kann ich nicht messen.

Ja, die Medizin versucht es und wir werden immer wieder gefragt, nach Gewicht, Größe, Daten und Fakten. Dadurch bekommen wir das Gefühl ermittelt, dass diese Werte das non plus ultra sind. Und doch bleibt es für mich ein Wunder schwanger zu sein. Ein Wunder, dass dieser kleine Mensch sich auf den Weg zu uns gemacht hat und auch wenn ich mich wirklich nicht wohl fühle in meiner unreinen, spannenden Haut, so möchte ich diese Schwangerschaft genießen, mich auf sie einlassen und dieses Wunder aufsaugen. Das kann ich spüren, ganz ohne Zahlen.

 

Diesen Beitrag habe ich vor ein paa Wochen geschrieben. Mittlerweile bin ich zum zweiten Mal stationär im Krankenhaus wegen vorzeitigen Wehen. Ich kenne meine Schwangerschaftswoche auf den Tag genau. Denn von ihr sind wichtige Entscheidungen abhängig. Bin ich noch entspannt? Entspannung ist vielleicht der falsche Begriff. Ich bin zuversichtlich – ohnr Panik.  Ich vertraue auf uns. Ich stehe in einer guten und tiefen Beziehung zu unserem Baby. Ich höre darauf, was es mir sagt, wann seine Grenzen erreicht sind. Ich informiere mich – ohne mir Angst machen zu lassen. Und ich kann mich jetzt ganz bewusst und gezielt für dieses Wunder einsetzten und dafür Sorge tragen, dass es uns beiden gut geht – ganz gleich wie die äußern Umstände sind. Es ist kein Spazierung. Vielmehr gleicht es einer langen Wanderung,mit Steinen, Gras, dunkeln Wäldern aber auch Sonnenschein, Bergwiesen und am Ende ein wundervoller Ausblick.

 

Eure

wheelymum

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9 Kommentare

  1. EsistJuli

    Du hast eine wunderbare Einstellung. Genau so soll essen 🙂
    Ich wünsche euch alles Gute und dass dein kleiner Bauchbewohner auf dich hört und sich noch etwas Zeit lässt 🙂
    Liebe Grüße,
    EsistJuli

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    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Danke, es ist so schön, dass ihr mitfiebert – eure guten Wünsche geben mir Kraft und kommen alle hier an

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  2. Mother Birth

    Liebe Ju,

    bei deinen Zeilen rollen mir Tränen über die Wangen. Dass du diese Zuversicht wie ein strahlendes Licht mit diesem Text nach außen trägst bedeutet mir unheimlich viel. Du bist guter Hoffnung, auch wenn alle Umstände deiner Schwangerschaft alles andere als einfach und komplikationslos sind.
    Du bist ein großes Vorbild für mich – und sicherlich auch für andere <3

    Du stehst in so einer wunderbaren Verbindung zu deiner kleinen Schildkröte. Sie weiß warum sie zu dieser tollen und straken Mutter kommen wollte. Ihr beide seid ein Team. Ein echtes Team. Ihr meistert das.

    Ich denke oft an euch
    Andrea

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    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      <3 jetzt weine ich - danke, dass du da bist

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  3. Wiebke (Verflixter Alltag)

    Wunderschön geschrieben. Da könnte ich mir noch eine Scheibe von die abschneiden. Diese innere Ruhe habe ich oftmals nicht (egal, um welches Thema es geht). Ich drücke euch die Daumen, dass bei euch alles weiter gut verläuft!!! LG Wiebke

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    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Danke Wiebke <3

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  4. Kerstin

    Wundervoll und sehr berührend geschrieben! Ich kann voll mitfühlen, denn meine zweite Schwangerschaft verlief ähnlich… Und dennoch habe ich großes Vertrauen in meinen Körper und mein Baby gesteckt. Ich möchte im Nachhinein behaupten, dass ich durch dieses Vertrauen alles richtig gemacht habe. Dafür bin ich meinem Körper heute noch so dankbar!
    Von daher hast du mir aus der Seele gesprochen – vielen lieben Dank!

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  5. Isabelle

    Ich muss unbekannterweise oft an dich denken und bewundere deine reflektierte,starke Haltung. Dieses Baby hat ein großes Glück dich als Mama ausgesucht zu haben und ich hoffe,dass deine Zuversicht und Ruhe sich überträgt und das kleine Mäuschen sich noch viel Zeit in Bauch gönnt.

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  6. Mama Maus

    Hallo Wheelymum,

    Ich wünsche euch, dass sich der kleine Bauchbewohner noch etwas Zeit lässt.
    Ich kenne dieses ängstliche Abwarten im Krankenhaus und wünsche dir deshalb zusätzlich noch viel Gelassenheit und Ruhe.

    Viele Grüße
    Mama Maus

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