Verreisen mit Rollstuhl – alles easy? Bei weitem nicht

Alles in uns ruft: raus aus dem Alltag. Doch so einfach ist das leider nicht. Natürlich wegen Corona aber auch wegen geeigneten Unterkunftsmöglichkeiten. Ich dachte immer, das liege an der Kombination, die wir haben: Eine Mama im Rollstuhl und 2 Kinder. Doch dem ist nicht so. In dieser Woche sollte ich für den Bundesverband behinderter und chronisch kranker Eltern verreisen. Die Planung war bereits im Sommer abgeschlossen, eine Assistenz gefunden und so ging es an die Reiseplanung. Folgende Punkte mussten wir abdecken:

Anreise

Unterkunft

Verpflelgung während des Aufenthalts

Abreise

In Veranstaltungsnähe fand ich ein Hotel. Dieses hatte eine barrierearmes Doppelzimmer. Ok, das sollte genügen.

Barrierefreie Unterkünfte sind also anscheinend doch ein Problem.

Für die Anreise suchte ich einen Zugverbindung mit Hin – und Rückfahrt. Am Veranstaltungstag anzureisen war nicht möglich, da ich als Rollstuhlfahrer der eine Einstiegshilfe brauche nicht vor 6 Uhr los fahren kann, wäre ich erst um nach den ersten beiden Programmpunkten angekommen.

So musste ich eine Nacht mehr buchen, als ich eigentlich benötigen würde. Die Hinfahrt habe ich also auf einen Nachmittag gebucht, denn dieser Tag war in der Reiseplanung eigentlich nicht miteingeschlossen. Auch hier kamen die typischen Probleme zum Vorschein. Eine Verbindung konnte ich nicht nutzen, da die Umsteigezeit zu knapp für eine Rollstuhlfahrer:in ist. Eine andere nicht, da der Rollstuhlplatz belegt war.

Die Zugfahrt stand nun also soweit, nach zig verschiedenen Anpassungen und erforderlicher Flexibilität seitens meiner Assistenz und mir.

Eine mobile Rampe vor einem ICE. Am  rechten Bildrand steht eine Mitarbeiterin der Bahn

 

Als Rollstuhlfahrer:in mit der Bahn Reisen – erfordert absolute Flexibilität aber nur von den Passagieren.

Auf Nachfrage, bei welcher U – Bahn – Station ich denn als Rollstuhlfahrerin aussteigen muss, in Hotelnähe bekam ich die Info, wie diese Station heißt aber auch die weitere Info, dass an dieser Station der Aufzug des öfteren nicht funktionieren würde und man mir hier, gerade als Frau mit Behinderung, die im Dunkeln ankommen wird, ein Taxi empfehlen würde. Ich kann aber nicht in jedes Taxi einsteigen.

Im Gespräch mit dem Mitarbeiter des Hotels erkundigte sich bei der Taxizentrale. Es gäbe wohl 2 Möglichkeiten einen E – Rollstuhl zu transportieren. Diese Fahrten müssen aber 5 Tage – 3 Wochen vorher angemeldet werden.

Barrierefreies Reisen – so einfach.

Wir waren rechtzeitig in der Planung und das sollte möglich sein. So habe ich mich hier mit der Zentrale in Verbindung gesetzt und gleich nach den Kosten gefragt. Die Fahrten würden mich zwischen 60 – und 70 Euro kosten. Alleine die Bereitstellung eines entsprechenden Fahrzeugs koste einen Zuschlag von 18 Euro pro Fahrt.

Puh… alles völlig easy.

Ich dachte es sei alles geklärt und ich würde heute Nachmittag in den Zug steigen. Doch es kommt anders. Neben steigenden Coronazahlen und ungeimpften Kinder zu Hause, bekam ich am Wochenende eine Mail vom Hotel, dass mein Zimmer renoviert werden müsse und es bis Dienstag nicht fertig sei. Man habe sich mit dem Partnerhotel kurz geschlossen, dort gäbe es ebenfalls ein barrierearmes Zimmer für uns.

Leider kostet dieses Hotel nochmal 40 Euro mehr pro Nacht und ist 5 km vom Veranstaltungsort entfernt. (Dort müsste ich an 2 Tagen hin). Somit würde das alles noch wesentlich komplizierter und aufwändiger. In der Summe bedeutet das für mich, dass ich diese Reise nicht antreten werde.

Das ist nicht das erste Mal.

Verreisen mit Behinderung oder Rollstuhl.

Alles andere als einfach.

 

Eure

wheelymum

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