Blogreihe: Glucke und So spricht offen über Depressionen

Eltern mit Behinderungen

Heute ist Dani von Glucke und So  Gast in der Blogreihe Eltern mit Behinderungen. Danis Blog war einer der ersten Blogs die ich regelmäßig gelesen habe. Also schaut unbedingt bei ihr vorbei. Im Blog schreibt Dani auch über ihre psychischen Krankheiten. Sie macht sich stark, dass die Krankheit kein Tabuthema mehr ist. Und aus diesem Grund ist sie auch heute Gast in der Blogreihe: Eltern mit Behinderungen und chronischen Krankheiten.

 

Bildrechte Glucke und So

 

Hallo Dani, ich freue mich sehr, dass du Teil der Blogreihe Eltern mit Behinderungen und Krankheiten bist. Für alle dich dich noch nicht kennen, kannst du dich ein bisschen beschreiben?

Ich bin Dani, fast 34 und Mama vom Prinzen. ich arbeite 50% im Büro und den restlichen Tag verbringe ich mit dem Alltag und allem was eben so passiert. Mein Blog ist mein Tagebuch. Ich lese oft meine alten Einträge und schaue mir Bilder an von Tagen, wie wir Sie verbracht haben. Ich liebe die Vielfalt auf meinem Blog und das ich meine Spielwiese wirklich nutze wie ich es will, ohne äußeren Druck oder dergleichen. Manchmal entwickelt man sich zurück, bleibt auf der Stelle oder schreitet wieder voran aber ich bin immer ich und schreibe nicht um jemanden zu gefallen.

 

Du hast Depressionen und  PMDS schreiben. Eine Krankheit, die man nicht auf den ersten Blick sieht . Sehr viele Menschen sind davon betroffen. Gerade deswegen ist es so wichtig offen darüber zu sprechen.

Manchmal weiss ich selber nicht welche Veränderung im Gehirn nun zuerst da war oder was in meinem Leben beeinflusst hat. Die traumatischen Erfahrungen in meiner Kindheit und Jugend haben mich und mein Gehirn verändert. Mein Stoffwechsel und viele Prozesse in meinem Körper funktionieren wohl nicht einwandfrei. PMDS ist eine hormonelle Störung, die Hochsensibilität ist ja keine Störung aber eben auch eine Veränderung im Gehirn. Eine impulsive Persönlichkeitsstörung wurde bei mir ebenso diagnostiziert aber wer weiss schon ganz genau was da alles in mir passiert.

 

Wie hat sich die Depression bei dir gezeigt?

Schon immer gab es schwere Krisen in mir drin. Ich zog mich dann völlig zurück, rauchte sehr viel, weinte viel, litt extrem und sah wenig Sinn in meinem Leben. Komischerweise habe ich in meinem Alltag immer trotzdem funktioniert. Ich bin pünktlich in die Schule oder später dann zur Arbeit gegangen. Ich hatte auch soziale Kontakte aber ich war auch gerne alleine. Das Allererste Mal, als mein Körper zusätzlich versagte war im Jahr 2011. ich wurde ohnmächtig im Zug und der Zugbegleiter half mir dann auf die Beine. Zu Hause angekommen weinte ich und das tat ich mehrere Stunden. Ich hatte einen Nervenzusammenbruch und am nächsten Tag saß ich beim Arzt. Ab diesem Moment wusste ich, mein Leben hat mich eingeholt und mein Körper rächt sich nun dafür, dass ich immer weitergemacht habe.

Ich begann eine Therapie ohne Medikamente, wechselte den Job – der der letztendliche Auslöser war und verbrachte noch mehr Zeit damit nachzudenken. Vieles wurde ein wenig aufgearbeitet.

 

Wie hat sie sich in den letzten Jahren verändert?

Als ich schwanger wurde – wurden die hormonellen Veränderungen die ich schon immer hatte(PMS) sehr sehr extrem. Ich entwickelte Verhaltensweisen die ich so nicht von mir kannte. Die Geburt des Prinzen und die Zeit danach ließen mich in eine schwere Wochenbettdepression fallen aber ich machte natürlich weiter. Mein Puffer war mein Mann und eigentlich oft jeder der mir in die Quere kam.

Nach gut 1,5 Jahren als der Prinz in die Kita kam, ging ich wieder zur Therapie, da sich was ändern musste. Mit mir stimmte was nicht. Ich führte ein Zyklustagebuch und kannte meinen Körper und Geist inzwischen sehr sehr gut. Ich rannte von Arzt zu Arzt.

Jeder tut es ab – niemand nahm mich ernst, bis die Diagnose PMDS bestätigt wurde.

 

Wirkt sich die Krankheit auf dich als Mama aus?

Ja natürlich. Hochsensibel zu sein und ein Kind zu haben beißt sich ja schon irgendwie. Routinen sind für mich ganz wichtig auch wenn ich regelmäßig aus diesen auszubrechen versuche. Die hormonellen Veränderungen machten es zeitweise wirklich sehr sehr schwierig und die Jobsuche steigerte auch nicht gerade die Glückshormone. Der Prinz war und ist für mich ein Quell der Liebe, Geborgenheit und pure Freude und ich funktioniere natürlich weiterhin aber manchmal bricht es eben heraus aus mir.

Aber im Endeffekt gehts sicherlich vielen Eltern so auch ohne unsichtbare oder sichtbare Erkrankung, denn wir sind alle Menschen und haben nur ein bestimmtes Kontingent an Geduld. Bei einer psychischen Erkrankung ist Sie vielleicht einfach schneller ausgereizt. Ich versuche immer den Prinzen nicht in meine ganz persönlichen Dramen zu involvieren aber das gelingt mir natürlich nicht.

Er sieht mich leiden und auch schreien und streiten. Ich sage ihm, wenn es mir nicht so gut geht und ich entschuldige mich auch, wenn ich einfach hilflos und überfordert bin und Blödsinn rede oder in Verhaltensmuster gerate die mir selber nicht gefallen. Ich kämpfe jeden Tag mit mir und meinem Innenleben und das ist nicht einfach für alle Beteiligten. Es gibt gute Tage und weniger gute.

 

Bildrechte Glucke und So

 

Ich selbst kenne Situationen in denen einfach gar nichts mehr geht. Bei mir muss dann ein Hilfenetz greifen. Wie ist das bei euch?

Wir haben kein Hilfenetz. Das gar nix geht, gibt es nicht. Ab und zu kommt meine Mama für ein paar Tage, das hat schon oft geholfen aber Sie muss eben auch 440km fahren. Ich glaube ich habe auch Probleme Hilfe anzunehmen da ich ja immer irgendwie doch funktioniere. Mein Mann macht aber auch viel möglich. Er gibt mir die Zeiten, die ich brauche. Wie gesagt Routinen sind sehr wichtig für uns. Für uns alle. Das ist eigentlich Zufall aber oft auch ein Segen. Intuitiv wissen wir was wir brauchen und was wir dann spontan ändern müssen. Der Prinz braucht genauso Ruhephasen wie wir Sie benötigen. Wir haben Zeiten da ist mein Mann beruflich wirklich stark belastet und eigentlich bleibt er dann oft auf der Strecke. Er ist der Fels in unserer Familie. Er kennt mich so unglaublich gut und ich bin ihm sehr sehr dankbar dafür.

 

 

Immer wieder hadere ich mit mir und meiner Krankheit. Natürlich ich kann es nicht ändern, aber es einfach so anzunehmen wie es ist, funktioniert nicht immer. Wie ist das bei dir?

Das ist ein ganz wichtiges Thema über das ich auch schon bloggen wollte. Schon immer nervt es mich extrem, das meine Befindlichkeiten (so nenne ich es) mich teilweise so kontrollieren. Denn auch wenn es im Alltag nur den Wenigsten überhaupt auffällt, dass es mir nicht gut geht-mich und meinen Mann kostet es unglaublich viel Kraft. Dieses Grübeln was wäre wenn und was kann ich noch tun, was muss ich ändern und wie mache ich das? Es führt dann eben auch zu schlaflosen Nächten. Ich will auch nicht Aufgeben und gehe meinen Beschwerden auch nach und versuche Sie durch die Wissenschaft zu lösen, sprich ich suche Experten auf um mehr Informationen zu bekommen. Da ich auch Angstpatient bin ist das immer eine zweischneidiges Schwert. Geht man zum Arzt und lässt Untersuchungen machen, dann muss man immer darauf gefasst sein, keine Antworten oder Antworten zu bekommen die einem nicht gefallen. Ärzte sind ein ganz schwieriges Thema für mich, da mir schon sehr viel passiert ist mit und bei Ärzten.

Inzwischen ist es aber so, dass wir wieder ein Puzzle zusammensetzen konnten. Das ist etwas Gutes und gibt Hoffnung.

 

 

Was gibt dir Kraft?

Mir gibt Kraft, dass es nicht aussichtslos ist. Das all das was in mir passiert nicht die schlimmste Form angenommen hat. Anscheinend habe ich auch viel Kraft in mir und um mich um mich immer wieder aufzuraffen. Die Findung zu mir selbst über viele Jahre und Hilfsmittel wie eben auch mein Blog, Gespräche und Erfahrungen lassen mich oft positiv überraschen. Mir gibt aber auch Kraft, das mein Körper & Geist ein neues Leben geschaffen habe und ich eben auch die Verantwortung habe, diesem kleinen Menschen ein glückliches Leben zu schenken. Natürlich alles im Rahmen meiner Möglichkeiten aber es spornt mich an ein guter Mensch zu sein.

Ich merke auch immer mehr, das es wichtig ist meine eigenen Empfindungen nicht über die Anderer zu stellen. ich kann mich gut verlieren in meinem Selbstmitleid und meiner Misere. Daran arbeite ich sehr stark das Abzustellen. Die Befindlichkeiten meines Umfeldes sind genauso wichtig und nur wir als Ganzes können dauerhaft glücklich sein.

 

 

Hast du Hilfe, Therapie oder ähnliches?

Ich habe nun über 4 Jahre eine Gesprächstherapie gemacht. Ich habe auch kurzzeitig Medikamente genommen. Mit beidem war ich nicht wirklich glücklich sodass ich mich „selbst“ therapiere. Ich spreche mit Betroffenen, lese viel und experimentiere mit Dingen die mir gut tun. Das Schreiben, Nähen, Kochen & Backen sind wirklich hilfreich für meinen Körper und Geist. Aber auch gewisse Nährstoffe die meinem Körper gefehlt haben , helfen mir indem ich Sie zu mir nehme.

Ich wünsche mir eine Therapie, eine Art Selbsthilfegruppe aber das kollidiert auch immer mit meiner wenigen Zeit und meinem Bedürfnis nach Ruhe.

 

 

Ich höre immer wieder das chronisch kranke Frauen keine Kinder bekommen sollten. So ein Blödsinn. Genau deswegen schreibe ich auch den Blog. Es ist doch situationsabhängig. Was ich spannend finde ist, das Menschen, welche so einen Bullshit reden, hier an sichtbare Krankheiten denken.

Ich selbst habe aber die Erfahrung gemacht, das gerade Frauen mit Krankheiten sich ganz genau überlegen und abwägen, ob sie Kinder möchten. Eine Freundin ist sehr unentschlossen, wegen ihrer Depressionen. An guten Tagen wünscht sie sich viele Kinder, an schlechten, keine. Denn sie weiß nicht, ob sie ihren Kindern „so eine Mama antuen“ kann. Was würdest du anderen Frauen gerne mit auf den Weg geben, die so mit sich hadern?

Ich bin selber so eine Frau. ich habe ein Kind und dadurch hat sich sehr viel verändert. Ich hadere oft mit mir ob unsere Familienplanung abgeschlossen ist oder nicht. Frauen die mit sich hadern rate ich, sich Zeit zu nehmen. Ich glaube inzwischen daran, dass alles seinen Sinn hat. Alles passiert aus einem Grund zu einer bestimmten Zeit und lässt uns gewisse Entscheidungen treffen. Wenn man eine Entscheidung trifft sollte man sich immer so weit es geht, sicher sein ob man mit den Konsequenzen die daraus entstehen, leben kann. Wenn man ganz tief in sich hineinhört und seinen Körper und Geist wahrnimmt dann bekommt man oft die Antworten.

Selbstfindung ist ein ganz wichtiger Punkt bei Zweifeln im Leben.

 

Eltern mit Krankheiten oder Behinderungen sind immer noch nicht in der Gesellschaft anerkannt. Was denkst du muss sich hier noch ändern?

Es muss sich z.B. ändern das diese Themen ernst genommen werden. Wenn man Beschwerden hat dann sollte man nicht in einen Strudel von Rechtfertigungen geraten. Man sollte nicht immer betteln müssen, dass Ärzte, Krankenkassen und dieser ganze medizinische Apparat einem das zukommen lassen, was man benötigt.

Wenn mein Arzt mir sagt er hat 11€ i Quartal für Blutuntersuchungen aber die ich benötige kostet 200€-dann kann das nicht sein, dass ich dadurch 4 ganze Jahre verliere.

Auch die Denkweise der Gesellschaft muss sich ändern das Eltern mit Krankheiten ob sichtbar oder nicht das eben durch ihr privates Hilfsnetz schaffen müssen. Um Hilfe bitten ist schon schwer genug aber unser Staat versagt hier in vielerlei Hinsicht auch gerade wenn es um Pflegestufen, Inklusion etc. geht.

Der Umgang mit Erkrankungen ist vielerorts sehr „altmodisch“ aufgestellt.

Patienten sind oftmals besser informiert und als ihre Ärzte und da sollte vielleicht auch in der Aus-und Weiterbildung etwas passieren.

 

Liebe Dani, ich danke dir für deine Offenheit.

 

Wer mehr von dieser tollen Frau erfahren möchte, kann ihren Blog lesen oder auf den Social Kanälen vorbei schauen.

Dani findet ihr auch bei:

 

Weitere Beiträge der Blogreihe findet ihr hier:

 

Eure

Save

wheelymum

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1 Kommentar

  1. Pingback: Wenn Mama krank ist: dunkle Gedanken und Überforderung - Wheelymum

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