Mit Matschkleidung im Matsch – why not

Mit Matschkleidung im Matsch

Wir waren gestern auf dem Spielplatz. Eigentlich nichts besonderes. Der Spielplatz liegt wunderschön im Wald gelegen, mit viel Haus und natürlichen Materialien zum spielen. Da es in der Nacht und am Tag zuvor geregnet hatte, war hier auch überall Matsch, es war rutschig und es gab Pfützen. Ja. Wasserpfützen auf dem Boden. So auch am Ende der langen Rutsche.

 

Nachdem man den großen Berg – unter Anstrengung – erklommen hatte, konnte man sich oben ein wenig in einem kleinen Spiel Haus ausruhen und dann die Rutsche den Berg hinunterrutschen. Kurz vor Ende bremst die Rutsche von selbst etwas ab und direkt unterhalb war ein Matschloch. Will ein Kind alleine aus der Rutsche steigen, so muss es unweigerlich in dieses Loch hineinsteigen.

Junior machte sich daraus einen Spaß und hüpfte hinein. Es spritze nur so.

Danach wieder nach oben und das selbe Spiel von vorne.

 

Mit Matschkleidung im Matsch

 

Wir waren nicht alleine auf diesem Spielplatz. Es gab noch viele weitere Familien. Alle Kinder trugen Matschhosen und Gummistiefel.

Andere Kinder waren vor ihm und nach ihm dran mit rutschen. Diese beiden Kinder wurden von ihren Eltern aus der Rutsche gehoben, damit sie nicht in die Pfütze treten. Während Junior etwas langsamer wurde, beobachte ich eine Mama, die ihrem Kind das rutschen – wegen der Pfütze am Ende – verbietet.

 

Matschleidung darf nass und matschig werden – bei uns

 

Junior rutscht wieder, hüpft zweimal in die Pfütze und macht sich wieder auf den Weg nach oben. Der Junge nach ihm ist an der Reihe. Er rutscht und der Papa ist dieses mal zu langsam um seinen sechsjährigen Jungen aus der Rutsche zu heben. Der Junge springt in die Pfütze und lacht laut auf.

Er wird vom Papa geschimpft. Das soll er nicht tun, so werden seine Marschklamotten schmutzig, später will er ins Auto sitzen und überhaupt ist es viel zu kalt um mit Wasser zu spielen.

Das Mädchen rutscht und wird aus der Rutsche gehoben. Nun bekommt dieses Mädchen einen Wutanfall, weil es auch in die Pfütze springen mag. Alle Augen sind auf uns und Junior gerichtet, der wieder nach unten rutscht und glücklich und unbeschwert in die Pfütze springt.

 

Nun werden der Herzmann und ich von den anderen Eltern angesprochen, was das soll. Ob wir unserem Kind nicht verbieten können, in diese Pfütze zu springen. Ich glaube, ich habe mich verhört. Dreimal kurz durchatmen. Dann höre ich mich ein, freundliches „nein“ sagen. Ich beginne keine Diskussion. Die Eltern schauen sich irritiert an und ihr Ton wird etwas schroffer. „Aber das muss doch nicht sein.“ Der Herzmann entgegnet ihnen lächelnd: „Doch, warum auch nicht. Es sind Kinder.“ Beide Elternteile brummen etwas vor sich hin, werfen sich genervte Blicke zu, nehmen ihre Kinder und gehen auf den anderen Teil des Spielplatzes. In diesem Moment tun mir die Kinder leid. Der Junge wird am Arm gezerrt und das kleine Mädchen getragen. Mit etwas Entfernung sehe ich, dass sie alle nach ein paar Minuten den Spielplatz verlassen.

 

Das Spiel der Kinder ist gestört –

 

und wir sind schuld daran? Aber wieso nehmen sich andere Eltern das Recht heraus uns zu sagen, das wir unserem Kind verbieten oder erlauben sollen. Ok, meine Frage könnte auch sein, wozu gibt es Machtkleidung, wenn diese dann nicht schmutzig werden darf? Wieso entscheiden wir als Eltern was gerade jetzt im Moment richtig für unser Kind ist? Auf einem Spielplatz? Einem Ort des freien Spiels, indem die Kinder in ihren eigenen Flow finden sollen und genau das tun können, was sie gerade möchten? Fähigkeiten trainieren, die sie gerade selbst erweitern möchten. Sie versunken im Spiel, erleben eigene Glücksmomente und können so ihre ganz eigenen Erfahrungen sammeln. Bei Regen und Matsch, ist es einfach anders den Berg nach oben zu klettern, als bei Sonne und wenn alles trocken ist. Eine Pfütze ist zum springen da. So sieht es unser Sohn und warum sollte ich ihm dies verwehren? Matschkleidung dämpft das eigene Erleben bereits. Hier spürt man nicht, wenn es nass wird oder dass das Wasser kalt ist. Ich freue mich schon auf die Zeit, wenn Junior das ohne diese Kleidung spüren kann und danach einfach die nassen Socken, gegen trockene getauscht werden können.

 

 

Aber total verbieten? Ok, jedem das seine.

Aber wieso mischt man sich dann bei anderen ein?

Wir möchten für unseren Sohn, dass er selbstbestimmt spielen kann. Und das wünsche ich allen Kindern.

 

Welche Erfahrungen habt ihr denn so gemacht?

Eure

wheelymum

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4 Kommentare

  1. EsistJuli

    Ich verstehe die Eltern auch nicht… dafür ist die matschkleidung und Gummistiefel doch da? Hatten wir als Kind auch und die ist doch ruckzuck abgewaschen 🙂
    Also ihr habt alles richtig gemacht, finde ich 🙂

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  2. Caro

    Das kommt mir sehr bekannt vor, bei uns waren es Mütze. Mein Sohn darf und kann in aller Regel entscheiden, ob er die trägt. Da wurde ich auch schon gebeten, ihm die anzuziehen, weil die anderen Kinder keine mehr tragen wollten.

    Und noch schlimmer: Dann hat er die Schuhe ausgezogen. Im November. Er wollte die Rutsche hochklettern (noch was, was er darf, wenn keiner rutschen will, andere aber nicht) – und das geht nun mal besser ohne Schuhe.

    Ja, es war November. Aber es waren 15 Grad. Die anderen Kinder durften nicht, erst wurde von den anderen Eltern gelästert und nach einer Weile kam eine Abordnung anderer Eltern um mich aufzufordern, meinem Kind zu verbieten barfuß herumzulaufen. Nicht aus Sorge um mein Kind, sondern weil ihre das auch wollten. Habe ich nicht gemacht. Weil er weiß, wann ihm kalt ist und weil meiner Meinung nach kein Beweis einer Kausalbeziehung von kalten Füßen und Erkältung existiert.

    Nach weiteren 5 min hat mein Sohn beschlossen, dass er jetzt kalte Füße hat und er hat die Schuhe wieder angezogen. Situation gerettet, Ruf ruiniert…

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  3. Martina von Jolinas Welt

    Nicht zu glauben. Wäre mir das passiert hätte ich mir Gummistiefel gewünscht um als Antwort volle Kanne in die Pfütze zu springen, obwohl ich ein Kind war das das nie gemacht hat, ein “Blümchen” war ich hahaha, aber ein paar Matschspritzer auf den Klamotten dieser Eltern wäre es echt wert gewesen.
    Boahh bin ich böse

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  4. Pingback: Freitagslieblinge 24.März 17 - Wheelymum

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