Schöne Bücher für schlimme Zeiten (Teil 1)

Den Fokus auf das schöne lenken, hört und liest man überall. Ich muss gestehen, mir fällt das sehr schwer. Und doch versuchen wir es natürlich. Bereits in unserer Quarantäne haben wir wieder mehr Bücher gelesen und in der Bücherstapel den ich euch vorstellen wollte, wuchs. Doch in dieser Woche sind nochmals ein paar weitere hinzugekommen, bewusst ohne die Themen Krieg oder Flucht und dennoch mit vielen Anknüpfungspunkten. Im Text findet ihr Links zum Partnerprogramm*.

 

Total verrückte Wörter*  und Total verrückte Sprichwörter*

ja, die Titel aus dem 360 Grad Verlag enthalten das Wort verrückt und sind damit ableistisch geprägt. Die Bücher selbst finde ich jedoch spannend und interessant. Sie spielen mit der Magie und Eigenarten der Wörter und Sprachen und öffnen ein klein wenig das Schlüsselloch um dort hineinzuschauen. Das Bekannteste Beispiel ist wohl das Wort „hygge“ an das wir uns auch alle nur annähern können, aber es keine richtige Übersetzung dafür gibt. So findet man in den Büchern besondere Wörter und Sprichwörter mit besonderen Zeichnungen und einer kleinen Erklärung zum Land. Für Deutschland ist zum Beispiel das Wort: Verschlimmbesserung abgedruckt. Uns hat auch das Wort Mistimanchachi sehr gut gefallen, das aus der Sprach der Quechua stammt. Es beschreibt eine bestimmte Art von Nieselregen über den sich die Menschen in den Anden sehr freuen, denn das Wasser ist so wichtig für die Felder und Tiere und damit für das Überleben der Menschen. Im spanischen gibt es ein Sprichwort „Estar en la edad del pavo“ das so viel bedeutet wie, im Alter des Truthahns sein (Teenager sein). Wer sich also an etwas Sprachfreude heran trauern mag, für den kann ich diese Bücher nur empfehlen.

 

Um Sprachfreude und alte Klassiker drehen such auch die beiden nächsten Bücher. In

Es flüstert und rauscht*

sind Naturgedichte von Josef Guggenmos für Kinder aufbereitet. Diese Aufmachung ist ein echtes Highlight. Jedes Gedicht beginnt mit einer Doppelseite in der man links das Gedicht in seiner Reinform lesen kann und Rechts der Titel bereits grafisch untermauert wird. Auf der nächsten Doppelseite (oder zwei) wird nun das Gedicht in den unterschiedlichsten Techniken gezeichnet und bebildert. Im Gedicht unter Rasen kann man eine Art Comic lesen während im Gedicht das Gewitter eine ganz andere Bildsprache herrscht. 13 Gedichte des Kinderlyrikers Josef Guggenmos findet man in diesem Buch, von 13 begnadeten Künsteln in der Bildsprache umgesetzt. Beltz und Gelberg hat bereits auch Ein Riese warf mit einem Stein* oder Seifenblase flieg*. wundervoll umgesetzt.

 

 

 

 

Weltliteratur für Kinder umzusetzen, diese Idee hat auch der Kindermann Verlag. Im neusten Buch nimmt sich Anna Kindermann dem Klassiker von E.T:A Hoffmann:

Der Sandmann* an.

Der Sandmann erzählt die Geschichte von Nathanel. Immer wenn dieser müde ist, erzählt seine Mama Schauermärchen vom Sandmann. Auch Jahre später weiß Nathanel nicht, was Fiktion und was Realität ist. Persönlich finde ich den Sandmann gruselig. In dieser Form der Aufbereitung, die sich an der Nacherzählung aus der Reclam Edition orientiert und keinen Anspruch auf Lückenlosigkeit erhebt, ist es aber ein Buch, welches einen Einstieg in die Weltliteratur vermitteln kann. Sprachlich in die Jetzt Zeit geholt und dennoch mit vielen kursiv geschriebenen Zitaten aus dem Original, nimmt uns das Buch mit ein eine Welt der vergangenen Zeit. Das Spiel zwischen Fantasie und Wirklichkeit wird hier gut umgesetzt und die Illustrationen von Dorota Wünsch nehmen dem ganzen das düstere und melancholische. Es schafft einen Zugang zur Weltliteratur, denn die Geschichten sind so umbeschreiben dass Kinder sie gut verstehen können und die Bilder erleichtern den Zugang erneut.

 

 

Die Geschichte von Mo*

könnte auch die Geschichte von dir oder mir sein. Mo begibt sich auf den Weg ins Dorf. Wie immer. Doch heute ist etwas anders. Sie findet ein Schneckenhaus und möchte darin die Wellen des Meeres rauschen hören. Doch das geschieht nicht. Dafür spricht die Schnecke mit ihr und sagt: Geh zum Meer. Zunächst ist Mo unsicher, entscheidet sich dann aber doch für diesen Weg. Sie blickt nicht hinauf sondern zu Boden und entdeckt hier noch so viel mehr. Kurz vor dem Meer nimmt die Geschichte eine Wandlung und alles um sie herum wird strahlend weiß. „Wie Papier auf das noch nie jemand gemalt hat.“ Sie entdeckt Löcher und schaut hindurch. Plötzlich befindet sie sich an einem Ort an dem alle Geschichten beginnen. Sie redet mit der Schnecke darüber, ob man Geschichten ändern kann und fängt an ihre eigene Geschichte zu gestalten.

Das Buch wirkt völlig abstrakt und unvorhersehbar. Eine absolute Stärke dieses Buches aus dem Tyrolia Verlag. Die Zeichnungen und Bilder im Collagestil unterstreichen das. Die Geschichte von Mo lädt ein, nachzufragen, zu philosophieren und vielleicht selbst die ein oder andere Geschichte zu schreiben.

 

 

Das nächste Buch ist das Buch Punkte*

Es beginnt mit einem einzelnen Punkt. Er beschreibt genau wo er ist. Auf der nächsten Seite kommen die Freunde dazu und es werden immer mehr. Sie beschreiben ihr Leben und das es ihnen gut geht. All das spielt sich auf der rechten Seite des Buches ab. Irgendwann kommt auf der Linken Seite des Buches ein einzelner Punkt. Dieser ist im inneren nicht ausgefüllt. Es zeigt sich, dass auch sie viel, wirklich viele Punkte sind. Diese Punkte fühlen sich nicht wohl. Sie haben kein zu Hause und nicht genug zu Essen und fragen nach, ob sie auf die andere Seite kommen könnten. So einfach geht das nicht und die ausgefüllten Punkte wollen erst einmal besprechen ob das möglich ist. Sie einigen sich darauf, dass einige die Seite wechseln können. Doch es wollen immer mehr kommen. Plötzlich rufen sie halt und suchen nach einer anderen Lösung. Sie stellen fest, dass alle mehr Platz haben, wenn beide Seiten genutzt werden und man zusammen hilft. So kann sich alles vermischen und die Welt eine bessere werden. Am Ende des Buches sieht man auf jeder Seite den Satz: Hallo, ich bin ein Punkt! Und darunter ein Punkt, der zur Hälfte ausgefüllt ist und zur Hälfte nicht. Dieses Buch erschien 2015 in Italien und der Schweiz, 2020 in Deutschland. Es könnte heuer nicht aktueller sein. Es ist völlig unaufgeregt und kann dadurch in vielen Situationen eingesetzt werden.

 

 

Das letzte Buch für heute, ist das Buch Happy.*

Es ist ein Bestseller und wir haben im Midi – Buch Format. Dieses eignet sich auch hervorragend als Geschenkbuch. Im Buch geht es eigentlich darum, was uns Glücklich macht. Dazu findet ihr auf jeder Doppelseite ein Schlagwort wie: fühlen, entspannen, berühren und so viele mehr. Darunter sind kurze Texte, wirklich nur ein paar Zeilen um das Thema etwas zu vertiefen. Zauberhafte Bilder und einige Fragen zur Selbstreflexion bilden den Abschluss. In meinen Storys zeige ich euch noch ein paar weitere Einblicke, denn ich glaube dieses Buch kann uns allen in diesen Zeiten sehr gut tun. Es hilft dabei die Resilienz zu stärken und das Schöne nicht aus den Augen zu verlieren. Vielleicht auch ein Buch um am Abend nochmal ins Gespräch zu kommen was heute besonders gut war oder gut getan hat.

Für heute reicht das wohl erst einmal. Aber mein Bücherstapel ist noch lange nicht leer. Er ist jetzt nur etwas kleiner, so dass ich in den nächsten Tagen sicherlich nochmal Teil 2 meiner Buchempfehlungen hinter schicken werde.

 

Eure

wheelymum

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