Eltern mit Behinderungen: Der Kampf aus Liebe (Teil 2) die Babyzeit

Eltern mit Behinderungen
Nach einer Schwangerschaft kommt die Geburt. Im Fall von Corina war diese ein Kaiserschnitt,  wie ihr von hier ja bestimmt wisst. Aber wie ist das in der Zeit danach? Plötzlich ist man Eltern. Ein neuer Mensch ist auf Erden – bei einem und man trägt die Verantwortung dafür. Gibt es Hilfe für Eltern mit Behinderungen – oder aber welche Hilfen braucht man denn? Wie das bei der Familie aus der Blogreihe lief, das berichtet die Mama hier ganz authentisch und liebevoll. Dazu muss man sagen, dass sie in Österreich wohnen und es hier durchaus Unterschiede zu Deutschland gibt.
Bürokratie
Wir haben alles zum Glück in den ersten vier Monaten der Schwangerschaft erledigt. Danke für die Sachen der vielen Freunde, Fremden und der Familie.
Wir waren bei der Arbeiterkammer. Marko durfte in Väterkarenz gehen, aber erst 12 Wochen nach der Geburt.
Während dem Mutterschutz darf die Mutter nicht arbeiten und versorgt somit das Baby. Aber wenn sie das – aus welchem Grund auch immer – nicht kann? Dafür gibt es keine Regelung.
Der Papamonat ist eine freiwillige Leistung der Firma – und das gegen 100% Verdienstausfall. Also etwas für Reiche und Sparsame. Dennoch bleiben 8 Wochen über, die man irgendwie überleben muss.
Assistentinnen hatten wir in der Schwangerschaft kaum – die Angst der Bewerber war oft zu groß. Seit unser Baby da ist, hat sich die Situation verbessert. Wir haben Leute aus anderen Gesellschaftskreisen als früher. Der Fonds Soziales Wien (FSW) bezahlt ab der Geburt eine erhöhte Leistung zur Bezahlung der Assistentinnen, um den Mehrbedarf zu decken.
Baby “Füchschen”
Die Vollnarkose war notwendig und auch eine gewisse Erleichterung aber auch Unsicherheit.
Aufgrund der Verfrühung unseres Sohnes mussten wir alles umplanen. Das Spital half uns dabei auch gut, aber wir durften das Kind nicht auf die Interne mitnehmen, auf welcher ich stationiert war.
Am ersten Tag mussten wir kämpfen, um unser Baby zu sehen, weil ich im Bett lag und Füchschen auf der Kinderstation. Nach 24 Stunden und einem baldigen Nervenzusammenbruch später konnte ich unseren Sohn das erste Mal in die Arme nehmen.
Dann begann ein unvergleichlicher Spießroutenlauf: Assistentinnen organisieren, Milch abpumpen, ärztliche Behandlungen, Ernährung und Zeit mit dem Baby – es war sehr erschöpfend.
Unser Füchschen war trotz Frühgeburt groß, recht schwer für sein Alter und kerngesund – ein medizinisches Rätsel. Meine Krankheit hat er nicht geerbt, obwohl wir uns darauf eingestellt hatten. Nach einer Woche ging’s nach Hause – die Angst war groß. Alles neu, und noch zu wenige Assistentinnen. Aber wir bekamen viel guten Zuspruch von Verwandten, Freunden und unserer Hebamme.
Unser Baby war am Anfang sehr verschlafen aber auch quirlig, wenn er wach war. Dass er nicht ständig von der Mama betreut und gestillt wurde, wie sonst oft üblich, war am Anfang nicht leicht für ihn. Aber mittlerweile hilft uns das ungemein, weil er unkompliziert ist und sich auf jede Betreuungsperson ohne Probleme einstellt. Er ist ein Schwergewicht und sehr groß. Und er hat immense Kraft sowie ein hohes Maß an Intelligenz und Lernwillen.
Wir trauen ihm viel zu und das merkt er auch. Wir nutzen alle Möglichkeiten, die ich habe um ihm nah sein zu können: ein Stillkissen, eine Trage und natürlich mein Finger zum Ablutschen.
Als er zu brabbeln begann nahm er auch mich bald ins Visier und quietschte mich dauernd an um eine Reaktion zu erhalten. Vorurteile sind einem Baby fremd, er liebt mich und “redet” so mit mir, wie es eben geht. Wir wollen das ausbauen und später mit Babygebärden arbeiten.
Er möchte alles von der Welt sehen, mein Mann und die Assistentinnen tragen ihn in Blickrichtung schauend herum. Oft werden wir ermahnt, weil wir sehr unkonventiell mit ihm umgehen, z.B. ließen
wir ihn schon früh sitzen, mit Hilfe und nur kurz. Wir vertrauen ihm, er zeigt uns an was er will und kann, auch wenn’s früher ist als üblich. Er ist ein Monat früher zur Welt gekommen und hat die meisten anderen Babies in seinem Alter weit überholt. Das ist aber nicht unser Verdienst, wir hören nur auf das, was er uns mitteilt.
Im fünften Monat haben wir mit Brei zufüttern begonnen, er wurde durch die Milch einfach nicht mehr satt. Er isst sehr brav, und fast alles bis jetzt. Die Umstellung auf Stoffwindeln war etwas mühsam, aber für die Umwelt ist es
viel besser. Außerdem sagen viele Eltern, dass die Babies schneller trocken werden.
Das Baby wird fast nur mit Wasser gewaschen. Selten mit Babyöl. Es greift den Lenker meines Rollstuhls an und testet ob er fährt. Der Leseknochen, der Reisfrosch, die Spieluhr, das Mobile, Bücher und Rasseln gebe
ich ihm und ich übe auch Feinmotorik.
Sein Name hat drei Silben. Er hört bei mir auf zwei.
Die die uns nicht kennen trauen uns nichts zu. Die die uns kennen schon.
Für Fremde Menschen bin ich oft die Schwester und die Assistentin seine Mutter.
Viele starren uns auch ungeniert an, weil sie die Situation geistig irgendwie überfordert.
Wir sind stolz auf unser Füchschen, er liebt uns und wir lieben ihn. Und wir sind
froh, dass wir gekämpft haben – und werden es immer tun für ihn!
Eure Corina
So viel Liebe – wenn auch du eine Einschränkung hast, oder ganz allgemein, Fragen, Tipps oder einfach nur deine Gedanken zu dem Thema aufschreiben möchtest, freue ich mich sehr. Denn die Blogreihe zeigt wieder: Wir sind viele, seht uns. Und niemand ist mit seinen Fragen, Ängsten und Problmen alleine. Kommentiert hier oder schreibt mir an wheelymum08@web.de
Ich freue mich auf euch
Eure
wheelymum

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2 Kommentare

  1. Lydiaswelt

    Beim Lesen des Textes wird mir wieder klar, dass wir Eltern mit Behinderung noch viel zu wenig in Erscheinung treten.

    Antworten
    1. Corina

      🙂

      Antworten

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