Bei den Bauernhofzwergen

„Du bist auch zum ersten Mal hier, oder?“ werde ich offen und mit einem Lächeln von einer jungen Frau begrüßt. „Schau dich einfach um, entdeckt und erkundet alles und wenn du fragen hast, alle im grünen Shirt helfen dir gerne.“

Ich lächle sie an und streiche dem Januarwunder über den Kopf. Ich fühle mich wohl hier. Angekommen. Ein buntes und wuseliges Treiben. Alles kann, nichts muss.

Mittlerweile sitze ich mit dem Januarwunder auf dem Boden, mitten zwischen einem kleinen Barfußpfad. Er betastet die Korken.

Auf der Bank ein paar Schritte weiter, stillt eine Mama ihr Baby. Kinder fahren mit Fahrzeugen an uns vorbei. Die Sonne scheint und überall hört man es rufen und lachen. Es ist voll an diesem Morgen auf dem kleinen Bauernhof. Die Bauernhofzwerge sind da. Mit ihren Eltern oder Großelten und teilweise auch Geschwistern. Den Begrüßungskreis haben wir verpasst, aber das macht gar nichts. Man kann hier kommen und gehen wie man möchte an diesem Morgen. Ganz so, wie es für jede Familie individuell passt.

 

Junior kommt auf uns zugerannt und steckt mir ein Stückchen Gurke in den Mund. Sie schmeckt so intensiv, kein bisschen wässrig und ich genieße diesen Moment sehr. Just in diesem Augenblick kann ich mir nicht vorstellen je, wieder eine andere Gurke zu essen.

Wir schauen uns weiter um und entdecken den Strohhüpfraum. Wie toll ist das denn bitte? Und zum ersten Mal seit längerer Zeit, bin ich etwas traurig, dass ich den Rollstuhl habe. Denn hier mit den Kindern zu toben, das wünsche ich mir auch. Es kribbelt richtig in meinen Fingern. Junior hüpft und spielt während das Januarwunder vor mir, erste Berührungen mit dem noch unbekannten Stroh macht. Vor dem Strohraum gibt es eine eigene Schuputzstation, die unter einem alten mächtigen Walnussbaum steht. Am Rand stehen Johannisbeersträucher und Brombeeren zum naschen.

Jeder Winkel hier auf dem großen Gelände lädt zum entdecken und staunen ein. Ziegen, Hasen und Esel dürfen gefüttert und gestreichelt werden. Es riecht nach Land und Freiheit.

„Wo kommt ihr denn her?“ und „Wie alt ist das Baby denn?“ werden wir oft gefragt. Aber auch: „Ist das nicht anstrengend mit dem Rollstuhl hier zu sein?“ Ich lächle und antworte mit strahlenden Augen: „Nein, ganz und gar nicht.“ Das Gelände ist so weitläufig und bietet viel Platz. Platz für uns alle und auch für den Rollstuhl. Und das ist nicht selbstverständlich. Mit dem Faltrollstuhl ist es natürlich schwieriger als mit dem großen E – Rollstuhl. Doch so lange die Autosituation nicht geklärt ist, können wir nur weg, wenn wir uns ein Auto ausleihen und hier ist der Faltrollstuhl das höchste der Gefühle, was man mitnehmen kann.

 

Die Zeit verfliegt und wir werden zum Abschlusskreis gerufen. „ Lieder und ein auf Wiedersehen – vielleicht bis nächste Woche”.  Für uns wohl eher nicht, aber bis bald – ganz bestimmt. Auf dem Weg zum Auto machen wir noch einen kurzen Besuch im Hofladen und freuen uns hier frische Kartoffeln, einen megagroßen Salat und eine Schale frischer, süßer, fester Himbeeren zu kaufen. Noch bevor wir am Auto sind, werden die ersten zarten Früchte genascht. Junior spielt noch eine Runde auf dem Spielplatz und im Weidentunnel, während ich stille.

 

So langsam verstauen wir alles in das Auto. Eine Mitarbeiterin kommt gerade vom Feld und sagt, hatten sie einen schönen Morgen? Als ich bejahe, meint sie: „Das ist mit Abstand der schönste Tag auf dem Hof. Wenn sie viele Kinder einfach Kinder sein dürfen.“

Genauso habe ich mich hier auch gefühlt.

 

Eure

wheelymum

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