Mama, du stresst mich – was ich von meinem Kind lernen durfte

Kommt mit, ich nehme euch mit ins Kinderzimmer. Aber seid vorsichtig, ihr müsst etwas steigen, denn es liegen die Kappla Steine auf dem Boden, nachdem der Turm gestern Abend zusammengekracht ist. Spielzeugautos stehen in gebauten Garagen und natürlich davor, denn es ist mal wieder Stau. Wahrscheinlich weil sie nicht über die Socken fahren können die davor liegen. Dazwischen liegen und stehen unterschiedliche Tiere und ein Teil des Kaufladens. Vielleicht hatten die Tiere ja Hunger, oder … ach ich weiß es auch nicht. Ich kann sie aber auch nicht fragen, denn ich komme nicht ins Kinderzimmer hinein, ohne mit dem Rollstuhl etwas kaputt zu fahren.

 

Ich weiß, es ist das Zimmer der Kinder und mein Ordnungssinn ist nicht der selbe wie ihrer. Und doch ist es eine Regel bei uns, dass ich zumindest in das Zimmer hineinkommen muss. Sonst kann ich auch beim aufräumen gar nicht helfen.

 

Falls ihr es geschafft habt, bis zum Bett zu kommen, dann räumt es euch gerne frei und macht es euch gemütlich. Denn ich möchte euch etwas erzählen:

 

Also, ich habe an diesem Tag schon mehrmals gebeten, zumindest den Eingang frei zu räumen, so dass ich hineinfahren und beim aufräumen helfen kann. Diese Bitten und auch Befehele haben aber zu rein gar nichts geführt. Jetzt wird es Abend, ich bin fertig und habe wirklich keine Kraft mehr. Ich fühle mich nicht wertgeschätzt und möchte nun endlich diesen Boden freigeräumt haben. Mit Ach und Krach unterdrücke ich mir ein:

Räumt jetzt bitte endlich auf, oder ich gehe mit dem Besen durch und es vermischt sich alles und wird nur noch schlimmer. Dafür spüre ich wie ich meinen Mund öffne und aus ihm (wie aus einer Pistole) die Worte im Schnelldurchlauf kommen:

Aufräumen, aufräumen, Bad, Toilette, Waschen, Zähne putzen, Haare kämmen, ins Bett gehen, auf jetzt –

 

“Mama, das stresst mich!”

 

Ich gab völlig genervt zurück: “WAS stresst dich?”

(Mein Kopf tanzte Samba: Zuerst schieben sie es den ganzen Tag vor sich her, und dann heißt es noch, ich würde stressen, weil ich sage sie sollen sich dann umziehen und Zähne putzen, wo kommen wir denn da hin, sollte das nicht mittlerweile selbstverständlich sein)

 

Mein Sohn darauf: “Dass du mir alles auf einmal sagst. Das stresst mich! Ich will lieber, dass du mir erst eine Sache sagst und danach die andere und kannst du mir vielleicht dabei helfen?“

 

Er hat meinen Schalter gefunden und hat den Notknopf gedrückt. Ich atmete durch, schluckte um keine Tränen aufsteigen zu lassen. Ich nahm ihn in den Arm und bedankte mich bei ihm, dass er das so klar formuliert hatte und mich damit aus meiner Spirale holte. Ich sah ihn an. Mein Sohn war schlicht überfordert!

Ich hatte ihm zu viele Botschaften aufgehalst. Er fühlte sich vermutlich, wie ich mich, wenn ich auf meine To do Liste schaue, bei der ich schon beim Schreiben, weiß, dass das viel zu viel für einen Tag ist.

“Weißt du was: Das kann ich verstehen.” sagte ich zu ihm und danach:

Lasst uns zusammen die Unordnung vor der Tür beseitigen. Zuerst alle Bausteine in die Kiste.“ … Stück für Stück räumten wir so gemeinsam auf um danach zuerst ins Bad zu gehen.

Ich finde, man kann von Kindern so viel lernen.

Zu viele Botschaften, zu viele Aufforderungen, zu viele Wünsche, das ist einfach nur Stress.

 

Das kenne ich von mir selbst auch – und vielleicht hat er es genau aus diesem Grund gewusst, dass er mir jetzt hier seinen Standpunkt erklären muss.

 

 

Eure

 

wheelymum

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