Eltern mit Behinderungen: Elternassitenz – ein Teil unserer Familie

Eltern mit Behinderungen

Eine häufige Frage an mich ist, wie es denn mit der Elternassitenz so abläuft. In den nächsten Jahren wird sich hier in Deutschalnd einiges ändern, was die Beantragung und Finanzierung angeht. Dazu dann aber mehr, wenn es sowiet ist. Was sich nicht ändert, ist dass die Person, welche die Elternassitenz übernimmt, einen Großteil des Familienalltags miterlebt und teilweise auch mitgestaltet. Sie ist ein Teil der Familie. Wie das genau aussehen kann, dazu hat Corinna uns einen ganz privaten Einblick ermöglicht. (Corinna und ihre Familie leben in Österreich, hier ist die Fiannazierung etwas anders, aber darum geht es in diesem Beitrag gar nicht. Vielleicht kennt ihr sie auch schon aus diesem Gastbeitrag hier.

 

Ein Teil unserer Familie – Elternassistenz
Wir haben Assistenten immer mehr wie Freunde behandelt, wobei viele Freunde blieben. Die Frage, wie wir Assistenten und Freunde vor dem Baby nennen sollten. Wir entschieden uns für Tanten und Onkels. Unser Sohn würde wie in einer großen Familie aufwachsen und dürfte es auch so sagen. Tante oder Onkel.
Wir haben es ab der Geburt ab und zu gesagt und Assistenten und Freunde haben es teilweise nach und nach übernommen.
Nach der Geburt zuhause haben wir den Assistenten gezeigt wie man wickelt und die Flasche gibt. Um ehrlich zu sein gab es in den ersten Monaten wenig Anderes, als dass das Baby schlief oder die zwei Sachen waren zu tun.
Das Problem in der Schwangerschaft war unter anderem, dass wir nur wenige Assistenten gefunden haben, die sich zugetraut hätten Elternassistenz zu sein. Dadurch entstand eine starke Unterversorgung in dieser für uns sehr anstrengenden Zeit.
Familienmitglieder standen uns zur Seite und so konnten wir wenigstens einen Teil kompensieren. Nach der Geburt änderte sich das: als unser Füchschen da war, zum Angreifen sozusagen, fanden wir rasch einige gute, verlässliche Assistentinnen. Vor der Schwangerschaft hatten wir hauptsächlich Studentinnen um die 20 bis 25 Jahre.
Jetzt ist der Altersschnitt bei 35 bis 40, wobei einige auch selber schon Kinder haben. Das war für uns auch insofern eine Hilfe, dass wir
wertvolle Tipps von verschiedenen Eltern erhielten. Die Assistenten haben unseren Sohn bis zu einem Jahr mit dem Tuch und der
Trage getragen und danach im Kinderwagen geschoben. Sie haben ihn wie wir, die Eltern, am Leib getragen. Mittlerweile kann er gehen. Wir waren bis zu dreizehn Bezugspersonen mit meiner Familie und den Paten, davon sechs Assistenten.
Wir haben Rituale, Angewohnheiten, Essen, Lieder etc. in Listen geführt, was immer weniger wird weil nicht mehr jeder alles geplant tun muss. Unser Sohn wird immer selbstständiger und somit reduziert sich langsam auch der Aufwand im Alltag. Unsere Assistenten kümmern sich zu einem gewissen Grad so um das Füchschen, wie wir es vorgeben und zum anderen so wie sie es für richtig halten.
Jeder hat seine Stärken und unser Kind profitiert vom Leben in der Großfamilie, auch wenn es nicht immer leicht ist: ein verwöhntes Einzelkind wird er niemals sein. Er hat seinen Platz in der Familie. Der Vorteil der großen Familie ist die Vielfalt der Vorbilder. Ich bin überzeugt davon, dass unser Sohn deshalb mehr kommuniziert und selbstständiger ist.
Manche Assistenten tragen regelmäßig Sachen mit sich wie Ketten, Gitarre, Brillen usw.. Das Kind will das haben zum Spielen. Es ist eine individuelle Beruhigungstaktik und er identifiziert sich mit jedem Einzelnen über seine Persönlichkeit und solche Merkmale.
In der Nacht schlafen Assistenz und Kind im Kinderzimmer.
Unser Sohn wurde auf eine Spieluhr geprägt. Er weiß, wenn sie läuft ist “Gute Nacht”.
Neue Assistenten beginnt unser Sohn nach der Kennenlernzeit zu testen. “Was machst du, wenn ich zum Beispiel schreie wie am Spieß?” Das war zeitweise ein Problem mit ein paar Assistenten. Wir haben Assistenten vom Behinderten- oder Kinderbetreuungssektor oder Eltern. Frauen und Männer. Wer noch nie mit Kindern gespielt hat braucht eine Zeit um sich zu behaupten. Der Test dauert ein
paar Dienste und dann geht es wieder. Ich denke es ist eine Entwicklung von einem Spielgefährten zu einer Betreuungsperson.
Die Finanzierung übernimmt der FSW – Fonds Soziales Wien. Neben dem Pflegegeld gibt es auch noch einen zusätzlichen Fördertopf zur Bezahlung der Assistentinnen. Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen, aber anders könnten wir nicht gemeinsam in einer privaten Wohnung leben. Ein paar Jahre bevor unser Sohn zur Welt kam, wurde eine Erhöhung des Förderbetrages für Eltern eingeführt – es tut sich also langsam etwas!
Es sind natürlich auch meine Assistenten und sie haben auch viel mit mir zu tun.
Das ist oft schwer, wenn nur eine Assistenz da ist und deswegen haben wir teilweise auch zwei Leute im Dienst, wenn mein Mann arbeitet. Der Assistent der als erster da ist am Tag ist der Hauptassistent in den Augen unseres Sohnes – der Assistent wird verfolgt von unserem Kind, was eine lustige Logik ist. Papa und Oma sind die Ausnahme, denn sie werden immer verfolgt.
Unser Leben mit dem Fuchs ist eine tägliche Herausforderung. Und die wundervollste, das wir je hatten.
Habt ihr noch weitere Fragen? Was interessiert euch an diesem Leben? Dann schreibt sie gerne in die Kommentare.
Eure
wheelymum

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4 Kommentare

  1. Lydiaswelt

    Beim Lesen dieses Beitrags merke ich wieder, wie unterschiedlich die Bedürfnisse von uns Eltern mit einer Behinderung sind. Für mich ist das inzwischen gelaufen, da meine Kinder inzwischen groß sind. Ich freue mich jedoch für die Eltern, die die Unterstützung bekommen, die sie brauchen, ohne Bittsteller bei Behörden und CO zu sein.

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  2. Jule

    Es ist spannend das zu lesen. Mir wären die Bezeichnungen mit Tante und Onkel viel zu nah. Aber natürlich darf und soll das jeder handhaben wie er das möchte

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  3. Anna

    Ich frage mich, wie du das aushältst. Nicht böse gemeint.
    Ich selbst habe einen Assistenzhund und habe noch weiteren Assistenzbedarf (FB: Jojo, mein Assistenzhund und Ich. IG: Assistenzhund_Jojo).
    Mein Assistenzbedarf ist bislang kaum gedeckt, hier läuft so gut wie nichts und vieles schief.
    Unter anderem, weil ich es nicht aushalte, ständig irgendwelche Menschen um mich zu haben. Ich brauche es alleine zu sein und ich habe bisher noch ein Problem damit, so viel Hilfe zu brauchen.
    Wie schaffst du das? Hast du Tipps?

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    1. Corina

      Liebe Anna,
      ich suche mir meine Assistenten gut aus, auch nach gemeinsamen Interessen. Es kommt aber auch darauf an, ob sie nichts tun können wenn ich es sage und sich hinsetzen und zum Beispiel eines ihrer Bücher lesen. Ich habe durch die Assistenz gute Freunde gefunden, wo ich und die Assistenz auch zwischen den Diensten reden oder Jahre danach uns noch treffen. Es gab eine die ist jetzt Patin unseres Sohnes. Mit manchen reichen mir zwei Stunden zu reden und mit ein paar rede ich tagelang und habe nicht genug davon.

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