Adventskalender 2019: 1. Dezember Drachen im Dezember

In diesem Jahr möchte ich einen kleinen Adventskalender mit euch machen. Ja mit euch und nicht nur für euch. Ein Adventskalender mit Geschichten, Impulsen, Gedanken. Mit Bildern und natürlich auch dem ein oder anderen Geschenk. Aber es geht nicht darum zu konsumieren, sondern vielmehr darum, zu sein. Ein paar Figuren werden uns auf dem Weg zu Weihnachten begleiten. Ich freue mich so sehr auf diese Zeit, dass ich  heute mit einer kleinen Geschichte beginnen möchte. Vielleicht kann diese Geschichte auch mehr sein, als eine Geschichte. Eine Erzählung. Vielleicht kann sie ein Ritual werden, für uns, für dich oder sonst irgend jemand:

Ein Vorweihnachtsbrauch

 

Hinter den Weiden liegt abseits ein Hof, der Articus-Hof mit großer Hektarfläche. In der Vorweihnachtszeit steigt dort Jahr um Jahr ein Drachen auf. Er ackert sich in den Himmel hinein, zieht Kreise und klettert den Schneewolken entgegen. “Mitten im Winter, verrückte Bauern hier im Norden”, war meine Reaktion, als ich ihn hoch am Himmel sah.

Jahre später, wieder Dezember und wieder steigt ein Drachen. Durch Zufall nur kurz gesehen, dann schon im Nebel verschwunden. Ich komme an dem Hof vorbei, die ganze Familie steht draußen und dazu etliche Leute in Mänteln mit wehenden Schals. Ein Korb mit Gebäck geht herum, eine Flasche kreist, für Momente geben jagende Nebelschwaden den roten Himmelsstürmer frei und schon ist er wieder entwischt. Nur die Schnur ist zu sehen, wie ein Draht steht sie fest nach oben gerichtet.

Dann passiert etwas, und ich kann es nicht nachvollziehen. Ein Mann bekommt ein Messer gereicht, er zerschneidet die Schnur und keiner versucht es zu verhindern. Mit einem lauten Knall ist die Leine getrennt und der Drachen zieht mit einem Ruck himmelwärts. Das Lachen der Gruppe und mein fragendes Gesicht bleiben zurück. Der Mann klärt mich auf: “Solange wir uns erinnern können, treffen wir uns hier in der Vorweihnachtszeit, danken Gott für Ernte, Gesundheit und Frieden. Während der Drachen steigt, schweigen wir und jeder lässt mit ein paar Metern Schnur seine Sorgen, Verluste, Ängste oder auch nur bösen Träume ziehen. Wenn jeder von uns die Schnur in den Händen hatte, dann wird der Drachen gekappt – und der Wind trägt ihn fort. Dann kann für uns die Weihnachtszeit beginnen.

Von Peter Fitzner

wheelymum

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1 Kommentar

  1. Barbara

    Oh ist die schön

    Antworten

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