Inklusion und Teilhabe wo bist du – Reisen mit Rollstuhl und Kind

Erstellt am 04. April 2016

Ich dachte wir wären in Deutschland auf einem Weg in Richtung Inklusion und Teilhabe. Und verglichen mit anderen – ärmeren – Ländern ist das auch bestimmt wirklich so. Wie sehr Menschen mit Behinderung und Eltern mit Behinderung aber wirklich behindert werden, habe ich in den vergagenen Wochen mehrfach erfahren müssen.

Es begann so einfach mit dem Plan mit meinen beiden Männern im Mai nach Berlin zu fahren. Wir eollten mit dem Zug anreisen, dann dort ein paar Nächte bleiben und danach mit dem Zug zurückfahren. Ich machte mich an die Planung und es gab nur Probleme:

  • Der Bahhof bei uns in der Stadt ist nicht behindertengerecht, barrierefrei oder Rollstuhlgeeignet. Man kommt mit dem Rollstuhl einfach nicht an die Gleise. Auf meine Nachfrage, bekam ich die Aussage: „Sie haben 2 Möglichkeiten: Entweder sie gehen einfach an einen großen Bahnhof (30 km entfernt) oder sie lassen sich und den Rollstuhl zu den Gleisen hochtragen. Eine Begleitung haben sie ja sowieso dabei.“ ähm… ja danke für das Gespräch.
  • Als Rollstuhlfahrer muss man seine Bahnreisen mind. 24 Stunden vorher anmelden. Das ist jetzt bei uns kein Problem, aber spontes Zugfahren scheidet damit schoneinmal aus.
  • Bei Deutschen Bahn gibt eine sogannte Mobilitätszentrale. Die Menschen dort sind wirklich freundlich und bemüht. Aber bei einer Mama, im Rollstuhl die auf eine Begleitperson angewiesen ist, kann kein Kind mitfahren. Ich dachte ich falle aus dem Rollstuhl. Es gibt es extra Rllstuhlplätze im Zug. Hier dürfen nach Aussage von 2 unterschiedlichen Mitarbeitern, keine Kinder sitzen.
  • Die Kinderabteile der Deutschen Bahn sind für Eltern mit Kindern. Ein Rollstuhl darf hier, nach Aussage der Mitarbeiter nicht hinein. Erstens ist dafür kein Platz, und auf meine Nachfrage, wie es ist, wenn ich umgesetzt werde, bekam ich die Antwort, dass dann der Rollstuhl immer noch keinen Platz hat.
  • Unsere Lösung? Ich habe einen Rollstuhlpatz im Zug und mein Mann und Junior gehen in das Kinderabteil. Aber!!! Es wird hier ganz deutlich, dass man auf Eltern mit Behinderungen nicht vorbereitet ist. Es gibt Eltern und es gibt Menschen mit Behinderungen – aber beides in einer Person? No way

Ich will Aufspringen und laut schreien: Wir sind hier! Es gibt uns! Bitte seht uns!

Ich will Aufspringen und laut schreien: Ich bin hier! Es gibt mich! Bitte seht mich!

Nun wollen wir nach Berlin. In unsere Hauptstadt!

Ich habe mich im Vorfeld erkundigt, welche Hotels barrierefrei und Rollstuhltauglich sind. Schon alleine damit minimierte sich die Auswahl. Es ist also immer noch keine Selbstverständlichkeit. Aber ok – immerhin gibt es einige Hotels, indie man als Menschen mit Behinderung gehen kann.

Auf meine 30 Nachfragen nach passenden Zimmern für unsere Konstelation (Mama mit Rollstuhl und einer Begleitperson – die in unserem Fall auch der Papa ist – und einem Kleinkind) bekam ich fast nur Absagen. Die Begründung war immer die selbe:

Es gäbe Familienzimmer, aber diese sind nicht barrierefrei oder zu klein für den Rollstuhl. Und dann gäbe es barrierefreie Zimmer. Meistens sind das Einzelzimmer. Manchmal auch Doppelzimmer. Leider ist es nicht möglich, hier ein Zustellbett mit hineinzustellen, da der Rollstuhl sonst keinen Platz hat.

Das Echo war auch hier: Es gibt Eltern und alleinerziehende mit Kindern und es gibt Menschen mit Behinderungen. Aber beides in einer Person? No way!

Auch hier möchte ich aufspringen und schreien: Es gibt uns. Wir sind da. Bitte seht uns.

Ich möchte aufspringen und schreien: Es gibt mich! Ich bin da! Bitte seht mich!

Hotel

Von 2 Hotels bekam ich eine postive Rückmeldung. Leider deckten diese sich beide nicht mit unseren Ansprüchen. Ja, jetzt stellt sie auch noch Bedingungen.

  • Hotel 1 kann ein Barrierefreis Zimmer mit Zustellbett anbieten. Leider gibt es in der Nähe keine barrierefreie S – oder U – Bahnstation  und die nächste barrierefreie Satation liegt ca. 5 km entfernt. Da wir in Berlin auch unterwegs sein werden, ist dies einfach keine Option für uns.

 

  • Hotel 2 kann ALLE unsere Anforderungen erfüllen. Ein Aufenthalt für 3 Nächte für 3 Personen würde aber 998€ kosten. Und was soll ich sagen, leider können wir das schlichtweg nicht finanzieren.

 

Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegben und in den letzten Tagen nochmals 20 mögliche Unterkünfte angeschrieben.´und angerufen. Darunter waren ettliche Tipps aus meiner Onlineblubblerblase.  Hier haben wir nun eine Möglichkeit gefunden, zu übernachten, auch wenn unser Budget ziemlich überstrapaziert wird.

Wir freuen uns wirklich sehr darüber.

Aber alleine dieser Kampf hat mir wieder einmal klar vor Augen geführt, wie weit weg, wer immer noch von einer wirklich Inklusiven Geselschaft entfernt sind und das Eltern mit Behinderungen, einfach immer noch viel zu wenig Beachtung finden. Genau dieses Wort : BEACHTUNG trifft es für mich ganz gut. Denn ich will nicht nur gesehen werden, nein, ich möchte auch geachtet werden. Denn das hat jeder Mensch verdient.

 

wheelymum

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1 Kommentar

  1. Pingback: Barrierefreiheit geht alle an - Wheelymum

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