Ein Brief an meine Kinder – über Corona und was ihr mich lehrt

Meine lieben Kinder,

diese Pandemie verlangt euch wirklich alles ab. Corona, Quarantäne und vieles mehr sind feste Bestandteile eures Wortschatzes. Ihr müsst auf so vieles verzichten und die Fragen in meinem Kopf werden immer lauter. Doch euer Gesundheitsschutz ist so unsagbar wichtig. Alles dauert zu lange, wir Familien und auch die Jugendlichen werden immer und immer wieder vergessen. Ich frage mich woran das liegt.

An den allermeisten Tagen, gehe ich ins Bett, wenn ihr schlaft. Ich schaffe es nicht mehr auszustehen. Ich habe keine Kraft mehr. Ich habe auch keine Gedanken mehr, diese drehen sich nur im Kreis. Einige Tage verlaufen gut, andere sind ganz furchtbar. Für dich, liebes Januarwunder, ist die Zeit seit einem Jahr die an die durch dich erinnern kannst. Alles was vorher war, ist aus deinem Gedächtnis verschwunden. So viele Dinge kennst du einfach noch gar nicht. Auch für dich Junior, fühlt sich vieles vertraut an und du hast dein Leben und deine Erinnerungen eingeteilt in vor Corona und während Corona. Unser neuer Alltag sieht an einigen Punkten völlig andres aus, als der frühere. An anderen Punkten hat sich gar nicht so viel verändert – denn durch Behinderung, Krankheit und Barrieren sind für uns als Familie schon oft Dinge im verborgenen geblieben, die andere freudig erkunden. Hier hat Corona mit Hybridveranstaltungen und Online angeboten teilweise sogar neue Welten eröffnet.

Und dennoch – die Kräfte schwinden. Aus Drahtseilen sind dünne Schüre geworden, die leicht reißen können – vor allen Dingen bei meinem Nervenkostüm. Das tut mir unsagbar leid. Die Magie des Gefühls von Abenteuer, vom letzten Frühling ist schon lange verfolgen

Aber was macht ihr? An manchen Tagen hängt ihr mit durch, und vermisst Dinge ganz furchtbar. Das Treffen und Spielen mit Freunden, Kindergeburtstage, der Besuch im Schwimmbad,…. und an anderen seid ihr so voll mit Ideen und Energie, dass es immer wieder überraschend für mich ist und ich nur den Mut brauche – mir die Kraft und die Zeit zu nehmen mich darauf einzulassen. Dann nehmt ihr mich mit in eure Welt und ich kann so viel von euch lernen. Immer und immer wieder.

Das Jetzt genießen. Ein Bild malen und darin versinken. Eine Landschaft aufbauen und diese immer weiter spinnen und neues erfinden. Ihr könnt euch manchmal eine kleine Ewigkeit verspielen und euch vollkommen einer Sache widmen. Nicht an vorher oder später denken. Nur jetzt im Hier sein. Den Flow erleben. Das fällt mir wirklich schwer. In den Flow zu kommen. Aber vielleicht gibt es etwas, das mir so gut tut, dass es für den Moment funktioniert – Sonne, Garten, malen, kochen… ich weiß, alles ziemlich privilegierte Dinge. Aber vielleicht klappt es – ausprobieren könnte ich es zumindest mal.

Und wenn es bei mir nicht klappt – dann das intensive Spiel mit euch. Keine 2 Stunden. Aber 15 Minuten sind gut machbar. Da sein und echt mitspielen. Ohne an etwas andres zu denken. Ich weiß, wie wichtig das für euch ist und auch wie gut mir das tut.

Ihr zeigt mir wie wichtig es ist neugierig zu bleiben und Dinge zu hinterfragen, zu begreifen und zu verstehen. Kleinigkeiten – für großes fehlt mir die Kraft. Aber das Gefühl nicht alles zu wissen und durch Neugierde neues kennen zu lernen und dadurch bereichert zu werden, das zeigt ihr mir immer und immer wieder und genau davon kann ich so viel lernen. Für mich.

Ihr zeigt mir eine Welt in der Mut und Neues wagen jeden Tag auf dem Plan steht. Wieder aufzustehen wenn etwas nicht geklappt hat und weiter zu machen. Ihr seid meine Vorbilder. Ich kann so viel von euch lernen. Auch in dieser Pandemie. Jeden Tag. Ich danke euch von ganzem Herzen dafür.

Ich liebe Euch,

Eure

Mama

 

Bildrechte Carmen Harms

 

Ich bin mir sicher, dass viele Leser jetzt denken – wann soll ich das denn auch noch machen. Es geht hier aber nicht um stundenlange Dinge. Es geht mir genau darum nicht noch mehr Kraft zu verbrauchen, sondern vielleicht für mich selbst kleine Kraftgeber zu finden.

 

 

Eure

wheelymum

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