Dürfen Eltern mit Behinderungen Pflegeeltern werden?

Eltern mit Behinderungen

Die Blogreihe soll Möglichkeiten zum Austausch bieten und auch für eure Fragen offen sein. Heute möchte ich diese Blogreihe nutzen, um Öffentlichkeit zu schaffen. Öffentlichkeit für ein Tabuthema: Dürfen Eltern mit Behinderungen Pflegeeltern werden?  

 

Ich bekam eine Mail, die mich sehr schockierte. Eine Familie (die Frau hat eine Sprach – und Körperbehinderung) hatte einen Termin beim Jugendamt um sich über eine Pflegschaft zu informieren. Leider endete dies alles andere als gut. Denn bereits beim ersten Gespräch, wurde von Seiten der Mitarbeiterin es JA herausgestellt, dass dies nicht möglich sei.

 

Laut der Familie gab es noch nicht einmal eine richtige Prüfung.

Warum? Ist das eine reine Ermessensentscheidung?

Ich hatte bereits einmal – zu einem anderen Thema – Kontakt mit einem Anwalt und er machte mir wenig Hoffnung. „Bei dem Begriff Ermessensentscheidung ist keine Objektivität notwendig und eine Anfechtung so gut wie aussichtslos.“

 

Aber wie kann das sein? Was sind die Gründe?

 

In einem ersten Gespräch wurde die Familie bereits mit: „Wie stellen sie sich dass denn vor? Ich kann es nicht, begrüßt.

Es wird nicht erwartet, dass man sich alles gleich vorstellen kann. Vielleicht wäre es aber zumindest nötig gewesen, die Sicht des Paares zu hören. Diese wurde aber nicht angehört. Laut Jugendamt gehören zu einer Pflegschaft auch immer wieder Gerichtstermine. Diese und auch Treffen mit den leiblichen Eltern seien der Frau im Rollstuhl nicht zumutbar.

 

Und zum Wohl des Kindes ist es so, dass die Assistenz der behinderten Frau, die hilft, unterstützt und einfach mit da ist, zu viel für das Kind sei. Damit würde die Assistenz zur Bezugsperson werden und nicht die „eigentliche“ Pflegemutter. Kinder, die in Pflegschaft genommen werden müssen, haben häufig Bindungsprobleme und aus diesem Grund seien definitiv nur zwei Bezugspersonen möglich.

 

Es geht prinzipiell nur um die Zulassung zum Kurs

Ich verstehe die Einwände, kann den Umgang damit aber nicht nachvollziehen. Hier spricht ganz klar Unwissenheit und mangelndes Vorstellungsvermögen mit. Ein Pflegekind hatte es mit Sicherheit nicht einfach in seinem Leben. Und ja, nicht alle Pflegschaften funktionieren auch. Aber kann ich dies an der Menge der Bezugsperson festmachen? Wie ist es dann mit Krippe, Kindergarten oder Schule. Auch hier werden die Kinder aus ihrem Umfeld genommen und müssen neues Vertrauen aufbauen.

 

Vielleicht sind Eltern mit Behinderungen nicht die Wunschpflegeeltern. Ja. Vielleicht machen sie einiges anders als andere. Vielleicht herrschen hier starre Vorurteil und eingeschränkte Verhaltensmuster, in den Augen der Sachbearbeiter. Aber warum schaut man sich das ganze nicht einfach einmal in Ruhe an. Ermöglicht den Eltern die Teilnahme eines Vorbereitungskurses. Hier könnten auf beiden Seiten, Unsicherheiten werden und offene Fragen kommuniziert werden.

 

Denn, so haben es sie Eltern in einer Mail geschrieben:

Wir hatten keine Gelegenheit unsere Situation darzustellen. ….Wir hatten keine Chance.

Aus diesem Grund fühlen wir uns aufgrund meiner rein körperlichen Behinderung diskriminiert, wir möchten diesen Umstand jedoch pragmatisch aus der Welt schaffen und ersuchen um ein klärendes Gespräch mit Ihnen. Wir hoffen auf eine Lösung, mit der alle Beteiligten leben können.“


Nach über acht Wochen Wartezeit, bekam die Familie diese Antwort:

Pflegekinder, sind generell Kinder, die aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen und Pflegeeltern brauchen, die sie vorrangig selbst betreuen und nach außen hin vertreten können. Viele unserer Kinder haben zusätzlich zu ihrer problematischen Vergangenheit auch unsichere Bindungserfahrungen gemacht, sodass es ganz wichtig ist, dass für das Kind nicht mehr als 2 verlässliche und sich um das Kind sorgende Personen zuständig sein sollen.

Nach allen Überlegungen sind wir zu dem Schluss gekommen, dass aufgrund Ihrer persönlichen Situation eine Eignung als Pflegeeltern nicht möglich ist.

 

 

Eltern mit Behinderungen Pflegeeltern

Copyright: Andi Weiland | www.gesellschaftsbilder.de

 

Ist das diese Inklusion? Oder doch Diskriminierung?

Auf welcher Grundlage wird hier entschieden? (Es geht prinzipiell nur um die Zulassung zum Kurs )Nicht alle Pflegeeltern sind für alle Kinder geeignet. Das steht außer Frage. Aber wo bleibt die Beziehung und die Liebe?

 

wheelymum

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6 Kommentare

  1. Britta

    Ich bin selber chronisch Krank und sitze im Rolli.
    Unser Jugendamt hat aber keine Probleme damit mich mit Bereitschaftskindern zu belegen.
    Das war noch nie ein Problem.

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    1. Anonym

      Wien sieht es anders und meine Krankheit wurde nicht nachgefragt – das wäre in Österreich ein Ausschlussgrund, jedoch bin ich die Älteste (gibt Krankheit 7x in Ö und davon 6 Kinder) Null Erfahrung = kein Ausschlussgrund.

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    2. Anonym

      Würdest du uns evtl. einen Bericht zukommen lassen. Britta?

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  2. Lydiaswelt

    Ich werde nie”begreifen, warum diesen Enscheidungsträgern so viel Ermessenspilraum eingeräumt wird. Eltern mit Behinderung treten einfach viel zu wenig in Erscheinung. Als blinde Mutter wird mir regelmäßig unterstellt, daß mein Mann sehend ist. Nein, ist er nicht. Und wir werden auch nicht von einem ‘ Essen auf Rädern versorgt. Und Parenting ist bei uns auch kein Thema.

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  3. Rebekka

    Klarer Fall von hirnloser Diskriminierung!
    Toller Artikel…”deutscher Staat findet, dass Menschen mit Behinderungen keine guten Eltern sind”
    Das Jugendamt sollte sich seiner gesellschaftlichen Stellung bewusst sein und keine Behauptungen aufstellen, die jeder Asi in der Kneipe aufstellen könnte.
    Wenn ihr Rechtsschutzversichert seid würde ich direkt zu einem Anwalt gehen.

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    1. Anonym

      Das ist A/DE. Hamburg gibt es ein Paar. blind/im Rollstuhl. Nur ein Paar und jetzt Britta…

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