Mehr Leichtigkeit im Leben

Leichtigkeit. Ein schönes Wort. Und manchmal eines, das sich im Alltag ziemlich weit entfernt anfühlt. Wenn ich gefragt werde, was ich mir wünsche oder was mir fehlt, habe ich schon oft “Leichtigkeit” geantwortet.

Denn Leben besteht nicht nur aus schönen Momenten, Familienglück und kleinen Abenteuern. Es gibt Organisation, Barrieren, ungeplante Herausforderungen, körperliche Grenzen und Situationen, in denen ich mich frage, warum manches eigentlich immer komplizierter sein muss. Es gibt Tage, an denen mir die Leichtigkeit fehlt.

Aber vielleicht habe ich genau deshalb verstanden, dass Leichtigkeit nicht bedeutet, ein leichtes Leben zu haben.

Leichtigkeit bedeutet für mich, nicht alles schwerer zu machen, als es ohnehin schon ist.

Dabei helfen mir vier Gefühle besonders: gesunder Stolz, Sicherheit, Verbundenheit und Leichtigkeit.

Gesunder Stolz: Ich darf sehen, was ich leiste

Stolz hatte für mich lange einen etwas schwierigen Beigeschmack. Das war absolut schwer für mich, das anzuerkennen. Einen ganz großen Anteil dabei, dass ich das “zugeben” kann, haben meine Therapeuten. Denn sie haben mir immer wieder gesagt und gezeit: Ich darf stolz auf mich sein.  Dabei gibt es einen Unterschied zwischen Überheblichkeit und gesundem Stolz.

Gesunder Stolz bedeutet für mich: Ich erkenne meine eigene Leistung an.

Als Wheelymum muss ich viele Dinge anders planen. Wege müssen funktionieren, Zugänge müssen vorhanden sein, Hilfe muss organisiert werden. Manche alltäglichen Dinge brauchen mehr Vorbereitung und Energie, als andere Menschen vielleicht vermuten. Und trotzdem ertappe ich mich manchmal dabei, vor allem auf das zu schauen, was nicht funktioniert.

Ich möchte meinen Blick deshalb bewusst verändern. Ich darf stolz sein, wenn ich eine schwierige Situation gemeistert habe. Wenn ich für meine Bedürfnisse eingestanden bin. Wenn ich eine Grenze gesetzt habe. Wenn ich etwas ausprobiert habe, obwohl ich nicht wusste, ob es funktionieren wird.

Nicht alles muss großartig oder perfekt sein. Manchmal reicht es, anzuerkennen: Das war heute anstrengend. Und ich habe es trotzdem geschafft.

 

Sicherheit: Nicht alles muss planbar sein

Ok, ich habe beim ersten Satz geschrieben, das war wohl das Schwierigste für mich. Aber hey, das mit der Sicherheit war  fast genauso schwer und ich übe noch immer. Immer und immer wieder. Denn Sicherheit bedeutet für mich nicht, dass jederzeit alles unter Kontrolle ist. Das wäre im Alltag ohnehin eine Illusion.

Sicherheit entsteht vielmehr durch Menschen, auf die ich mich verlassen kann. Durch mein Zuhause. Durch vertraute Abläufe. Durch Menschen, bei denen ich nicht ständig erklären muss, warum etwas für mich anders funktioniert.

Und Sicherheit entsteht auch aus Erfahrung.Ich habe schon viele Situationen erlebt, bei denen ich vorher nicht wusste, wie ich sie lösen werde. Im Nachhinein weiß ich: Irgendwie habe ich einen Weg gefunden.

Dieses Wissen gibt mir Vertrauen und ich darf mutig sein und auf mein Vertrauen vertrauen. Ein Lernprozess.  Ich muss nicht für jede Situation einen perfekten Plan haben. Ich darf darauf vertrauen, dass ich auch mit dem umgehen kann, was unerwartet kommt. Das ist nicht einfach, gibt mir aber etwas Leichtigkeit, zumindest im Alltag, zurück.

 

Verbundenheit: Niemand muss alles alleine tragen

Für mich ist Verbundenheit ein ganz wesentlicher Teil.  Sie entsteht im Austausch mit anderen Eltern, mit Menschen mit Behinderung, mit Menschen, die Inklusion leben oder sich dafür einsetzen. Sie entsteht durch ehrliche Gespräche, durch gegenseitige Unterstützung und manchmal auch einfach durch ein gemeinsames Lachen über die Absurditäten des Alltags.

Es macht einen Unterschied, ob man denkt: Warum bin ich eigentlich die Einzige, die das gerade erlebt? Oder ob man merkt: Andere kennen dieses Gefühl auch.

Hier auf dem Blog bedeutet das für mich aber auch, dass Wheelymum nicht nur über das eigene Leben zu erzählen. Es bedeutet auch, Räume für Verbindung zu schaffen. Für Erfahrungen, die sonst vielleicht unsichtbar bleiben. Für Fragen, auf die es nicht immer eine einfache Antwort gibt.

Leichtigkeit: Ich darf auch einfach genießen

Und dann ist da die Leichtigkeit für einen Moment.

Ein Lachen. Ein schöner Ausflug. Zeit mit meiner Familie. Sonne im Gesicht. Musik. Natur. Ein Gespräch, das guttut. Ein Moment, in dem ich nicht darüber nachdenke, was schwierig ist.

Solche Momente sind keine Nebensache.

Sie sind wichtig. Sie sind elementar für mich.  Denn wenn ich ständig nur auf Hindernisse, Probleme und das schaue, was noch verändert werden muss, wird mein Blick irgendwann eng. Dann vergesse ich leicht, dass mein Leben aus viel mehr besteht. Vielleicht bedeutet Leichtigkeit deshalb manchmal einfach, den Anspruch loszulassen, aus jedem Tag etwas Besonderes machen zu müssen.

Ich darf mich freuen, ohne einen Grund dafür liefern zu müssen.

Ich darf stolz sein.

Ich darf mich sicher fühlen.

Ich darf mich verbunden fühlen.

Und ich darf leicht sein.

Nicht, weil mein Leben immer leicht ist. Sondern weil ich mir selbst nicht verbieten möchte, Leichtigkeit darin zu finden.

wheelymum

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