Eltern mit Behinderungen: Schwanger sein und Ängste – Sarah berichtet

Eltern mit Behinderungen

Ich liebe Social Media einfach. Warum? Weil es uns einen Blick in Welten ermöglicht, die für uns sonst vielleicht verschlossen blieben. Weil es helfen kann, neue Dinge zu entdecken, auszuprobieren und vor allen Dingen weil wir anderen zuhören und voneinander lernen können. Wir können uns gegenseitig unterstützen und unsere Ideen größer machen, als nur alleine zu Hause. Und wir sind nicht alleine. Egal ob Freude, Trauer, Schmerz, Verunsicherung, ausgelaugt sein oder bei Erschöpfung. ES sind immer Menschen da, die einen verstehen können.

Ich freue mich immer über Nachrichten in meinem Postfach. Manchmal sind dann auch Nachrichten dabei, wir die von Sarah. Sarah hat eine Behinderung und ist schwanger. Sie fühlte sich unsicher, wie wohl alle werdenden Eltern, hatte aber niemanden mit einem ähnlichen Hintergrund. So schrieb sie mir. Es einstand ein schöner Austausch und nun berichtet Sarah hier bei mir auf Wheelymum. Lest selbst: 

 

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Mein Name ist Sarah. Als ich durch einen Schlaganfall mit 25 von jetzt auf gleich halbseitig gelähmt war, habe ich nicht mehr daran geglaubt, dass ich jemals selbst das Glück haben werde Mama zu werden.

Ich konnte mich nicht einmal selbst im Bett drehen. Das ich körperliche Einschränkungen habe war mir neu, aber ich habe alles so angenommen wie es ist und täglich fleißig meine Therapie besucht und gemerkt wie gut sie mir tut. Das mein größter Traum von einer eigenen Familie nicht in Erfüllung gehen könnte war das für mich schmerzhafteste an der Krankheit. Meine beste Freundin, die soziale Arbeit studiert hat, hat immer daran geglaubt, dass ich auch dieses Glück noch erfahren darf, nur vielleicht etwas später und tatsächlich hatte sie recht.

Ganz ungeplant und trotz Verhütung hat sich eine kleine Seele auf den Weg zu mir gemacht. Nach dem positiven Schwangerschaftstest war ich am ganzen Körper am zittern und habe ununterbrochen vor Glück geweint. 2 Wochen später hatte ich den ersten Ultraschall Termin bei meinem super einfühlsamen Gynäkologen, der mir direkt gesagt hat, dass meine Einschränkung und meine chronische Krankheit (Diabetes Typ 1) nur beobachtet werden müssen, aber keine Gefahr für das Baby sind. Kurz danach hatte ich einen Termin bei meinem Neurologen, der sich genauso für mich gefreut hat und mich ab jetzt lediglich öfter sehen möchte um mein Blut zu kontrollieren, um sicher zu gehen, dass die Hormone nichts mit meiner Medikation anstellen.

Bei meinem Diabetologen und meiner Diabetesassistentin brauchte ich genauso nur mehr Termine um mich gut einzustellen, was ich als sehr angenehm wahrgenommen habe so viel medizinische Unterstützung zu erhalten. Meine engsten Freunde und meine Familie konnten sich ebenfalls für mich freuen.

Allerdings musste ich mir auch Sprüche wie „wenn du es wirklich bekommen willst“ oder „wie soll das gehen?“ anhören. Seitdem ich das erste mal das kleine Herzchen hab schlagen sehen war für mich klar dass ich nichts mehr möchte als dieses Würmchen.

Aufgrund meiner Vorerkrankungen hatte ich einen Termin in meiner Wunschklinik zur Pränataldiagnostik. Die Frauenärztin die die Untersuchung mit mir durchgeführt hat war ganz zauberhaft und nachdem sie direkt entdecken konnte, dass ein kleiner Junge in mir wohnt, hat sie mir erklärt, dass er sich das ganz genau so ausgesucht hat, wenn ich es nicht so geplant habe und dass sie sich ganz besonders freut mir sagen zu dürfen, dass der kleine wunderbar aussieht und sie keine Auffälligkeiten feststellen kann.

Meine Hebamme hat mir auch nur Mut gemacht, mir aber auch direkt gesagt, dass ich grade am Anfang auf jeden Fall Hilfe brauche und mich deshalb über einen Flyer zu einem Sozialdienst weiter geleitet, die mir helfen sollten die passende Hilfe für mich zu finden. Ich habe gedacht jetzt bekomme ich die Hilfe, die ich brauche und kann ganz entspannt den Rest meiner Schwangerschaft genießen.

Aber ab dem ersten Termin habe ich immerzu nur zu hören bekommen was es alles gibt, aber dass das eigentlich nicht das richtige für mich ist und dass es keine Einrichtungen für nur körperlich beeinträchtigte Frauen gibt und in einer Einrichtung mit geistigen Behinderungen würde ich nicht aufgenommen werden. Statt zu entspannen konnte ich nicht mehr schlafen, und habe versucht selbst heraus zu finden was es für mich geben könnte. Da meine Hebamme vor ein paar Jahren eine blinde Frau betreut hat, war mir klar, dass es noch mehr geben muss.

Dank Instagram bin ich dann auf Wheelymum gestoßen und sie hat mir innerhalb der ersten 2 Antworten so viel Angst nehmen und so viel Mut geben können indem sie mir von der Elternassistenz erzählt hat. Es lohnt sich also immer sich nicht mit irgendeiner nicht passenden Lösung zufrieden zu geben, sondern das bestmögliche für dich und deinen Bauchwunder zu suchen. Schließlich will jede Mama und jede werdende Mama nur das allerbeste für ihr Kind!

Sarah @sarahlwnherz

 

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Mehr zum Thema Elternassistenz, könnt ihr hier finden.

 

Eure

wheelymum

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3 Kommentare

  1. Lydia

    Es ist schade, dass noch zu wenig beratende Stellen über die Möglichkeiten der Teilhabe informiert sind.

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  2. ChrisNix

    Hahaha…schon die erste Zeile erstunken und erlogen. Liebe Grüße…Lennys Dad 🙂

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    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Was genau stört sich denn?

      Antworten

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