Reisen mit Handicap

Bei uns sind bald Pfingstferien. Bei euch vielleicht bald Sommerferien. Ganz gleich ob ihr an die Ferien gebunden seid oder nicht, für viele stehen bestimmt Urlaubsreisen an. Das Reisen mit Kindern hat sich für uns schon sehr verändert. Leider stehen wir auch immer wieder vor den selben Problemen wie ich sie hier einmal beschrieben habe. Es gibt Ausnahmen, ja. Diese suchen wir immer wieder ganz bewusst, wie z.B. hier als wir in Berlin waren. Nach dem Drama mit der deutschen Bahn, ist das leider auch nicht mehr so einfach. Planung ist das A und O. Für uns als Familie hat sich zudem die Packliste von Zuckersüße Äpfel, als sehr hilfreich erwiesen. Aber wie ist das Reisen mit Handicap überhaupt möglich? Dazu habe ich heute einen Gastbeitrag für euch:
An noch unbekannte Orte reisen, in anderen Ländern Land und Leute kennenlernen oder seinen Urlaub in einer wunderschönen Landschaft genießen – solche Reiseträume haben Menschen mit Handicap genauso wie alle anderen auch. Auch sie wollen ihren Urlaub genießen, selbst wenn sie etwas umfangreichere Vorbereitungen treffen müssen und spezielle Dinge vorher zu bedenken haben als Menschen ohne Behinderungen. Je besser die Planung im Vorfeld, desto entspannter kann der barrierefreie Urlaub gelingen.
Eine gute Planung zuerst
Die wichtigste Frage im Vorfeld einer Reiseplanung ist natürlich, wohin die Reise gehen soll. Welche Städte reizen Sie schon seit geraumer Zeit, gibt es geschichtliche Highlights, die Sie schon immer besichtigen wollten oder ein Sehnsuchtsland? Steht mehr Entspannung im Vordergrund und ein gediegener Strandaufenthalt oder soll es eher ein Aktivurlaub werden? Je konkreter Sie wissen, was Sie in Ihrem Urlaub erleben wollen, desto genauer können Sie dann über einen Reiseveranstalter oder das Internet recherchieren. Mit Hilfe einer guten Checkliste fällt die Reiseplanung in jedem Fall leichter.
Dazu gehört für Menschen mit Handicap, dass sie die von ihnen benötigten Hilfsmittel und Medikamente problemlos mitnehmen können. Einen Lifter zu transportieren kann zum Beispiel einige Probleme verursachen. Manchmal gibt es die Möglichkeit, vor Ort entsprechende Hilfsmittel zu mieten. Informieren Sie sich vorher bei der Reise- oder Fluggesellschaft über die Transportbedingungen. Mitzunehmende Medikamente sollten in Originalverpackung und in ZIP-Tüten im Handgepäck verstaut werden. Vergessen Sie nicht, entsprechende Atteste Ihres Arztes mitzuführen und auch Ausnahmegenehmigungen für bestimmte Länder zu
beantragen. Eine abgestimmte Auslandskrankenversicherung gehört ebenfallszur Reisevorbereitung.
Barrierefreie Reiseländer
Liegt das Reiseziel im Ausland, bieten sich manche Länder für Urlauber mit Handicaps mehr an als andere. Beispielsweise gilt die USA als sehr behindertenfreundlich, was viel in der Hilfsbereitschaft der amerikanischen
Gesellschaft begründet ist. So sind in den USA öffentliche Einrichtungen dazu verpflichtet, barrierefreie Zugänge anzubieten. Viele Hotels, Geschäfte und Restaurants orientieren sich daran, ebenfalls „accessible“ zu sein.
Im europäischen Ausland werden von spezialisierten Anbietern besonders Spanien und Österreich empfohlen. In Spanien gibt es besondersviele behindertengerecht gestaltete Anlagen auf Mallorca und in Österreich sind eine
ganze Reihe in Westtirol angesiedelt. Aber auch in einigen anderen Ländern wie Dänemark, Niederlande, Italien, Kroatien und Schweiz gibt es viele behindertengerechte Ferienunterkünfte.
Die richtige Unterkunft
Jeder Mensch mit Handicap weiß am besten selbst, was er im Alltag alles braucht.
Sitzt eine Person im Rollstuhl, ist es wichtig, dass die Unterkünfte bestimmte Kriterien erfüllen: Ausreichende Türbreiten, auch bei den Aufzugszugängen oder genügend Platz zum Rangieren im Zimmer und Badezimmerbereich gehören dazu. In Hotels, die eine Barrierefreiheit anbieten, sollten darüber hinaus die
folgenden Fragen allesamt mit „ja“ beantwortet werden:
  • Hat das Hotel Behinderten-Parkplätze ist ein angeschlossenes Restaurant in der Nähe auch barrierefrei
  • Gibt es im Bad und WC ausreichend Haltegriffe in der richtigen Höhe?
  • Sind an allen Stufen Rampen angebracht?
  • Existieren gefestigte Wege im Außenbereich oder auf dem Weg zur Umgebung oder zum Strand?
  • Wird ein Shuttle-Service angeboten oder gibt es sogar Assistenten für Rollstuhlfahrer?
Leider haben immer noch die meisten Hotels keine ausgesprochenen Hinweise oder einheitliche Auszeichnungen für ihre Barrierefreiheit. Wenn Sie eine bestimmte Location ausgewählt haben, lohnt es sich durchaus, beim Anbieter direkt nachzufragen. Wenn Ihnen die Mühe, einen passenden Anbieter zu finden, zu groß erscheint, können Sie auch bei Reiseagenturen anfragen, die sich auf Menschen mit Handicaps spezialisiert haben.
Für alle Fälle eine Reiserücktrittsversicherung
Viele detailliert geplante Reisen brauchen nicht nur eine Menge Vorbereitungszeit und Recherche, sie sind auch oft kostspielig. Die guten behindertengerechten Angebote sind leider vergleichsweise rar gesät und sind nicht preisgünstig. Mit Blick auf die Kosten ist es besonders unerfreulich, wenn irgendetwas vor der Reise dazwischen kommt und die Ferien abgeblasen werden müssen. Aus diesem Grund sind gut abgestimmte Reiserücktrittsversicherungen sehr empfehlenswert, um zumindest den finanziellen Schaden in Grenzen zu halten. Neben den Risiken vor dem Urlaub (wie eine plötzliche Krankheit, ein Unfall oder ein Vermögensschaden) deckt eine zusätzliche Reiseabbruchversicherung auch widrige Umstände während des Urlaubsaufenthaltes ab.
Eine gute Reisekrankenversicherung übernimmt die Kosten eines ambulanten oder stationären Krankenhausaufenthaltes. Gerade Reisende mit Handicaps oder einer chronischen Erkrankung werden von den Versicherungen besonders genau geprüft. Deshalb sollten Sie sich an Gesellschaften orientieren, die damit verbundene Risiken kulant regeln und im Zweifelsfall auch die Stornokosten für die Reise übernehmen.
Wenn auch die Anreise und Beförderungsmöglichkeiten vor Ort ausreichend gecheckt worden sind, steht einer spannenden oder erholsamen Reise zu dem gewählten Urlaubsort nichts mehr im Wege.
In diesem Sinne, eine gute Reise. Mehr über unsere Resien erfahrt ihr auf www.wheelymum-on-tour.com 
Eure
wheelymum

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2 Kommentare

  1. Lydiaswelt

    Wenn wir als blinde Eltern verreisen, stellen sich Fragen wie wer hilft an einem Büfee, wie gut sind öffentliche Verkehrsmittel, oder gibt es vor Ort einen Ansprechpartner für aufkommende Fragen. Und dann gibt es Reiseanbieter, die blinde Fahrgäste nur in Begleitung einer volljährigen Begleitperson mitnehmen. Darunter fallen viele Kreuzfahrtanbieter, bei denen eine Sinnesbehinderung mit kognitiver Einschränkung gleich gesetzt wird. http://lydiaswelt.com/2018/09/03/kreuzfahrtanbieter-diskriminiert-blinde-fahrgaeste/

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    1. wheelymum (Beitrag Autor)

      Danke für deinen Input. Stimmt, das habe ich bei dir gelesen und war schockiert. Wie gut, dass du es zur Sprache bringst

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