Manche Tage sind einfach mistig – über Rollenbilder und Unterstützung

Eltern mit Behinderungen

An manchen Tagen bin ich neidisch, ja. Das ist immer noch so.

Ich spüre dann auch wie unzufrieden ich werde. Mit allem. Geht es mir körperlich besonders schlecht, kann ich das ein zwei Tage aushalten. Mit der Fokussierung auf schönes, Dankbarkeit und so weiter. Doch dann spüre ich oft, wie ich immer dünnhäutiger werde.

Wie mich Geräusche mehr stressen

wie ich unausgeglichener werde

wie ich neidisch werde

wie ich eine kleine Hexe werde und völlig grundlos zickig zu meinen Mitmenschen bin

wie meine Energie nicht ausreicht, um mir Ruhe zu gönnen, den Zustand anzunehmen und mich dabei gleichzeitig auf schönes zu fokussieren

wie mich die Krümel auf dem Boden so stören, dass ich meine wir verwahrlosen völlig.

Je länger dieser Zustand anhält umso unausstehlicher werde ich, bis ich es selbst bemerke und dann manchmal versuchen kann um zu lenken. Manchmal, eher selten, kommt diese Impuls von außen. Es ist nicht einfach und das habe ich auch nie behauptet.

Ich habe mein kleines Dorf um mich herum, welches mit entlastet. In Coronazeiten ist das sicherlich schwierigerer als zuvor. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Alleinerziehende das machen. Ich habe einen Mann und die Kinder haben einen Papa. Was mich wirklich ärgert sind dann aber Aussagen wie:

Wie gut, dass dein Mann der hilft

oder

Wie gut, dass der Papa sich jetzt um die Kinder kümmert.

Whaaaa

ich könnte schreien und toben. Natürlich ist das gut, dass er sich darum kümmert und versorgt. Aber ganz im Ernst. Es ist 2021. Es ist kein: Wie schön, dass er das macht oder du kannst dich glücklich schätzen, dass,…

Nein.

Es ist seine Familie.

Es sind seine Kinder.

Es ist sein Haushalt.

Seine Wohnung.

Sein Leben.

Wer bitte sagt zu einem Papa: wie gut, dass deine Frau sich die Zeit nimmt und das Essen kocht?

Wer bitte sagt zu einem Mann: Du kannst dich glücklich schätzen, dass deine Frau die Kinder abholt?

Ist es eine Unterstützung dass er mir hilft? Oder ist es nicht die Aufgabe von Partnerschaft sich Dinge aufzuteilen und sich gegenseitig zu unterstützen.

 

Die andere Seite

 

Natürlich ist es ein Privileg, dass wir uns das so einteilen können, klar. Aber das hat etwas mit unserem Leben und nicht mit der Rollenverteilung innerhalb der Familie zu tun. Wenn es mir schlecht geht und ich gerade manche Aufgaben nicht übernehmen kann, dann sollte es in einer Familie oder Partnerschaft doch normal und selbstverständlich sein, dass der Partner da ist und das entweder mit mir liegen lässt oder die nötigen Aufgaben wie zum Beispiel mit den Kindern rausgehen übernimmt, oder?

Wir läuft das denn bei euch?

 

 

Eure

wheelymum

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4 Kommentare

  1. Frau P

    Neue Kollegin: “Und Sie arbeiten heute den ganzen Tag? Schön, dass die Großeltern auch mal Zeit mit ihren Enkeln haben!”

    Meine Antwort:” Öhhh, Montag Nachmittag hat mein Mann immer die Kinder.”

    Neue Kollegin: “Alle 3? Respekt!”

    Hier ist 2021 auch noch nicht angekommen. Hab dann eine Diskussion zu Gleichberechtigung mit ihr geführt.

    Antworten
    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Danke. Ja, immer und immer wieder.

      Antworten
  2. Annina

    Als Frau mit Behinderung ist man ja für viele immer noch und wieder ein wandelndes Defizit.

    Mein Mann wird immer wieder “bedauert” oder “bewundert”, weil er mit so einer wie mir verheiratet ist. Hören die Leute dann, weil er es einfach sagt dass er mich schon so kennengelernt hat und es für ihn keine Rolle spielt, verstehen sie es nicht oder werden sogar beleidigend.

    Jeder hat für den anderen Verständnis…und Luzie bekommen wir irgendwie immer versorgt
    .

    Antworten
    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      <3

      Antworten

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