Kinder (fach) Buch zum Umgang mit Suizid

Bei Familie Maus leben drei Kinder mit Mama und Papa Maus zusammen. Zu Beginn scheint alles nach einer Familie auszusehen wie man sie aus vielen berichten kennt. Alles scheint normal und geordnet zu sein. Doch Mama Maus wird krank. Die Krankheit kann man nicht sehen oder messen, sie ist eher wie eine dunkle Wolke die immer wieder über ihr schwebt. Zuerst kam sie alleine und ganz langsam, doch es wurden immer mehr und immer schneller, so dass Mama Maus irgendwann im dunkeln stand- Niemand außer ihr sah diese Wolke und es ging ihr immer schlechter. Das spürten alle und auch der Alltag veränderte sich. Mama Maus ging in ein Krankenhaus und tatsächlich konnte ihr dort geholfen werden, Die dunkle Wolke war nur noch ganz klein und die Sonnenstrahlen konnten Mama Maus wieder erreichen. Sie kam nach Hause zurück und alles war wie früher. Mit der Zeit kam die dunkle Wolke aber wieder und Mama Maus wollte ihre Familie nicht enttäuschen. Also machte sie weiter wie immer und sprach nicht über die dunklen Wolken und ihre Traurigkeit. Sie hatte das Gefühl versagt zu haben und wollte deswegen auch unter keinen Umständen zurück ins Krankenhaus. Sie wollte aber auch diese dunkeln Wolken loswerden und sich wieder frei fühlen. So überlegte sie lange, bis ihr einfiel, dass ihr die Katze helfen würde. Denn so traurig will sie nicht weiterleben und sie möchte auch niemand anderen mehr zur Last fallen oder sie enttäuschen.

„Mama Maus konnte wegen der Dunkelwolkenkrankheit nicht klar denken. Sie bedachte nicht, dass sie ihre Familie sehr, sehr traurig machen würde, wenn sie nicht mehr lebte… Das ist typisch für die Dunkelwolkenkrankheit, dass man nicht mehr richtig denken kann.“

Mama Maus fühlte sich aber viel freier und erleichtert, nachdem sie die Entscheidung getroffen hatte, dass die Katze sie fressen soll. Sie erzählte niemandem davon und fühlte sich richtig glücklich. Ein paar Tage später war es dann soweit. Ein Schlag der Katze und Mama Maus war tot.

Die Mäusepolizei kam um der Familie zu erklären, dass Mama Maus tot sei. Durch den Schlag der Katze sei es nicht möglich, sie nochmal zu sehen. Die Familie verstand nicht was geschehen war und musste doch gleichzeitig die Beerdigung vorbereiten. Dazu malten sie Bildern suchen Dinge aus, die sie ihr mit ins Grab geben möchten und besorgten ihre Lieblingsblumen.

Die ganze Familie suchte nach einer Erklärung oder einem Abschiedsbrief. Aber sie fanden nichts. Papa Maus und die Kinder sprachen immer wieder miteinander über Mama Maus und jeder auch mit seinen Freunden, denn das waren nochmal ganz andere und sehr wichtige Gespräche. Mit der Zeit lernten alle, dass nicht die unbeantworteten Fragen wichtig waren, sondern die Erinnerungen an die schönen Momente. Das war gar nicht so einfach. Alle merkten aber das es traurige Momente und schöne Momente gab. Papa Maus ging jeden Tag zum Friedhof und alle hatten Ärzt:innen und Therapeut:innen die immer wieder mit ihnen sprachen und die Schwarzwolkenkrankheit immer und immer wieder erklärten und dadurch eben auch, dass niemand Schuld daran hat. Die Mäusekinder kümmerten sich nun um Mamas Blumenbeet dass sie so geliebt hat. Dadurch konnten sie immer wieder an Mama Maus denken und es gab auch gute Zeiten an denen sie an Mama Maus dachten. Die Trauer wird weniger, aber die Liebe, die Liebe bleibt

 

Im zweiten Teil des Buches gibt es Tipps von einem Mäusekind, wie es mit ihm und der Familie weiterging, nachdem Mama Maus schon einige Zeit tot war. Damit beginnt der Teil des Buches in dem die Kinder selbst aktiv werden können. Sie erzählen den Mäusekindern von der Person aus ihrem Umfeld, die sich suizidiert hat. Hier fällt dann auch der Begriff: Depression. Es wird eine Trauergruppe empfohlen und die Maus erzählt, was sie dort alles machen. Dazu findet man über einen QR Code auch noch eine Menge Zusatzmaterial. Die Angst vor der Vererbung der Krankheit und eine Trauerbegleitung in Form von einer Psychotherapie werden genau angesprochen und erklärt ebenso wie die besonderen Tage: Geburtstag, Weihnachte, Todestag usw.

Die Maus erklärt den Kindern nochmal dass man auch Freude haben darf und es kein richtig oder falsch in der Trauer gibt.

Der dritte Teil des Buches richtet sich an Erwachsene. Neben theoretischem Hintergrundwissen findet man hier aber auch Hilfestellungen in Form von Adressen und Gesprächstipps. Es gibt mehrere Tabellen mit möglichen Kinderfragen und evtl. möglichen Ideen zur ehrlichen Antwort. Diese können zwar nicht 1:1 umgesetzt werden, dienen aber vielleicht als Richtlinie, wenn man Angst hat, keine Antworten zu haben. Mit dabei sind auch mögliche Erklärungen für unterschiedliche Suizid formen.

Welche Rituale können helfen, was kann zum Beispiel bei der Trauerfeier mit bedacht werden und vieles mehr. Manche Gedanken stehen in einem direkten Zusammenhang zum frisch eingetreten Tod, andere können auch noch viel später hilfreiche Tipps sein, wie z.B. An wann braucht es professionelle Hilfe oder nützliche Internetadressen.

Mit diesem Buch íst ein unsagbar trauriges und wichtiges Thema endlich auch für Kinder in der Literatur angekommen. Ich finde das unsagbar wichtig. Es hilft allen, das nicht verstehbare etwas in Form zu rücken. Kein Tabu daraus zu machen, sondern einen Umgang damit zu finden. Die Geschichte trifft den Nagel auf den Kopf, lediglich, dass die Mäusepolizei es nicht erlaubt hat, Mama Maus nochmals zu sehen, bemängle ich stark. Denn es gibt kein Verbot seine Verstorbenen nochmal zu sehen. Hier würde ich immer mit dem Bestattungsinstitut direkt Rücksprache halten.

wheelymum

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