Eltern mit Behinderungen: Über Elternassitenz und einen Kampf

Eltern mit Behinderungen

Heute habe ich einen ganz wichtigen Gastbeitrag zum Thema Elternassistenz. Denn es ist so unsagbar schwierig und teilweise auch unvorstellbar was manche Eltern hier erleben müssen. Diese Beiträge sollen euch keine Angst machen, sondern Mut. Mut für euch zu kämpfen und für eure Rechte einzustehen. Es ist ein ganz persönlicher Text und ich bin so dankbar, dass ich diesen hier teilen darf.

Hallo liebe Wheelymum,

schon seit langen will ich dir einen Text schreiben, aber auf Fragen zu antworten hemmt meine Ausdruckskraft und oft taten mir die Hände zu weh um einen langen Text zu schreiben. Da ich Angst vor Konsequenzen für meine Familie habe veröffentliche ich diesen Text nicht auf meinem eigenen Blog und möchte anonym bleiben.
Als ich schwanger wurde, hatte ich von der Uniklinik eine Psychologin, die auf Besonderheiten bei Kinderwunsch und Schwangerschaft spezialisiert ist.
Sie sagte mir damals, egal ob ich mich von meinem Partner trennen würde oder selber zu wenig Assistenten hätte der deutsche Staat mit seinen verschiedenen Institutionen wie auch das Jugendamt würden mich immer unterstützten und alles dafür tun das mein Kind bei mir aufwachsen kann.

Spoiler: das war nicht der Fall. Ich beantragte im 4ten Schwangerschaftsmonat Elternassistenz. Für mich war klar, dass ich das recht darauf habe unabhängig von meinem Partner Zeit mit meinem Kind zu verbringen. Ich habe zwar selber Assistenten, aber wenn diese das Kind auf dem Arm hätten und ich selber falle zum Beispiel um, sollen sie dann das Kind oder mich fallen lassen? Das geht ja nicht, dachte ich.

Tatsächlich wurde mein Antrag für die Elternassistenz von einer Dame Anfang 20 bearbeitet die erst vor kurzem ihre Ausbildung beendet hatte und keine Ahnung von Assistenz hatte. Das Problem war jedoch, sie wollte auch keine Ahnung haben. Erst versuchte ich ihr das Modell der Assistenz zu erklären und darzulegen, weshalb das nicht einfach meine vorhandenen Assistenten machen könnten. Nachdem das auf taube Ohren stoß versuchte mein Assistenzdienst es ihr zu erklären. Anstatt das es besser wurde, wurde es schlimmer:

sie verdrehte uns die Worte im Mund.
Auf einmal hieß es ,es müsste ein Fallgespräch her; hintenrum erfuhr ich dann, das dabei eine Sozialarbeiterin und ein Herr vom Jugendamt kommen sollten. Da es ewig gedauert hatte, bis mein Antrag überhaupt mal bearbeitet wurde; war ich mitlerweile hoch schwanger und es war Corona.

Ich weigerte mich 3 fremde Leute in mein Haus zu lassen und mich selbst (durch Corona) und mein Kind (durch den Stress) in Gefahr zu bringen.

Daraufhin behauptete das Jugendamt ich würde meine Mitwirkungspflicht nicht wahrnehmen und wenn mein Mann nicht in Elternzeit gehen würde, um sich um das Kind zu kümmern würden sie es mir noch im Krankenhaus weg nehmen.

Auch wenn ich wusste, dass das nicht so einfach geht und ich im Recht war, war es mir doch alles zu anstrengend und aufwühlend. Also ging mein Mann in Elternzeit und das Jugendamt gab Ruhe.
Den Antrag auf Elternassistenz gab ich aber nicht auf. Auch als er von besagter Dame aus völlig utopischen Gründen (die mich eher an ihrem Verstand als an meinen Fähigkeiten zweifeln ließen) abgelehnt wurde. Sogar eine Dame, die bei einer Beratungsstelle arbeitet und laut eigener Aussage das Gesetz für die Elternassistenz auf den Weg gebracht hat, sagte mir, das es aussichtslos wäre solange ich nicht alleinerziehend bin, gab ich nicht auf.

Ich legte Widerspruch ein, bekam nochmal eine Email von der Sozialamtdame die absolut unter der Gürtellinie war.

Ich gewann trotzdem.

Denn der Widerspruch darf nicht von der selben Person bearbeitet werden, wie der ursprüngliche Antrag. Somit war es dieses mal jemand der mitdenken und Gesetze lesen konnte.

Trotzdem würde ich die Dame am liebsten wegen Diskriminierung zur Rechenschaft ziehen. Nur habe ich davor zuviel Angst und mittlerweile auch nicht mehr die Kraft. Wenn mein Baby 1 Jahr alt wird muss ich einen neuen Antrag stellen und mein Mann muss wieder arbeiten, davor graut es mir jetzt schon.

 

♥ ♥ ♥

Ihr merkt, es ist alles andere als einfach und auch wenn sich bei dem Rhema Elternassistenz in den letzten Jahren viel getan hat, so bleibt auch immer noch viel zu tun. Aufklärungsarbeit zu leisten und auch in den Behörden muss sich hier noch einiges ändern. Denn das ist nur die erste von vielen Hürden. Denn eine passende Assistenz zu finden, die auch zur Familie passt, das ist nochmals ein ganz anders Thema.

 

Eure

wheelymum

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1 Kommentar

  1. Lydiaswelt

    Hier hilft nur noch an die Öffentlichkeit zu gehen.

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