Lesestoff: Erfahrungen und Lebensschicksale

– Buchrezension – Werbung

Die Zeit in der Klinik war intensiv für mich, Und gleichzeitig habe ich so viele Schicksale mitbekommen. Häufig dachte ich: Schreibe deine Geschichte auf – das muss die Welt wissen. Andere sollen es wissen, damit sie spüren, dass sie nicht alleine sind. Alleine mit ihren Gefühlen der Verzweiflung und Angst. Und genau solche mutigen Bücher habe ich auch in dieser Zeit gelesen – verschlungen. Bücher über Schicksale. Bücher über Krankheiten und Erfahrungsberichten. Ich möchte euch einige hier kurz vorstellen .Diese kommen alle aus dem Bastei Lübbe Verlag.  Aber alle Bücher können triggern. Aus diesem Grund schreibe ich das Thema immer kurz vor das Buch. Bitte entscheidet selbst, ob ihr die Rezension lesen möchtet und könnt. Falls euch die Bücher gefallen und ihr sie euch kaufen möchtet, klickt einfach auf den Link oder das Bild – ihr kommt dann zum Amazon Partnerprogramm Euch entstehen dadurch keinerlei Nachteile.

 

Alzheimer

Still Alice: Mein Leben ohne Gestern*

Alzheimer – eine Krankheit die jeden treffen kann. Ganz gleich ob arm ob reich, wo man lebt oder wie man lebt. Und sie trifft nicht nur alte Menschen. Nein. Das musste auch die Autorin Lisa Genova feststellen. Sie hat Psychologie studiert und in Neurowissenschaft promoviert. Als aber ihre Oma an Alzheimer erkrankt, hilft ihr dieses Wissen nichts. Sie versucht einen Roman darüber zu schreiben. Ihr ging es dabei nicht nur allein darum, die wissenschaftliche Seite der Krankheit zu beleuchten, sondern vor allem auch darum, die Gefühlswelt der von der Alzheimer-Krankheit betroffenen Menschen intensiver zu beschreiben. Und das ist ihr ausgesprochen gut gelungen. Lisa hat die Linguistik Professorin Alice erfunden. Anhand dieser Protagonistin beschreibt sie die Krankheit und die Auswirkungen auf die Familie.

Alice ist glücklich verheiratet und hat drei Kinder. Bereits mit Anfang 50 wird bei Alice eine erblich bedingte, frühe Alzheimer-Krankheit erkannt. Die Diagnose ist ein Schock, die neurodegenerative Krankheit verändert schon bald ihr ganzes Leben. Zum Krankheitsbild gehören Orientierungs- und Gedächtnisstörungen, Veränderung der Persönlichkeit und Störungen des Denk- und Urteilsvermögens. Alice muss ihre Professur aufgeben, ein gewisser körperlicher Verfall und Sprachstörungen treten bei ihr ein. Mit aller Kraft kämpft sie gegen ihr Schicksal an. Doch dem Verlust ihrer kognitiven Fähigkeiten und Erinnerungen kann sie jedoch nicht entkommen. Sie will sich das Leben nehmen. Aber der geplante Suizid scheitert, weil sie sich nicht mehr daran erinnern kann, wohin sie Tabletten verräumt hat. Sie verliert die Kontrolle über ihr Leben, ist nicht mehr Frau im eigenen Kopf. Und dennoch gibt es auch Momente die ihr Kraft geben. Aber die Geburt ihrer Enkel und die Liebe ihrer Familie. Ein Buch das hilft, einen klitzekleinen Einblick in die Welt zu bekommen. Für alle Interessierten und auch gerne für Familienangehörige von Betroffenen.

 

Krebs

Lebe!: Ich weiß, der Krebs wird siegen. Aber bis dahin gehört jeder Tag mir

Laura Maaskant beschreibt das Leben. Ihr Leben in mehreren Phasen. 15 Jahre lang hat sie eine unbeschwerte Kindheit. Dann erfährt sie, dass sie eine seltene Krebsart hat. Aus ihrer vierter Rippe wächst ein faustgroßer Tumor. Laura kämpft und lässt sich behandeln. Mit allen Nebenwirkungen und ganz viel Liebe schafft sie den Krebs zu besiegen. Im ersten Teil des Buches beschreibt sie dies alles sehr ausführlich und mitfühlend. In der Mitte sieht man einige Bilder von Laura. Und dann? Im zweiten Teil ist der Krebs zurück. Es sind Metastasen in der Lunge. Laura entscheidet sich gegen eine (zeit gewinnende) Behandlung und für das Leben. Das leben mit Krebs – so lange es geht. Sie weiß, sie kann diesen Kampf nicht gewinnen, aber sie füllt die Zeit mit Lebensfreude und ganz viel Liebe. Was hierbei auch deutlich wird, ist ein Unterschied zwischen Holland und Deutschland. Natürlich ist das nicht zu vergleichen, aber in den Niederlanden ist die Unterstützung größer, die Gesellschaft inklusiver. Das hilft Laura bei so manchen Dingen. Und dabei erfährt man sehr viel Laura. Von sich und ihrer Familie. Von ihrem Mut, aber auch von dem Gefühl, wie man sich fühlt, wenn man keine Zukunft hat. Für mich als Leser, geht sie dabei auch mit einer Offenheit an das Thema, dass mich stocken lässt. Aber dazu lest es selbst – es lohnt sich.

 

 

ALS

Solange das Leben leuchtet: Mein Körper wird immer schwächer, aber die Liebe zu meiner Familie bleibt stark

ALS begleitet mich in meinem persönlichen Umfeld und auch hier auf dem Blog immer wieder einmal. Eher als kleine Randerscheinung – aber diese Krankheit ist da. Am bekanntesten wurde sie wohl durch Stephan Hawkins und die Ice – Bucket – Challance. Auch der Ire Simon Fitzmaurice hat ALS und hat darüber ein Buch geschrieben. In kurzen Kapiteln nimmt er den Leser mit – von den ersten Symptomen bis hin zur Situation in der fast alle Körperfunktionen aufgegeben haben. Simon schreibt:

Ich esse nicht, trinke nicht, gehe nicht, spreche nicht, so wie Sie das tun. Ohne eine Maschine, die mir Tag und Nacht dabei hilft, atme ich nicht. ….Und doch. Ich bin immer noch ein Mensch. …..Ich fühle alles. Die sanfteste Feder, die mich irgendwo am Körper berührt, Und mein Herz ist lebendig. Empfänglich für Sinn. Für Werte. Für Liebe. Und genau darum ist es immer schon gegangen.

Der Schreibstil ist nicht in einem Fluss, das mag manchen Leser stören. Es sind vielmehr Gedankenfetzen, die man für sich selbst zusammensetzen kann. Einzelne Kapitel, die ein ganzes ergeben. Und was am Ende bleibt? Simon hat sein Leben angenommen. Und das gibt ihm einen Sinn.

 

Seelische Misshandlung

Zum Schluss ein Buch, bei dem ich immer nur etappenweise lesen konnte. Mir wurde so schlecht dabei und es schüttelte mich immer wieder. Als hätte der Himmel mich vergessen: Verwahrlost und misshandelt im eigenen Elternhaus

Amelie Sander ist eine junge Frau, die aus ihrem Elternhaus – mit Unterstützung – flieht. Sie beschreibt das Leben bei ihrem Vater und der Stiefmutter. Ein Leben in Unterdrückung, seelischer Misshandlung und körperlicher Zucht. Ein Leben, das kein Leben ist. Von Verwahrlosung und Angst.

Amelie gelingt die Flucht und sie beginnt ein neues Leben. Das ist alles andere als einfach. Scham und Unsicherheit begleiten sie hier. Aber auch ganz neue Erfahrungen und das Gefühl von Vertrauen. Sie hat nun Menschen an der Seite, die sie unterstützen, ihr beistehen und denen sie vertrauen kann. Im Buch springt die Autorin zwischen dem Weg ins neue Leben und ganz vielen Rückblenden. Diese sind in einer anderen Textform geschrieben. Ich musste hierbei einige Seiten überspringen, da es für mich – im schwangeren Zustand – nicht zu ertragen war. Aber das Buch vermittelt die Botschaft, genau hinzuschauen und auf das Schicksal dieser Kinder aufmerksam zu machen. Wir dürfen nicht wegschauen – diese Kinder brauchen ein waches Umfeld.

 

Puh,….. harter Stoff hier. Ich finde es aber sehr wichtig, dass man diese Themen nicht taburisiert und ihenen einen Paltz in unserer Mitte gibt.

 

Eure

wheelymum

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