Es gibt viele Engel in der Weihnachtsgeschichte – mit Trompeten, mit leuchtenden Flügeln, mit glänzenden Stimmen. Aber einer von ihnen war ganz anders. Von diesem möchte ich euch heute eine Geschichte da lassen:
Ganz oben im Himmel, dort wo es glitzert wie Schnee im Sonnenlicht, lebten die Engelschöre. Sie übten jeden Tag Lieder für die große Nacht, in der das Jesuskind geboren werden sollte. Alle Engel sangen wunderschön. Ihre Stimmen klangen wie Wind in den Bäumen, wie das Plätschern eines Bachs, wie das Klingen von Silberglöckchen. Alle – bis auf einen. Ein kleiner Engel, zart wie eine Feder, stand immer etwas abseits. Seine Stimme war leise. Manchmal krächzte sie. Und wenn er sich Mühe gab, wurde es nur schlimmer.
„Ich… ich kann das einfach nicht“, sagte er. Die anderen übten weiter. „Gloria in excelsis Deo“, schallte es durch den Himmel. Nur der kleine Engel schwieg – und sein Herz wurde schwer. Als der große Abend kam, flogen alle Engel auf die Erde. Über der Krippe, bei den Hirten, sangen sie ihre Lieder. Es war wunderschön. Die Hirten weinten vor Freude. Nur der kleine Engel blieb zurück.
Er saß ganz allein auf einer Wolke. Doch plötzlich hörte er ein leises Weinen.
Es kam aus der Krippe. Er flog vorsichtig hinunter. Maria war müde. Josef auch. Und das Jesuskind… konnte nicht einschlafen. Der kleine Engel setzte sich ganz still an die Krippe. Er nahm das winzige Händchen des Kindes in seine. Er sprach kein Wort. Er sang nicht. Aber er war einfach da. Und das Kind hörte auf zu weinen. Es lächelte. Und schlief ein.
Da flüsterte Maria: „Du bist der Engel, der heute das Kostbarste gegeben hat.“
Der kleine Engel wusste: Manchmal ist Nähe wichtiger als Gesang. Und Liebe klingt lauter als Worte.
Diese Geschichte mag ich so sehr, wir werden danach darüber:
Was konnte der kleine Engel nicht? Was konnte er stattdessen besonders gut?
Muss man immer etwas „können“, um wichtig zu sein? • Gibt es Situationen, wo es hilft, einfach „da zu sein“ – ohne viele Worte? • Kennst du jemanden, der „anders“ ist – und trotzdem wichtig?
„Nicht alle Engel singen. Manche hören zu. Manche halten einfach die Hand. Und manche bringen genau das Licht, das wir gerade brauchen.“
