Blogreihe Eltern mit Behinderung: Schwangerschaft mit MS

Eltern mit Behinderungen

Multiple Sklerose – die Krankheit mit den 1000 Gesichtern. Jeder Verlauf ist individuell und anders. Bei niemandem ist es gleich. Einige spannende Blog habe ich dazu zum Welt MS Tag, zusammengeschrieben. Vor ein paar Wochen kam der Beitrag, der Mama, die offen sagte; Wenn ich die Diagnose vorher erhalten hätte, gäbe es mein Kind nicht. Es kann aber auch ganz anders gehen – 1000 Gesichter, 1000 Wege. Über Instagram habe ich Justine Marie kennen gelernt. Auch sie hat MS und sie ist gerade schwanger. Nun hat sie mir ein paar Fragen beantwortet, viel Spaß damit.

 

 

Hallo, mein Name ist Justine Marie, ich bin 23 Jahre alt, seit fast einem Jahr verheiratet und im Herbst erwarte ich mein erstes Kind. 🙂

Seit wann hast du denn deine Diagnose MS – wie kam diese zu Stande und wie ging es dir damit? 

Ich bin am 25. Juli 2019 mit der Diagnose MS aus dem Krankenhaus entlassen worden. Angefangen hat alles ein paar Tage vorher. Ich bin morgens aufgewacht und konnte auf meinem linken Auge nur noch wenig sehen. Beim Augenarzt konnte man nichts feststellen und somit bin ich dann in die Notaufnahme der Augenklinik gekommen, wo man aber auch nichts feststellen konnte. Von da aus ging es dann in die Notaufnahme der Neurologie, wo ich dann nach einer fehlgeschlagenen Nervenwasserentnahme stationär aufgenommen wurde. Nach ein paar Tests und einem MRT vom Schädel wurde dann festgestellt, dass ich MS habe.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich von Anfang an versucht habe positiv damit umzugehen. In der allerersten Sekunde war es ein Schock für mich, doch das hat sich schnell wieder gelegt. Ich habe mich über die Krankheit informiert und habe dann auch zwei Monate später mit einer Eskalationstherapie begonnen, die ich aber aktuell aufgrund meiner Schwangerschaft pausiere. Ich habe auch nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, wie es wäre gesund zu sein, oder es mir gewünscht. Auch falls ich einmal im Rollstuhl sitzen müsste, würde ich trotzdem versuchen, das Beste daraus zu machen und das ganze positiv zu sehen. Ich bin viel stärker als die MS und ich lasse mir davon nicht meine Lebensfreude und Lebensqualität nehmen, egal, wie schwer es auch werden mag. 🙂

Nun erwartet ihr eure erstes Kind. Herzlichen Glückwunsch. 

Tatsächlich hat meine Krankheit bei der Entscheidung für die Schwangerschaft  nur eine kleine Rolle gespielt.  Ich wusste vor der Diagnose schon, dass ich gerne einmal Kinder haben möchte. Nach der Diagnose hab ich mich gefragt, worauf ich denn eigentlich noch warte. Auf den perfekten Moment, um ein Kind zu bekommen? Es gibt nie den perfekten Moment und deshalb war uns klar, dass wir nicht mehr länger warten möchten. Ich habe einen wundervollen Ehemann und eine tolle Familie, die mich unterstützt und die mir hilft. 🙂

Bildrechte privat

Wie geht es dir aktuell, wie erlebst du die Schwangerschaft?

Mir geht es aktuell sehr gut. Ich bin so unendlich dankbar, dass ich diese magische Zeit erleben darf und in mir ein kleines Lebewesen heranwächst. Bis auf kleinere Wehwehchen versuche ich die Schwangerschaft in vollen Zügen zu genießen und jede Bewegung von unserem kleinen Schatz macht mich einfach unfassbar glücklich und stolz. Ich freue mich auf all das, was noch kommt und darauf unseren kleinen Mann endlich kennenlernen zu können und zu sehen, wie er aufwächst. 🙂

Machst du dir Gedanken oder vielleicht auch Sorgen um eure Zukunft? 

Natürlich, ich glaube es gibt wenige Menschen, die sich da keine Gedanken machen. Klar überlege ich oft, ob ich dem Kleinen alles bieten kann, was er braucht. Ich bin seit meinem gescheiterten Abitur 2016 anfänglich aufgrund von Depressionen und jetzt aufgrund der MS arbeitsunfähig geschrieben und da frage ich mich schon manchmal, ob ich trotzdem eine gute Mutter sein kann. Aber dann fällt mir wieder ein, dass das für mich persönlich nicht das Wichtigste ist und nur, weil man normalerweise in meinem Alter einen Job hat und arbeiten geht, heißt das ja nicht, dass ich eine schlechte Mutter werde und dem Kind nichts bieten kann. Ich persönlich finde so Sachen, wie Liebe, Zuneigung und Geborgenheit wichtiger als materielle Dinge. Ich möchte damit aber nicht sagen, dass ein Job nicht wichtig ist. 🙂

Wie haben denn deine Umwelt und deine Ärzte reagiert?

Also sowohl meine Ärzte, als auch meine Umwelt haben da grösstenteils positiv reagiert. Klar gab es einige, die meinten, ich wäre noch etwas zu jung und ich solle doch noch was warten, oder erstmal eine Ausbildung anfangen, aber ganz viele haben sich für uns gefreut und finden, dass wir gute Eltern werden. 🙂

Ihr werdet eine wundervolle Familie sein, ich wünsche euch von Herzen alles, alles Liebe.
Vielen lieben Dank. 🙂

 

 

Ich freue mich immer, wenn auch ihr mir schreibt, wie es euch geht, was euch beschäftigt, was gut läuft, wo ihr vielleicht Hilfe oder Unterstützung brauchen würdet. Oder natürlich auch, was euch Angst macht oder wo es Hemmschwellen gibt.

Nur gemeinsam können wir Vielfalt zeigen.

Wenn auch du in der Blogreihe: Eltern mit Behinderungen oder chronischer Krankheit teilnehmen möchtest, schreibe mir gerne eine Mail an

wheelymum08@web.de

 

Eure

wheelymum

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