Welt – Still – Woche: Frühchen stillen

Es ist die Welt Still Woche und für mein Empfinden sollte es in dieser Woche darum gehen, dass der Stilldruck nicht erhöht wird, die Stillhilfe aber schon. Mit der Flasche kann man sein Kind genau so liebevoll ernähren, Essen reichen und Zuwendung schenken, wie mit dem Stillen.

Wir haben unsere ganz eigenen Stillgeschichten, wie wahrscheinlich jeder von uns. Manche Frauen stillen gleich und früh wieder ab. Andere Frauen stillen lange, wieder andere haben einen schweren Stillstart, bei manchen geht es gar nicht und wieder andere möchten auch nicht stillen. Alles ist möglich, alles ist normal. Es geht nicht um besser oder schlechter. Und auch dieser Beitrag soll nicht werten. Ich möchte euch einfach unsere Stillgeschichte erzählen, denn ich hatte zwei Frühchenbabys. Keins davon war nach der Geburt bei mir. Sie lagen beide auf der Intensivstation. Ich wurde nach beiden Geburten auch erst einmal Intensivmedizinisch überwacht, bis ich dann wieder in mein Zimmer in der Frauenklinik kam.

 

Also ihr merkt schon, kein optimaler Start für das stillen gleich nach Geburt. Eines meiner Kinder bekam auch ziemlich schnell die erste HA – Nahrung, ich wusste davon noch nicht einmal etwas, weil ich schlichtweg zu dieser Zeit noch nicht ansprechbar war. Und doch bekam ich sobald als möglich die Milchpumpe um mit dem abpumpen zu beginnen. Und ganz ehrlich – es war der Horror. Alle 2 Stunden beide Brüste abzupumpen, ohne dass man das Baby gesehen hat, das war furchtbar. Gleichzeitig war es auch frustrierend, da schlichtweg keine oder kaum Milch kam. Ich wollte das erste Mal aufgeben. So hat es sich angefühlt. Nach versagen. Ich kann mein Kind nicht bei mir haben und jetzt kann ich es noch nicht einmal mit Essen versorgen.

Kurz danach durfte ich mein Baby das erste Mal sehen. Noch nicht auf den Arm nehmen, aber meine Hand zu ihm strecken und es streicheln. Ich habe auf der Station nachgefragt, wie es denn mit Zufüttern und Muttermilch aussieht. Es war eine ganz nette Fachpflegerin da, die mir erklärte:

Frühgeborene oder kranke Babys sind oft noch zu schwach, um die Brust zu fassen und die Milchbildung so anzuregen. Aus diesem Grund ist das abpumpen so wichtig. Dadurch wird die Milchbildung angeregt, natürlich anders als, wenn das Kind trinkt. Dadurch kann es auch länger dauern und auch die kleinsten Mengen sind kostbar. Ich könne auch 1 -. 2 ml in eine Spritze aufziehen, dann bekommt er zuerst das und danach wird zugefüttert.

Irgendwie berührte mich das sehr und ich sah wieder einen Sinn im abpumpen. Ich habe mir den Wecker auf alle 2 Stunden gestellt und eine andere Mama gab mir den wertvollen Tipp:

  • Wenn möglich pumpe in der Nähe vom Baby, falls das nicht geht
  • pumpe bevor du zu ihm gehst. Die Vorfreude regt die Milchbildung mit an. Das Gegenteil kann eintreten,m wenn du direkt nach dem Besuch (im Abschiedsschmerz) pumpst
  • Schaue dir ein Bild oder ein Video von ihm an,

Diese Tipps waren wirklich wertvoll und ich hätte mich gewünscht, dass ich diese nicht nur zufällig erfahre, sondern auch gezielt mitgeteilt bekomme. Nun hieß es durchhalten. Ich habe gepumpt, die Milch wurde gekühlt und zu den Mahlzeiten zu erst verfüttert. Jeder Tropfen. Auf der Intensivstation lief das sehr gut, Als mein Baby verlegt wurde, war das schwieriger, denn auf der Neantologie, wurde die kleine Milchmenge oft vergessen. Hier musste man durchaus schauen, dass auch die 10 ml verfüttert werden und das Baby nicht nur pre Nahrung bekommt.

 

 

Für mich war klar, dass ich immer wieder abpumpen werden muss. Schon alleine, da ich manchmal still unverträgliche Medikamente zu mir nehmen musste. Also bekam ich auch für zu Hause eine Milchpumpe verordnet. Ich habe mir ein zweites Pumpset dazu gekauft, damit das auskochen und das pumpen an sich, etwas einfacher wurde. Nach der Medikamenteneinnahme, habe ich die nächste Milch immer abgepumpt und verworfen. Besprecht das bitte mit eurem Arzt und dem Gynäkologen. Hier war das unsere Lösung. Als Junior 8 Wochen alt war, habe ich ihn zum ersten Mal angelegt. Ich war so aufgeregt und unsicher, ob er die Brust nehmen würde, nach der Magensonde und dann der Flasche. Aber was soll ich sagen, Er hat es wunderbar gemacht und gleich getrunken. Natürlich gab es ein paar kleine Schwierigkeiten und wir konnten auch nicht von heute auf morgen komplett stillen, aber er trank an der Brust. Ich war im Endorphinrausch. Meine Hebamme hat sich das ganze auch angeschaut und uns unterstützt. Ihr könnt in diesem Fall auch eine Stillberaterin dazu holen oder nach fragen.

Für uns war der ideale Weg folgender:

  • Wir stillen
  • Danach gibt es, wenn vorhanden abgepumpte Milch
  • Danach Pre – Nahrung
  • Nach dem Füttern, pumpe ich nochmal ab

So haben wir das einige Wochen gehandhabt. Das hatte den Vorteil, dass auch der Papa immer wieder einmal füttern konnte. Und das haben wir uns zu Nutzen gemacht. Der Papa hatte damit immer die späte Abendschicht gegen 23 Uhr und ich habe in dieser Zeit bereits tief und fest geschlafen. Dadurch hatte ich ein Schlafzeitfenster fast zum durchschlafen. Ich hatte kein schlechtes Gewissen bei diesem Misch – Masch und für uns, ich betone für uns, war das die beste Variante in unserer Situation.

 

 

Ich konnte übrigens voll stillen, nur war der Weg dahin nicht einfach und auch alles, aber nicht schnell. Hier hat sich die Geduld ausgezahlt, aber ich verstehe jeden bei dem es nur als Belastung gesehen wird. Denn das ist es. Es ist kräftezehrend und unheimlich anstrengend. Und jeder, wirklich jeder soll seinen für sich passenden Weg gehen.

 

Eine kleine Anmerkung noch am Ende:

Bei unserem Januarwunder verlief das alles ähnlich. Er konnte etwas früher an die Brust aber er musste danach nochmal auf die Intensivstation und durfte auf keinen Fall gestillt werden. Aus dem Grund, weil er sein Bett nicht verlassen durfte. Hier war ich zu Hause und er 40 km von mir entfernt. Es gab eingeschränkte Besuchszeiten und so viele Sorgen. Ich musste wieder komplett abpumpen und die Milch blieb an Tag 2 bereits weg. Zu viel Stress. Egal wie viel ich pumpte, es kamen nur Tropfen oder gar nichts. Und wieder stand ich vor der Entscheidung: höre ich auf oder versuche ich es weiter.

Nach vielen Tränen, die Entscheidung, ich versuche es noch 3 Tage und danach entscheide ich. Auch am nächsten Tag kam kaum Milch, egal wie sehr ich mich angestrengt habe, Milchsteigerende Mittel zu mir genommen habe, ganz gleich was ich tat. Es ging nicht. Doch ich habe mir 3 Tage gegeben und diese wollte ich auch durch ziehen. Also,…versuchen den Druck raus zunehmen. Mein Baby verhungert nicht ohne meine Milch. Es wird versorgt und es ist das wichtigste, dass es ihm gut geht.

Ich nahm die Milchpumpe mit zu ihm ins Isolationszimmer und schon lief es wieder etwas besser. Es reichte erneut nicht, aber ich hatte das Gefühl, ich kann etwas für ihn tun und dazu beitragen, dass er statt wird und wichtige Inhaltsstoffe bekommt. Aber es ist nicht alleine meine Verantwortung. Ich versage nicht, wenn es nicht reicht.

Wie war das denn bei euch?

wheelymum

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