Ausnahmezustand Tag 9: In der Natur ist alles einfacher

Früh wache ich auf. Kopfschmerzen. Kaffee. Ich beginne einen Text zu schreiben und möchte endlich einmal meine Mails lesen und beantworten. Junior kommt schon dazu und fragt ob er mit Anton ein wenig „spielen“ kann. Anton ist eine Lernapp, die wir seit der Corona Krise nutzen.

Aus den Mails wird nichts. Wir unterhalten uns über dies und das und Junior fragt, ob er nicht auch einmal später mit seinem Unterricht beginnen könnte. Klar, das können wir machen. Das Januarwunder wacht auch auf und nach dem Kuscheln spielen die beiden. Ich bereite gebackenes Porridge zum Frühstück zu. Der Wunsch ist mit Zimt und Kokos. Gleichzeitig richten wir noch aus altem Brot und Äpfel die Weg müssen, einen Scheiterhaufen als Mittagessen. Wenn der Backofen schon mal an ist, kann man das gleich ausnutzen.

Nach dem Frühstück geht der Herzmann einkaufen. Wieder für drei Haushalte mit einer langen Liste. Es gibt keine Hefe mehr und auch auf Nachfrage die Rückmeldung: Vor Ostern werden, wir keine mehr bekommen. Wir verschicken einen guten Morgen Gruß – heute mit unseren Regenbogen. Es wird mit der Eisenbahn gespielt und danach beginnen wir den Tag mit der Reise in den Zauberwald von Alba Berlin.

Junior fragt, ob wir die Schulaufgaben nicht ganz ausfallen lassen könnten, heute. Geht leider nicht und wir einigen uns auf ein kleines Arbeitspensum. Schreibschriftbuchstaben sind nicht einfach und danach soll Mathe folgen. Hier eskaliert es fast. Ich entscheide – Beziehung vor Homeschooling. Abbruch der Arbeiten.

Wir essen zu Mittag, das ging nun ja ganz schnell, da wir das bereits heute morgen vorbereitet haben. Alle müssen raus, ganz dringend. Wir fahren auf ein Tulpenfeld und holen uns ein paar Blumen nach Hause. Damit es dort auch schön und bunt wird. Junior schneidet seinen eigenen Strauß, die Besitzer kommen auch zufällig vorbei. Er rechnet und zahlt auch selbst.

Danach geht’s in den Wald. Frühlingsluft schnuppern, am Tippi weiterbauen, Zitronenmelisse entdecken und Steine sammeln. Ich nutze die Zeit in der alle ganz vertieft sind und lese in das neue Buch, Respekt, Vertrauen & Liebe: Was Kinder von uns brauchen* welches gestern, vom Beltz Verlag,  mit der Post kam. Ein dickes Dankeschön dafür.  Ein Buch welches Jesper Juuls gerne noch geschrieben hätte. Er kam aber nicht mehr dazu und starb leider zu früh. So ist es eine Art Hommage an diesen Menschen und seine Sicht zur Beziehung und Erziehung. Der Gründer von Family Lab hat das Buch aus Vorträgen von Juuls zusammen geschrieben und bereits beim ersten Querlesen gefällt es mir sehr gut.

Wir finden Tierspuren und Steine. Junior beginnt mit den Steinen zu rechnen und meint:

„Stellt mir mal alle Plus und Minusaufgaben. Denn in der Natur geht das für mich alles viel einfacher. „

Und wieder sehe ich, wie sehr wie unseren Kindern vertrauen können, dürfen und vielleicht auch sollen. Ich würde gerne so viel mehr Chancen in diesem Homeschooling sehen (ich weiß, das ist eine privilegierte Situation) und mich trauen, sich weg von diesen Vorgaben, zu bewegen.

Nach 3 Stunden, die gerade so verflogen sind, fahren wir wieder nach Hause. Junior bastelt Trostpflaster – ein abgesägtes Stück Holz mit einem lieben Spruch darauf und Regenbogen, die er dann verteilen möchte, um anderen eine Freude zu machen. Es ist Abendessenszeit und ich muss passen. Ich muss ins Bett. Leider ohne meine geliebte Wärmeflasche, die ist hinüber.

Die Jungs kuscheln sich zu mir und Junior bemerkt, dass er heute Bea verpasst hat. Wir schauen, ob wir das Ganze nachlesen können. Wir sehen ein Live zum anschauen, aber ohne Buch. Heute wurde kreativ gearbeitet. Das soll ausprobiert werden. Bitte den Herzmann, das Öl zu holen, damit wir eine Handmassage machen können. Das Januarwunder hört das Wort Öl, zieht sich gleich aus und legt sich auf den Bauch. Es möchte eine “Sasse”. Also noch etwas Wellness für alle vor dem Schlafengehen. Ich scrolle nochmal durch die sozialen Medien und stelle mit Erschrecken fest, dass am Freitag in der Sondersitzung des Bundesrates bereits über dass Intensivpflege und Rehabilitationsstärkungsgesetzt beraten werden soll. Also schreibe auch ich nochmal ein paar Mails an Abgeordnete. Den offenen Brief vom deutschen Behindertenrat findet ihr hier.


Danach schlafe ich irgendwann ein.

Eure

wheelymum

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