Über Langeweile und Heimeligkeit die Vorrausschau braucht – ein wenig Gedanken- wirr – warr für lange Adventstage

Oh, Mama… kenne ich schon. Das ist langweilig, sagt (das ist der freundliche Ausdruck) Junior zu mir. Mit seinen acht Jahren und der Vorpupertät befindet er sich gerade zwischen den Welten. Zischen dem Cool sein und ich bin Erwachsen und weiß alles und der Welt in der er sich im Spiel verliert, immer noch gerne kuschelt und auch kleine Momente ihm ein Funkeln in die Augen zaubern. Er will an das magische und den Zauber der Weihnachtszeit glauben, und weiß doch gleichzeitig, dass es auf der Vorstellungskraft beruht. Ganz anders ist das beim Januarwunder. Er kann nicht genug vom immer gleichen Bilderbuch bekommen und ruft auch nach dem 5 x Memory freudig: Können wir nochmal spielen. Da fällt es mir schwer, ein genervtes: „Oh nein, nicht schon wieder“ zu unterdrücken.

Kinder im Kindergartenalter können uns lehren: Wenn sich etwas wiederholt, dann muss das noch lange nicht langweilig sein. Kinder lieben feste Rituale und ich als Erwachsene, wenn ich ehrlich bin, auch.

Wie geht es euch: Denkt ihr manchmal: Alle Jahre wieder Adventszeit, wie langweilig? Während meiner Ausbildung durfte ich ein interessantes Gespräch über die Vorbereitung Adventszeit mit anhören:

Zwei Erzieherinnen überlegten, wie man bestimmte Dinge für die Adventszeit im Kindergarten gestaltet. Die junge Erzieherin hatte eine vielzahl an Büchern, Ideen und Skripten dabei, die als Grundlage dienen sollten.

Es wurden ein paar Ideen daraus aufgegriffen. Danach ging es um eine Festgestaltung und die Idee der älteren Fachkraft wurde mit den Worten: Aber das hatten wir doch vor 2 Jahren schon, zunächst zurück gewiesen. Daraufhin sagte diese:

Aber nur weil wir und die Kinder es schon kennen, muss es nicht schlecht sein. Die Kinder die das Stück schon kennen, waren damals 3 oder 4 Jahre, heute sind sie 5 oder 6. Sie lernen das selbe wieder Neu und anders kennen.“

Dieser Satz hat sich bei mir eingebrannt. Die selben Dinge können gleich sein und doch unterschiedlich wahrgenommen werden. Ich muss nicht immer wieder alles neu erfinden. Es muss nicht langweilig sein, nur weil es bekannt ist.

Je älter ich werde, umso mehr merke ich, wie sehr solche festen Rituale mein Leben bereichern. Es leuchten am 1, Advent eben noch nicht alle Kerzen. Warten und dabei beharrlich an etwas dran bleiben, das gehört für mich zur Freude eben auch dazu. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mich weiterbringt, wenn ich mich auf Wiederholungen immer wieder neu einlasse. Damit meine ich nicht nur jährliche Rituale, sondern auch tägliche Übungen. Und genau das fällt mir besonders schwer. Dabei bleibt es eine Herausforderung für mich, die Zeiten auszuhalten, in denen scheinbar nichts passiert. Aber gerade die bilden oft das Fundament, auf dem etwas Neues entstehen kann. So wie im Moment in der Natur um uns herum scheinbar alles auf Stillstand steht, bereitet sich doch alles im Geheimen auf einen neuen Frühling vor.

Wir dürfen der Langeweile oder den Phasen, wo sich scheinbar gar nicht viel tut, ruhig etwas zutrauen! Um uns herum aber auch bei uns selbst. Mir scheint, dass es gar nicht so bekömmlich für uns ist, wenn wir zu jeder Zeit auf alles zugreifen können.

Eine lange Weile Zeit.

Eine lange Weile Zeit haben, um daraus neues Entstehen zu lassen.

Gerade in der Adventszeit häufen sich doch immer mehr die Termine. Gerne fallen auch Krankheiten oder Schicksalschläge in diese Zeit zumindest mehr auf. Das Wetter ist oft ungemütlich und hässlich. Die lange Weile Zeit ist auf der einen Seite in der Vorfreude zu spüren, auf der anderen Seite ist sie eher mit Druck behaftet.

Ich möchte hier nicht noch mehr in Stress verfallen und zu schauen, was ich oder wir als Familie tun können, um die schlechte Laune oder die Anspannung nicht zu groß werden lassen. In den Jahren als Mama habe ich gespürt, dass ich es mit steuern kann, wie wir diese Zeit verbringen. Auch wie wir die Langeweile aushalten.

Es geht nicht darum, dass dies meine Verantwortung ist und der Rest der Familie sich bedienen lässt. Bei weitem nicht. Wenn wir aber vom Spaziergang in die dunkle, kalte Wohnung kommen, die Kinder frieren und eigentlich Hunger haben, verfalle ich in Stress und Hektik. Ich werde vielleicht auch lauter und bin völlig genervt. Der schöne und besinnliche Spaziergang ist in null komma nichts zu nichte.

Stück für Stück habe ich aber gemeinsam mit meiner Familie gelernt, dass nicht viel nötig ist um das zu ändern. Vielleicht können wir die Suppe oder den Punsch schon vor dem Spaziergang kochen und dann den Herd aufstellen, wenn wir gehen. Er ist beim nach Hause kommen, vielleicht noch warm, oder kann auf jeden Fall schnell erwärmt werden. In der Zwischenzeit hüllt der Duft die Wohnung ein. Kerzen stehen bereit und die Streichhölzer liegen neben dem Eingang, so kann man es ohne Aufwand gleich gemütlich machen, wenn wir von draußen herein kommen. Eine Laterne leuchtet vor der Haustüre und nimmt uns in Empfang.

Es gibt bestimmt viele dieser kleinen Dinge, die ein heimeliges Gefühl in uns auslösen und mit denen wir in ausgedehnten und dunklen Adventstage viele lange Weilen erleben, aus denen etwas Neues geboren werden kann.

 

Eure 

wheelymum

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1 Kommentar

  1. Anne von Leben eben

    Das muss ich mir merken, diesen schlauen, bemerkenswerten Satz der Erzieherin, wenn mir mal wieder ein Kind erzählt, dass es die Weihnachtsgeschichte ja schon so gut kennt.
    Liebe Grüße
    Anne

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