Blogreihe: Blinde Eltern sind nur blind

Eltern mit Behinderungen

Lydia von Lydias Welt kennt ihr bestimmt schon alle. Wenn nicht, dann muss und will ich euch diesen Blog unbedingt ans Herz legen und auch ihre Beiträge hier bei Wheelymum wie zum Beispiel Hier oder hier.

Ich freue mich so sehr, dass sie nun wieder einen Gastbeitrag für die Blogreihe geschrieben hat:

 

In meiner Blogreihe blinde Eltern, sehende Kinder habe ich über mein Leben als blinde Mutter mit sehenden Kindern geschrieben. Ich habe Schwierigkeiten aufgezeigt und über meine persönlichen Lösungen geschrieben. Da es prozentual gesehen nur wenig Eltern mit Behinderung gibt, gibt es auch kaum eine Lobby, die uns und unsere Belange sichtbarer für die Öffentlichkeit macht. Daher freue ich mich immer wieder über blinde Eltern, die in Blogs, Potcasts oder anderen Medien über ihren Alltag schreiben. Ebenso freue ich mich über Gastbeiträge auf meinem Blog, die von Eltern mit Behinderung kommen.
Denn es gibt so viele Mythen, Missverständnisse und wohl gemeinte Ratschläge von nicht betroffenen,
die ganze Bücher füllen würden. Und das sind die Dinge, die ich als nervig undstressig empfinde. Hier also ein paar Beispiele für Stressfaktoren für blinde Eltern:
Wenn ich erwähne, dass ich als blinde Frau auch noch Mutter bin, kommt in 90 Prozent aller Fälle die Frage
“Aber Ihr Mann ist doch sehend”
Nein, ist er nicht.
Und selbst wenn, so ist er ein Elternteil wie ich. Er ist also weder mein Aufpasser, meine Pflegekraft oder meine permanente Elternassistenz. Schließlich geht er ganz nebenbei arbeiten.
Meine Kinder bekamen sehr früh von fremden Menschen den Satz
” Pass schön auf die Mama auf “
zu hören. Also, ich möchte gern wissen, ob diese Menschen sich bedenkenlos einem Kleinkind im Straßenverkehr anvertrauen würden. Es ist ein Mythos, dass Kinder blinder Eltern bereits im zarten Alter von 3 Jahren der Betreuung ihrer Eltern gewachsen Sind.
“Ihre Kinder helfen Ihnen bestimmt ganz viel”, kriege ich auch oft zu hören. Kopfkino! Das Kind im Grundschulalter zaubert ein Mittagessen auf den Tisch, erledigt den gesamten Abwasch und den Hausputz. Und nicht zu vergessen die Post, die es auch noch vorliest.
Leute, ich habe Kinder und keine Pflegeroboter.
Meine Kinder hatten Aufgaben im Haushalt, die ihrem Alter entsprechen. So wiein vielen anderen Familien auch.
Natürlich gab es Situationen, die mich tatsächlich an meine Grenzen gebracht haben. Ganz oben steht der Lausbefall, der in vielen Schulen und Kitas nun mal Programm ist. Bei unseren dicken Haaren sind Nissen und CO nicht fühlbar. Für mich hieß das, dass ich zwar die Behandlung selbst durchführen, die Wäscheberge, die damit anfallen erledigen kann, aber eine sehende Hilfe zum Auskämmen brauchte. Diese zu finden ist echt schwierig. Viele Menschen ekeln sich davor, machen einem Vorhaltungen wegen angeblicher Unsauberkeit oder
verlangen horrende Preise für diese Dienstleistung. Irgendwann bin ich dazu übergegangen meine Kinder einmal wöchentlich kostenpflichtig kontrollieren zu lassen. Das schonte meine Nerven und ersparte mir so manchen unnützen Ratschlag.
Meine Kinder wurden während des Erwachsenwerdens von vielen selbst ernannten Miterziehern begleitet. Das ist zunächst nichts Blindenspezifisches. Da werden mir sicher die meisten Eltern Recht geben. Ich habe irgendwann gelernt damit umzugehen und mich abzugrenzen.
Vor Allem von denen, die meinten aktiv ins Geschehen eingreifen zu müssen, da die Mutter blind ist. Denn auf Dauer tut das keiner Familie gut.
Heute blicke ich auf zwei selbstbewusste erwachsene Kinder zurück, auf deren Entwicklung ich stolz bin. Sie sind eigenständig und haben eine gesunde Selbsteinschätzung. Und ganz wichtig: Sie haben Vertrauen zu ihren Eltern, die 100 Prozent hinter ihnen stehen. Ganz gleich was das Leben noch für sie bereithält.
Mein Erziehungsstil fühlt sich für mich richtig an. Und das ist das Wichtigste. Und daher mein Appell an alle Eltern mit einer Sehbehinderung. Lasst Euch nicht von selbst ernannten Miterziehern das Leben unnötig schwer machen. Letztendlich zählt Eure Einstellung und die Idee Eure Kinder zu selbständigen und eigenständigen jungen Menschen zu erziehen. Schaut nicht auf das was  angeblich nicht gut läuft, sondern auf das, was Ihr tagtäglich leistet.
Und das soll Euch erst mal jemand nachmachen.
Danke Lydia für deine Worte – so vieles davon kommt mir bekannt vor.
Wie geht euch damit?
Eure
wheelymum

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