Hochwasser und Flutkatastrophe – was ist mit Menschen mit Behinderungen ?

Die Folgen des Hochwassers und der Flutkatastrophe sind enorm.

Neben vielen. Vielen anderen Menschen sind auch 12 Menschen mit Behinderung gestorben. (Hier kommt ihr zum Beitrag) Sie sind tot, weil man sie nicht rechtzeitig evakuiert hat. Man hätte das vorsorglich tun können, was nicht geschah. In der Nacht selbst war es auf Grund einer Nachtwache schlichtweg nicht möglich, alle Bewohner zu retten.

Wohnheime für Menschen mit Behinderungen werden immer noch als Schutzräume bezeichnet. Diese Naturkatastrophe zeigt aber wieder einmal mehr, wie wenig Menschen mit Behinderungen geschützt werden. Denn diese Menschen sind tot. Gestorben. Ertrunken.

Ich weiß, dass es noch viele weitere Todesopfer gab und auch immer noch Vermisste gibt. Mein Herz ist schwer. Es tut weh.

Und doch sind es wieder struktuelle Probleme die hier ans Tageslicht kommen, die wir als Gesellschaft aber gar nicht sehen (wollen). Eine Nachtschicht für über 30 Personen. Wie soll diese Person alle evakuieren können? Das ist schlichtweg nicht machbar. Aber es muss ja am Personal gespart werden. Über die Richtlinien könnt ihr hier mehr nachlesen.

Wo sind die Evakuierungspläne für Menschen mit Behinderungen?

Wie werden sie geschützt? Ich hatte während meiner Zeit in der Klinik, einmal den Gedanken, wie man mich hier aus holen würde, weil ein Mann auf dem Flur laut herum geschrien und das Personal bedroht hat, bis er von der Polizei abgeführt wurde. Als ich danach nachfragte, wie eine (in weiter Ferne) Evakuierung funktioniret hätte, konnte mir niemand etwas zu mir und dem Rollstuhl sagen. Das war erschreckend und machte mir Angst. 

 

Die nächste Frage war erneut: Wie verlief dieses Mal die Berichterstattung? Ableismus lässt grüßen. Schon wieder. In Berichten der Medien aber auch auf Social Media. Aktivist:innen, welche darauf aufmerksam gemacht haben, wurden beschimpft. Gleichzeitig macht das alles so viel mit einem. Warum sollten diese Bewohner erlöst sein? Sie sind ertrunken. 

 

 

Und jetzt?

Was ist mit den Überlebenden?

Ich habe Nachrichten erhalten, dass Familien mit Mitgliedern mit Behinderungen nicht wissen wo sie unterkommen sollen.

Was ist mit Hilfsmitteln und Pflegehilfsmitteln, die vor Ort gebraucht werden?

Auf Ability Watch gibt eine Zusammenstellung für genau solche Unterstützung. Jedoch wird man neben Sach – und Geldspenden noch so viel mehr brauchen. Die Hilfsmittelversorgung in Deutschland ist leider ein Kampf. Wenn ich mir jetzt vorstelle, wie sich die Betroffenen fühlen, ohne all diese Dinge und wie lange es dauern wird, bis sie wieder eine einigermaßen gute Ausstattung haben, läuft es mir kalt den Rücken hinunter.

Neben Spenden an die von ARD und ZDF empfohlenen Organisationen, wäre es schön, wenn Menschen ein offenes Ohr für die Betroffenen haben, die Hab und Gut ganz oder teilweise verloren vor der Herausforderung stehen, ihren Alltag völlig neu vielleicht auch in einer fremden Umgebung mit unbekannten Abläufen organisieren zu müssen.

Im Rheinland sind auch mehrere Pflegeheime für Senioren und Menschen mit Behinderung nicht mehr bewohnbar, so dass jetzt Wohnraum für die Heimbewohner gesucht wird.

Viele Menschen mit Behinderung egal ob jung oder alt, werden in dieser Situation mit ihrer eigenen Hilflosigkeit konfrontiert und erleben Situation sicher noch einmal ein Stück belastender als es für alle anderen sowieso schon ist.

Die damit verbundenen Ängste und Verunsicherung sich von der Seele zu reden zu können und zu wissen, dass jemand zuhört oder sich durchliest und auch antwortet ist da sehr hilfreich.

Diese Kämpfe die alle Menschen in den Gebieten jetzt führen müssen. Nach dem Schock kommt das Verstehen und die Tränen. Und danach hoffentlich so wenig Kämpfe wie möglich, sondern Hilfsbereitschaft und Solidarität. In allen Bereichen.

Lasst uns ein Teil davon sein.

 

 

 

Eure

wheelymum

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2 Kommentare

  1. Alexandra

    Vielen Dank. Dieser Beitrag hat mir sehr geholfen, die Dinge im richtigen Licht zu sehen. Wenn etwas Schlimmes passiert, möchte man gern einen Schuldigen finden, wie etwa die Leitung des Pflegeheims oder die betreuenden Personen. Aber es stimmt, im Pflegeheim – wie im Krankenhaus – kranke oder behinderte Menschen, benötigen mehr als 1/12 oder 1/20 Pflegeperson. Es sollte eine Nachtwache nicht mehr als 6 Personen betreuen müssen, je nach Behinderung nicht mehr als eine Person.

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    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Ja, ich hatte diese Gefühle auch. Aber es ist wie so oft, wenn das System kapputt gespart wurde, ist die Belastung für einzelne zu groß und dann ist das Ausmaß der Katastrophen um so größer. Das muss sich ändern

      Antworten

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